Kategorie: Tagebuch

  • Baustopp

    Baustopp

    S-T-O-P-P-P-P – STOP – RECHTSCHREIBREFORM – BAUSTOPP – OUT TO LIVE – Ferien und So – wissta Bescheid!

    Auch wenn man sich das Innehalten tierisch wünscht und herbeisehnt, läuft das Hamster-Rad doch ungebremst weiter und provoziert so manche Kollisionen! Und für gewöhnlich schwanken die Abundanzen dabei um einen festen Mittelwert…
    Baustopp klingt so negativ. Dabei geht es um bewusste Entschleunigung: Einfach mal die Seele baumeln lassen! Aber wie kann so etwas funktionieren, wenn man auf einer Baustelle wohnt?

    Einfach mal Spazieren gehen

    Durch Wiesen und Wälder, Bäume und Felder haben wir die Natur exploriert. Frei vom Leistungsdruck (Pilze, Beeren oder Früchte mit Mehrwert zu finden), sind wir freien Geistes durch den Nebel und die winterlichen Sonnenstrahlen gewandert, haben Biberbauten gefunden, die Platkower Prärie bestritten und wilde Gewässer überwunden…

    Aufgeschoben ist aufgehoben

    Die Arbeiten an der Decke der Ferienwohnung, die Arbeiten am Dachstuhl, die Arbeiten an der Heizungstherme und der Aufbau der Innenräume sind alles Themen, die uns im nächsten Jahr einholen werden. Wohl gesagt, im nächsten Jahr! Jetzt gilt es erstmal inne zu halten und zu reflektieren, zu puzzlen und Tee zu trinken…

    Mit Verlaub, wir machen Urlaub!

    Vom schönen Knüllwald mit Gans und Lachsforelle im Bauch rollen wir ins Vogtland auf die Skipiste und legen uns auf dem Sofa lang…

    Bis nächstes Jahr!

  • Tränen

    Tränen

    Ich weiß nicht wie lange es her ist, dass ich weinen musste. Jetzt auf der Baustelle, ist die Zeit gekommen…

    Bisher lief eigentlich alles ganz gut und wir waren guter Dinge; haben euphorisch von unseren Erfolgen und Fortschritten berichtet! Doch nun ist es Zeit, auch mal die Schattenseiten zu beleuchten! Denn momentan geht einfach alles schief und wir sind finanziell, körperlich und seelisch total erschöpft! Und es bleibt das Gefühl, den Überblick zu verlieren, nicht genug zu schaffen und bald kein Geld mehr zu haben! Dazu die Jahreszeit, die an der Substanz nagt und die erste Erkältung, die zur Mandelentzündung verschleppt wurde, weil man dann doch den Hammer nicht liegen lassen kann! Zeit, es sich bei 14°C vor dem Computer gemütlich zu machen und sich einmal richtig auszuheulen!

    Unsicherheiten

    Hausbesitzer wird man an einem Tag. Auf dem Papier. Aber da gehört doch eine ganze Menge mehr zu. Es ist in etwa so, wie die Anschaffung eines Neuwagens: Am Anfang traut man sich gar nicht damit auf die Straße und hat ständig das Gefühl, etwas falsch zu machen oder etwas zu übersehen. Das ist bei einem neuen Haus nicht anders! Überwiegt am Anfang die Euphorie, ist plötzlich die Angst da, etwas zu vergessen oder nicht beachtet zu haben und später unter den Konsequenzen leiden zu müssen. Funktionieren die Regenrinnen und wird das Wasser weit genug vom Fundament abgeleitet, damit dieses später nicht aufweicht!? Ist das Dach dicht genug und trägt der morsche Balken noch!? Ist die alte Gasleitung noch dicht und frieren die Rohre im Winter nicht ein!?
    Vieles hält einen unter Dauerstrom und es fehlen schlichtweg Routine und Wissen, um diesen Herausforderungen mit Gelassenheit begegnen zu können. Da muss man sich immer wieder sagen: „Das Haus hat 87 Jahre gestanden, also wird es sicherlich nicht in den nächsten Tagen einstürzen!“. Einfacher gesagt als getan! Denn viele düstere Vorsehungen erwiesen sich als unbegründet, Unbeachtetes widerum führte zu manch böser Überraschung!

    Die ersten Tränen

    Angefangen hat alles an einem grauen Novembertag: Als ich von der Arbeit zurück nach Hause kam, wollte ich wie immer lüften, damit der Lehmputz besser trocknen kann. Und wie immer war es schon fast dunkel draußen, und wie immer, regnete es. Nicht optimal, um die Feuchtigkeit aus dem Haus zu treiben. Als ich den Baustrahler einschaltete, traf mich der Schlag! Da war etwas seltsam Pelziges an den Wänden… Ich dachte, ich sehe nicht recht! Die Ecken des frisch verputzten Wohnzimmers waren voller weißer Flecken. Dabei handelte es sich offensichtlich um Schimmel! Ich begab mich auf die Suche und kam bis ins angrenzende Schlafzimmer und überall waren Schimmelbildungen zu finden. Eine absolute Katastrophe! In mir brach alles zusammen und ich sah uns schon die nächsten Tage den gesamten, frischen Putz abtragen und bei Null anfangen. Für mich war Schimmel immer das Schlimmste, was einem im eigenen Haus passieren kann. Denkt man nur an Kosten und Aufwand der Sanierung und Beseitigung!

    Nach einer kurzen Verschnaufpause folgte eine nüchterne Betrachtung: Ich rief unseren Putzer an und informierte mich im Internet über ein weiteres Vorgehen. Daraus folgte ein Schlachtplan und ich fuhr sofort in den Baumarkt, um Alkohol, einen Raum-Entfeuchter und ein Abflammgerät zu kaufen. Unser Nachbar lieh uns glücklicherweise noch eine Gasflasche und so habe ich den Schimmel sofort abgefackelt und die betroffenen Stellen mit Alkohol eingerieben. Der Entfeuchter und das Gasgebläse liefen die ganzen nächsten Tage und die Luftfeuchtigkeit konnte somit zügig auf ein gesundes Maß reduziert werden. Am Ende also alles gut, aber so einen Stress braucht echt kein Mensch!

    Tränen #2: Sorgenkind Dachboden

    Wir hatten den Plan, den zweigeteilten Dachboden zur einen Seite als Heu-Herberge und zu anderen als Ferienwohnung auszubauen. Zu diesem Zwecke war erstmals unser Zimmermann vor Ort, um sich ein Bild über die jetzige Situation zu machen und eine Kostenkalkulation anzufangen. Hier traf uns der nächste Schock, denn in unserer Naivität hatten wir einiges vergessen zu bedenken: Erstens muss eine Nutzungsänderung und eine Baugenehmigung eingeholt werden. Dann müssen Brandschutzvorschriften eingehalten und ein entsprechender Fluchtweg vorhanden sein. Insgesamt kostet eine Baugenehmigung um die 5000€ und braucht im Durchschnitt ein gutes halbes Jahr, um genehmigt zu werden. Statiker und Architekt müssen außerdem diverse Gutachten und Skizzen anfertigen. Da die Durchgangshöhe für den ersten Dachboden aber ohnehin zu niedrig ist, haben wir den Plan mit dem Heuhotel sofort verwerfen müssen. Der Ausbau des zweiten Teils als Ferienwohnung würde bedeuten, dass eine Brandschutzwand gemauert werden muss und wir damit Raum und Geld verlieren. Ganz zu Schweigen von der Entfernung des Well-Asbestes und einem neuen Lattengestell für die Untersparrendämmung. Geschätzte Kosten hier zwischen 20.000€ und 30.000€. Somit rückte unser Konzept der Selbstversorgung und Selbstverwirklichung mit dem Hof in weite Ferne. Und wäre damit noch nicht genug, stehen noch weitere 8.000€ für die notwendigen Reparaturen des Dachstuhls an, die nicht weiter aufgeschoben werden sollten. Die absolute Ernüchterung!

    Dach, Warm und Trocken, unser Trost

    Bislang haben wir uns über jeden Misserfolg hinweggetröstet, indem wir uns sagten, dass wir doch zumindest ein Dach über dem Kopf und es warm und trocken haben. Und mit etwas Geduld kommen sicherlich bald bessere Zeiten und dann schauen wir lachend auf all die Ärgernisse zurück! Als heute morgen unsere Gastherme ausfiel und den Geist aufgab, war auch dieser Trost erstmal wie weggespült! Wochenlang ließ der Wintereinbruch auf sich warten und die Temperaturen blieben weit über null, und kaum ist der erste Frost eingebrochen, steigt die Therme aus!
    Diese hätte ohnehin im nächsten Jahr ausgetauscht werden sollen, aber nun muss man sich unter enormen Druck (weil arschkalt) darum kümmern, Förderanträge stellen, Informationen einholen, etc.
    Solche Zwischenfälle nerven einfach am allermeisten, weil sie den Fokus und die Kraft nehmen: War man gerade dabei, endlich die Deckenarbeiten an der Ferienwohnung zu beenden, bricht die nächste Stake ab und alles geht von vorne los; hat man den Backofen provisorisch über eine Kraftstromleitung angeschlossen, zerspringt das Cerankochfeld. Alles mega-ärgerliche Zwischenfälle, da man sich gerade sortiert hat und eine Punkteliste abarbeitet, um dann festzustellen, dass jeder Punkt drei neue Punkte aufmacht!
    Und nach drei Monaten sitzen wir immer noch in unserem acht Quadratmeter großem Schlafzimmer, das als einziger bewohnbarer Raum verfügbar ist, und streiten uns mit Mäusen um die Vorherrschaft in unserem Haus! Aber das Schlimmste kommt noch: Es ist bald Weihnachten!

    Fazit: Es kann wirklich nur besser werden!

  • Die erste Feier

    Die erste Feier

    Wir ließen Baustelle Baustelle und fünf gerade sein und feierten Davids Geburtstag! Was für 1 Party!

    Schon vor Wochen angekündigt, war uns dann doch etwas mulmig zu Mute: Die Bauarbeiten brauchten wie immer alle viel viel länger als geplant und unsere Gäste müssten wohl auf dem blanken Boden schlafen! Mehr gibt unsere Hütte momentan noch nicht her! Aber nach all den bisherigen Überraschungen, und mühseligen Bauarbeiten sollte nun auch endlich mal Zeit für eine ausgiebige Feier sein! Das Wetter hielt Stand und wir konnten den Großteil des Abends in gemütlicher Runde am Lagerfeuer verbringen! Aufgelockert und aufgewärmt, fanden dann alle einen trockenen Schlafplatz in ihren Säckchen und kuschelten sich aneinander wie die Ölsardinen :-)! Es war schön, das Haus und den Hof mit so viel Leben gefüllt zu sehen und so viel Besuch zu empfangen! Das war ein wirklich schönes Fest!

    Vorbereitungen

    Eine große Tafel, an der alle Platz finden, eine Außenbar in der Nähe des Lagerfeuers und ein provisorischer Dance-Floor! Die Weichen sind gestellt und bald kann es losgehen! Glücklicherweise irrte sich der Wetterbericht wie üblich und es regnete an diesem Abend nicht! Und so konnte die Feier beginnen!

    Das erste Bier aus Platkow

    Die stolzen Bräus präsentieren ihr erstes selbstgebrautes Platkower Bier, für das sie im September extra die alte Oder abgegrast haben, um heimischen Hopfen zu ernten! Und es kam sehr gut an, denn wenn man den Verschleiß durch die Anzahl der Gäste dividiert, erhält man die durchschnittliche Verbrauchszahl pro Person. Aber die bleibt geheim!

    Lagerfeuermitmusik

    Von Rio Reiser über die Ärzte bis hin zu Kiwanuka und natürlich ganz viel eigenem Material gab es viele schöne musikalische Darbietungen zu genießen! Von vorne wärmte das Feuer, von innen das zufriedene Herz (Schmalz).

    Hausenwiedieköniginnen

    Hier liegen sie, die liebe Gäste, zwischen Baustaub und unverputzten Wänden, auf den blanken Bohlen, ohne Heizung und Licht, dafür aber in warme Schlaftüten verpackt! Leider habe ich versäumt, ein Audio von dem fulminanten Schnarchkonzert aufzuzeichnen! Nächstes Mal!

    Herbstspaziergang

    Abgerundet wurde der ereignisreiche Abend (oder besser gesagt die ereignisreiche Nacht) mit einem ausgiebigem Herbstspaziergang durch die Platkower Wälder. Neben vielen bunten Pilzen kamen wir am Wildgehege vorbei und haben das Areal des alten Truppenübungsplatzes erkundet. Bei frischer Luft konnten wir den Abend Revue passieren lassen, um anschließend noch eine kurze Stärkung in der warmen Wohnung zu uns zu nehmen, bevor dann auch die letzten Gäste die Heimreise antraten! Vielen Dank für diese schöne Feier!
    Bis zum nächsten Mal!

  • David macht Land

    David macht Land

    Heute ist mein Geburtstag! Zeit zu reflektieren, was mich persönlich bewog, die Stadt zu verlassen…

    Es ist 08:42 am 12. November 2017. Vor 35 Jahren erblickte ich das Licht der Welt. Geburtstagen obliegt oft eine gewisse Schwermut. Es geht ums Älterwerden. Eigentlich etwas, das man nicht gerne feiert. Blickt man dem Teufel dann ins Spiegelbild, lässt sich die eigene Vergänglichkeit für diesen Augenblick auch nicht mehr wirklich verdrängen. Trotzdem wagt man einen Aus-, Fern- und Rückblick – dreht sich gerne und schnell um sich selbst – und versucht sich im Angesicht des Welkens an Erklärungen. Hier ein friedvoller Versuch…

    Wo Licht da Schatten

    Gut behütet auf dem Land erwachsen – zwischen bunten Wiesen und Feldern, inmitten der Jahreszeiten geerdet – habe ich meine ersten Jahre im Einklang erlebt. Dann kamen das Fernweh, die Lust nach Abenteuer, und die Großstadt. Der Tumult und die Vielfalt – und alles in rauen Massen – prägten eine abenteuerliche Reise. Auf anfängliche Euphorie und Begeisterung folgten Orientierungslosigkeit und Verlust. Die Komplexität war für mich nicht mehr greifbar. Ich fühlte mich nicht mehr Teil dieses urbanen Netzwerks, sondern wie ein kleiner Fisch in trüber Pfütze. So trüb, dass mir die Weitsicht fehlte. Im Schatten dunklen Wassers näherte sich ein Ungeheuer und nahm mir Luft und Raum. Überall musste ich mich fürchten und hyperventilierte viel darüber nach, was dieses Ungeheuer wohl antrieb, mich heimzusuchen. Überrumpelt fasste ich den neuen Plan, mich beruflich zu verwandeln…

    Nähe und Distanz

    Empathie und Einfühlungsvermögen attestierten mir die Eignung als Pädagoge. In inniger und vertrauter Bindung schaffte ich den Spagat zwischen menschlicher Nähe und professioneller Distanz. Doch leichter wird die Arbeit dadurch nicht: Den Trägern fehlen Finanzmittel und Personal, was sie zur Ausbeutung ihrer Mitarbeiter zwingt, denn die Politik schüttet gerade so viel Geld aus, um eine Gouvernementalität zu sichern. Diese prekären Arbeitsbedingungen als Rahmen für die Arbeit mit traumatisierten Jugendlichen hatten noch einen weiteren Effekt: Ich konnte mich rational von den Erlebnissen meiner Klienten abgrenzen, in meiner vom Unterbewusstsein diktierten Alltagsrealität jedoch nicht. Ich beobachtete, wie sich mein Habitus veränderte. Hass und Gewalt gaben mir ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Und so fiel mir eines Tages auf, dass ich beim Wandern durch die Stadt nur noch auf den Boden schaute. Plötzlich war die lang ersehnte Nähe zu den Dingen und zur Welt zu nah und groß geworden…

    Konsumensch im Hamsterrad

    Medienkonsum prägt und die Sozialen Netzwerke sind voll von Hass, Gewalt und Werbung. So viel Werbung für so viele tolle Sachen, die wir alle unbedingt brauchen oder brauchen sollen! Auf Blogs, YoutubeInstagram und Facebook  werden Leute zu Influencern gemacht, um Content zu produzieren, der Kaufanreize bietet. Und dann diese überfüllte und übersättigte Stadt, in der es kaum noch Freiräume gibt, selbst zu produzieren: Kino, Theater, Konzert, Kneipe, Restaurant. Immer Maul aufhalten, rumsitzen, fressen und Geld ausgeben! Und um das zu verdienen, muss man seine Zeit opfern. Und dann kommt nach dem Konsum wieder diese Leere, die gestopft werden will, die man dann am Besten mit Konsum füllt. Aber eigentlich wollte ich schon immer mehr Produzent sein und mehr erzeugen, als ich nehmen könnte. Etwas da lassen, was diese Welt ein Stück besser machte. Es fehlten ein Acker und ein Beet, wichtiger Nährboden, und natürlich Luft und Licht. Und die eigene Zeit, die man dem Samenkorn zugesteht, um es wachsen zu lassen…

    Mut zum Alter

    So wie alles reifen muss, reifte auch die Überlegung, der Großstadt den Rücken zu kehren. Am Anfang stand die Sehnsucht nach mehr Luft und Raum und paarte sich allsbald mit der Angst vor Stagnation und Altertum: War man wirklich schon so weit, dem bunten Treiben der Metropole den Rücken zu kehren? War man schon so übersättigt und abgegessen, so ausgebrannt und schwergängig? Und so stellte sich mit dem Vorhaben der Stadtflucht auch ein Gefühl des Alterns ein. Denn wenn man beschließt, die Zelte abzureißen und woanders ein Haus zu beleben, hat das etwas von Endgültigkeit und finalem Ankommen. Hier wird man alt werden und irgendwann mal sterben wollen. Diese ohnehin unabwendbare Etappe des Vergehens wird einem ins Bewusstsein gespült und rückt damit unweigerlich ein Stückchen näher.
    Diese Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit wird durch die älteren Menschen auf dem Dorfe nicht geschmälert werden! Denn anders als die Großstadt, die für Alles, das ängstigt, unbehaglich fühlen lässt oder ablehnbar erscheint, Ausweichsmöglichkeiten bietet, lässt sich auf dem Land nicht so einfach eine Parallelwelt installieren. Hier wird man die Komfortzone verlassen müssen…

    Mut zur Lücke

    Ich habe in Berlin viele Menschen getroffen, die stetig unzufrieden oder rastlos erschienen, die sich dauerhaft abzulenken versuchen und sich selbst hinterhereifern müssen. Da ist die Angst, etwas zu verpassen und die Angst, Zeit zu vertun. Da ist die Angst, nicht effizient und vielseitig genug zu bleiben und die Angst, den Sinn nicht zu entdecken. Und alles nagt von unten an der Oberfläche…
    Ich selbst bin oder war einer dieser Menschen. Wie werde ich diesen Raum füllen, der sich plötzlich auftut und durch’s Nichtstun entsteht!? Kann ich es wieder erlernen, innezuhalten und auszuharren? Was wird in mir passieren, wenn mich die Einsamkeit und Stille auf mich selbst zurückwirft? Für mich bedeutet das Land und die Weite auch die Konfrontation mit mir selbst! Ich freue mich zu wachsen!

    Verzicht als Gewinn

    Auf einem Blog zum Thema Urban Gardening stieß ich auf ein Foto, das aus dem aktuellen Ikea-Katalog hätte sein können. In diesem sitzt die Autorin in ihrem Sessel und schaut sehnsuchtsvoll mit einer Kaffeetasse in der Hand zum Fenster. Die Bildunterschrift: „Kaffee genießen aus handgemachter Tasse von XY, nachdem ich meine Pflänzchen in die Blumentöpfe von XY gepflanzt habe. Ein erfolgreicher Tag geht zu Ende!„. Selbstverständlich waren alle Produkte zu einem Amazon Artikel verlinkt. Diese Frau musste eine schlichte Tasse für 35€ kaufen oder für einen aus Beton gegossenen Blumentopf 25€ bezahlen, um einen Erfolg zu verspüren.
    Ich stelle mir vor, wie ich diese Tasse mit eigenen Händen aus dem Ton forme und mir einen Blumentopf aus Beton gieße – für zwei Stunden meiner Zeit und Zweimarkfünfzig… Das ist ein erfüllter Tag! Und auf diese Tage freue ich mich!

    In diesem Sinne, euch allen einen schönen Tag!

    David

  • Der Umzug

    Der Umzug

    Entrümpeln, Sortieren, Validieren, Struktieren, Kartons besorgen, Eintüten, Verpacken – Umzüge nerven!

    Es ist geschafft! Dank vieler fleißiger Helferinnen und Helfer haben wir den Umzug unseres Lebens gerockt! Und es wird hoffentlich auch unser Letzter sein!

    Kartons und Kisten besorgen und packen

    Ein neuer Umzugkarton schlägt mit 2,50€ zu Buche, vorrausgesetzt man erwirbt Neuware. Da wir an die 40 Kartons benötigten, haben wir mit unserem hiesigen Bioladen gesprochen und so über mehrere Wochen Bananenkisten gesammelt! Die sind als Umzugskartons wirklich Spitze! Erstens sind sie etwas stabiler und zweitens haben sie nicht so viel Fassungsvermögen. Es passiert also nicht so schnell, dass man einen Karton mit Büchern komplett überlädt und hinterher nicht mehr tragen kann.
    Um das Gewicht zu verteilen haben wir die Bücher über alle Kartons verteilt. Das trägt zwar nicht zur Ordnung bei, schont allerdings den Rücken. Den Rest unserer Güter haben wir thematisch zu ordnen versucht und die Kartons entsprechend beschriftet. Es zahlt sich aus schon hier für Ordnung zu sorgen, da man so alles viel schneller wiederfindet und in der neuen Bleibe die Kartons den entsprechenden Zimmern zuordnen kann. Hier hätten wir uns sicherlich noch etwas mehr Mühe geben können!

    Transporter mieten und beladen

    In Berlin bekommt man für relativ wenig Geld einen geräumigen Transporter, vorrausgesetzt man reserviert beim blauen Walross mindestens einen Monat vorher! Dann muss man auf die entsprechende Fahrzeugklasse gucken. Mit einem Autoführerschein darf man nämlich nur bis zu 3.5 Tonnen fahren. Zur Tagesmiete kommen dann noch Überkilometer, Versicherung und Kaution. Die Rückgabe und Abrechnung erfolgt im Nachhinein. Direkt bei der Abholung haben wir Fotos von Schäden am Fahrzeug gemacht und uns selbst per Messenger geschickt. Es passiert nämlich gerne mal, dass einem ein Fremdschaden angekreidet wird. Eine Art Absicherung ist also empfehlenswert! Auch sollte man sich beim Rückwärtsfahren einweisen lassen! Ich hab nämlich schon mal ein Schild umgefahren, dass im toten Winkel war. Beginnt der Umzug empfiehlt es sich eine Person mit guter räumlicher Vorstellungskraft und logistischem Sachverstand am Fahrzeug zu postieren. So ein Holger sorgt dafür, dass alles gut und sicher verstaut ist und auch reinpasst!

    Kette machen

    Eine Kette ist beim Umzug meist sehr hilfreich. Man kann immer kleine Pausen machen und läuft nicht die ganze Strecke auf einmal. Allerdings wird diese oft automatisch unterbrochen, sobald schwere oder sperrige Sachen von mehreren Personen getragen werden müssen. Es empfiehlt sich daher diese zu erst zu transportieren. Ein weiterer Vorteil der Kette ist, dass immer alle Kartons unter Aufsicht sind und nichts wegkommen kann. Das haben wir nämlich alles schon erlebt! Auf der Straße greift sich jemand einen Karton und weg ist er. Oder noch dreister: jemand stiehlt sich in die Wohnung während alle unten aufpassen und Schwupp ist das Portemonnaie weg!

    Ein Päuschen in Ehren…

    Nachdem der Transporter voll und die Wohnung leer war, haben wir erstmal für volle Mägen gesorgt und sind rüber zum Araber. Essen ist nämlich wichtig um bei Kräften zu bleiben und hat außerdem einen starken psychologischen Effekt :-)! Und es ist eine schöne Art den helfenden die eigene Dankbarkeit auszudrücken, in dem man ein „letztes Mal“ zusammen einnimmt.

    Losfahren und ankommen und auspacken

    Die Fahrt vergeht schnell, schließlich sind alle aufgeregt und wollen den neuen Hof kennenlernen. Die eineinhalbstündige Fahrt eignete sich auch perfekt um das Essen zu verdauen. Ausräumen geht dann irgendwie auch schneller. Ruckzug ist alles in die entsprechenden Zimmer getragen und der Transporter leer. Allerdings kann man sich jetzt kaum noch im Haus bewegen. Jetzt gibt es erstmal ein Scheidebier, bevor anschließend die nötigsten Dinge ausgepackt, aufgebaut und eingeräumt werden. Und während wir den Transporter zurück nach Berlin waren, haben uns ein paar freundliche Wichtel diese Aufgabe schon abgenommen.
    Wir fallen 16 Stunden erschöpft ins Bett. Oder besser gesagt auf eine am Boden zwischen Kartons liegende Matratze. Auch romantisch und ein bisschen so wie Zeltlager! Gute Nacht…

    Nochmals vielen Dank an unsere Freunde für die tatkräftige Unterstützung! Ihr habt was gut! Und während wie einschlafen denken wir darüber nach, was man beim nächsten Umzug noch alles besser machen könnte. Aber den wird es ja hoffentlich nicht geben! Bleibt also abzuwarten, was wir in der ersten Nacht im neuen Haus träumen mögen und wann wir endlich mit der Renovierung beginnen können!…

  • Hauskauf letzter Akt

    Hauskauf letzter Akt

    DU BIST UNSER!!! Mit der Übergabe endet der langwierige Kaufprozess! Und jetzt geht es gefühlt erst richtig los!

    Verschlafen vor Aufregung treffen wir morgens an unserem Haus ein. Ein buntes Willkommensschild lächelt uns am großen Tor an und dahinter steht der Sektempfang schon bereit. Natürlich dürfen auch Brot und Salz nicht fehlen! Ein überraschend schöner Empfang der Vorbesitzer zur Schlüsselübergabe…

    Erstmal ankommen

    Plötzlich sind wir wieder hellwach und der Sekt prickelt fruchtig auf der Zunge. Es werden Hände geschüttelt, die Gläser gehoben und wir flanieren erstmal ganz entspannt über unser neues Grundstück. Bereits jetzt rattert es im Kopf, welche Baustelle wir wohl als Erstes angehen wollen, wie der Garten umgestaltet und bestellt werden soll und wie wir die Zimmer aufteilen. Visionen und Träume entstehen und alles wirkt noch etwas unwirklich.

    Die letzten Formalien

    Anschließend gehen wir über zu den letzten Formalien. Wir fertigen ein Übergabeprotokoll an, nehmen die Zählerstände von Strom, Wasser und Gas und bekommen die Versicherungspolice und die Bedienungsanleitungen für Gastherme und Vollbiologischer Kläranlage ausgehändigt. Dazu gehören ebenfalls die Prüfprotokolle des Umweltamtes und des Schornsteinfegers der letzten Jahre. Baupläne mit Versorgungsleitungen oder Ähnlichem gibt es leider nicht. Hier werden wir uns auf die Suche machen müssen und etwaige Skizzen selber anfertigen.

    Rundgang

    Es folgt eine ausführliche Führung, die wir auf Video mitschneiden, damit wir später auch ja nichts vergessen. Die Wasserkreisläufe, die Wartung der Therme, der Aufbau der Kläranlage, das Stromnetz und etwaige Tricks und Kniffe werden uns ausführlich erklärt und wir kraxeln über den Dachboden, verschwinden in den Kellerräumen und schlagen uns durch Büsche und Sträucher zu den Sickergruben. Wir lernen, wie wir im Winter die Gartenleitungen entlüften, den Klärteich reinigen und die Schornsteine in Betrieb nehmen. Alles sehr spannend und aufregend und schon jetzt wird uns in der Aufregung klar, wie wichtig der Video-Mitschnitt noch werden dürfte!

    Schlüssel zählen

    Als letzten Punkt zählen wir die Schlüssel und versuchen die passenden Türen dazu zu finden. Gar nicht so einfach, da sich jeder sicherlich schwer damit tut, Schlüssel zu entsorgen. So finden wir noch alte Simson-Moped-Schlüssel aus den Siebziger Jahren und Schlüssel für Schränke und Schubladen, deren Pendants sicherlich bereits das Zeitliche gesegnet haben. Als wir dann alles beisammen haben, folgt die Verabschiedung und wir sind erstmals alleine mit unserem lang ersehntem Hof.

    Entdeckungstour

    Nach kurzer Verschnaufpause folgt eine weitere Entdeckungstour. Diesmal sind wir aber alleine und lassen uns richtig viel Zeit, in sämtliche Ecken zu schauen. Und da gibt es Einiges zu entdecken! Unsere Vorbesitzer haben uns ein ganzes Bataillon an Gartenwerkzeugen inklusive Rasenmäher, Schubkarren und Werkbank überlassen. Auf dem Dachboden finden wir einen alten Gärballon und gut erhaltene Baumaterialien wie Steine, Ziegel, Fliesen und Glasscheiben. Und in der Waschküche steht sogar noch ein funktionierender Kühlschrank und zwei Herdplatten, sodass wir unser erstes Bier kalt stellen und leckeren Kaffee kochen können! Dies machen wir dann auch gleich und setzen uns auf die Terrasse, um den ersten Sonnenuntergang auf unserem neuen Grundstück zu genießen…

    Im nächsten Teil widmen wir uns dann dem anstehenden Umzug

  • Hauskauf vierter Akt

    Hauskauf vierter Akt

    Die Mühlen der Bürokratie mahlen schneller als gedacht, aber neue Hürden lassen nicht auf sich warten…

    Wow, jetzt ging doch alles ganz schön schnell! Nach unserem Notartermin (nachzulesen in Teil 3) dachten wir noch uns weitere drei Monate gedulden zu müssen. Dem ist glücklicherweise nicht so und unsere Auflassungsvormerkung ist bereits erfolgt!

    Kostenbescheide

    In den letzten Wochen ist so Einiges bei uns in den Briefkasten geflattert. Den Anfang machte der Kostenbescheid der Notarin für die Beurkundung. Dieser fiel mit 500€ noch relativ günstig aus. Generell ist hier die Höhe vom Kaufpreis abhängig (Notarkostenrechner). Darauf folgte die Rechnung der Maklerin mit 7,14% des Kaufpreises als Provision zur Vermittlungsleistung. Das ist der derzeitige Höchstsatz, denn mehr ist gesetzlich nicht erlaubt. Trotzdem lässt uns das Schlucken, denn die Höhe der Courtage lässt sich im Verhältnis zur erbrachten Leistung nicht nachvollziehen. Anschließend meldete sich die Gemeinde und teilte mit, dass man das Vorverkaufsrecht nicht ausüben wolle und dies einstimmig in der Gemeindeversammlung entschieden habe. Hierfür wurden 130€ fällig. Generell ist dies ein kritischer Punkt, jedoch äußert eine Gemeinde ihren Wunsch nach Vorkauf in der Regel schon früher. Eine weitere Beurkundung des Kaufvorhabens vom Landkreis fällt mit weiteren 25€ eher gering aus. Und dann kam auch schon die Post von der Landesjustizkasse, die für 130€ die Auflassungsvormerkung ins Grundbuch veranlasst! Seltsam ist nur das ab jetzt alle Bescheide nur noch an mich adressiert sind, obwohl meine Verlobte und ich beide im Grundbuch stehen werden. Das scheint ein etwas konservativer Verwaltungs-Usus zu sein…

    Das Einschreiben

    Nachdem alle Kostenbescheide beglichen sind, werden die entsprechenden Unterlagen von den Institutionen automatisch der Notarin zugestellt und alles geht seinen Gang. Bis zu diesem Magischen Moment der Zahlungsaufforderung! Diese kommt per Einschreiben mit Unterschrift und nun wird der volle Kaufpreis fällig und soll innerhalb von vier Wochen auf das Konto der Veräußerer transferiert werden. Mini-Problem Nummer 1: Postbote klingelt wie immer nicht und hinterlässt kommentarlos eine Benachrichtigungskarte. Alles nicht so tragisch aber immerhin verloren wir übers Wochenende wieder einige Tage bis das Einschreiben abgeholt und unterschrieben war.

    Die Kaufpreiszahlung

    Die Zahlungsaufforderung ist da, jetzt geht’s ans überweisen. Bisher haben wir eigentlich alles über’s Online-Banking geregelt. Da wir aber bisher noch nie fünf-stellige Beträge auf einmal irgendwo hin überwiesen haben, war uns natürlich nicht bewusst, dass es beim Online-Banking ein Tageslimit gibt. Also wird die Überweisung direkt in der Filiale per Legitimation und Überweisungsträger veranlasst. Zwei Tage später ist das Geld seltsamer Weise wieder auf unseren Konten. Die Bank meinte, die Veräußerer hätten aktiv zurücküberwiesen. Panik macht sich kurz breit! Was könnte der Grund dafür sein? Will man doch nicht mehr verkaufen? Nach Kurzschluss mit der Zielbank stellt sich heraus, dass eine leichte Variation des Empfänger-Namens zur Rücküberweisung geführt habe. Dies ist eine weitere Vorsichtsmaßnahme bei fünfstelligen Summen: IBAN und Empfänger müssen 100% übereinstimmen. Erleichterung. Also alles korrigiert und von Vorne ausgelöst. Das bis dato noch nie so schwere Girokonto ist gleich wieder um ein paar Nullen leichter. Ein sehr ambivalentes Gefühl: Zum Einen ist da enorme Freude endlich das Haus kaufen zu können, zum Anderen tut es weh soviel Geld wegzugeben. Unweigerlich schleicht sich hier der Gedanke an das Preis-Leistungs-Verhältnis ein und einem wird auf einen Schlag bewusst, das man sich für die einige Dekaden verschuldet hat! Aber egal: Yolo – Man lebt nur einmal!

    Der Übergang

    Jetzt ist also erstmal alles unter Dach und Fach! Der Kaufpreis ist entrichtet, die Abzahlung der Kredite beginnt und mit der Schlüsselübergabe steht auch bald der Umzug an. Doch was macht man jetzt mit der alten Wohnung? Eigentlich würde man ja denken, dass es in Berlin kein Problem darstellt einen Nachmieter zu finden und somit vorzeitig aus dem Mietvertrag auszusteigen! Wenn da die Hausverwaltung mitspielen würde. Schon vor Wochen haben wir unser Vorhaben geschildert. Dann hieß es erst wir könnten sofort raus, da die Wohnung saniert werden soll. Dann hieß es, es gäbe eine Warteliste. Und plötzlich wo alles konkret wird, müsste man erstmal schauen und erinnert uns freundlich an die dreimonatige Kündigungsfrist. Tja so ist das. Also wie stellt man das jetzt am dümmsten an? Kündigt man und vermietet für drei Monate eine vollkommen unmöblierte Wohnung unter? Oder besteht man auf sein Recht einen Untermieter für ein ganzes Jahr einzustellen. Dies ist nämlich rechtlich möglich, sofern man seine eigene Wohnung als Rückzugsort halten möchte und ein einzelnes Zimmer nicht untervermietet. (Pendler und Grundbucheintrag ausstehend). Hier sind wir noch am überlegen und halten euch auf dem Laufenden.

    Im nächsten Teil widmen wir uns dann der Übergabe des Kaufobjektes…

  • Hauskauf dritter Akt

    Hauskauf dritter Akt

    Beratung, Beurkundung und Amtssprache – dazwischen ein paar unwissende Laien mit unsinnigen Fragen…

    Heute war unser Notartermin. Wir dachten wir hätten uns vielfältig und umfassend vorbereitet und informiert. Doch wie so oft kommt dann der Vorabend eines wichtigen Termins und man wünscht sich zeitig einschlafen zu können. Stattdessen umkreisen einen tausend Fragen und Eventualitäten und man findet keine Ruhe, bis einem kurz vor zwölf dann plötzlich die Klarheit abholt und alles erklärt! Dann beginnt man eine fremde Sprache zu sprechen, weiß plötzlich welche Klausel im Vertrag wie umgeschrieben werden müsste und was man sonst noch so durchformulieren könnte!

    Der Gang zum Schafott

    Natürlich vollkommen übertrieben – aber anhand der Tragweite der heutigen Entscheidung, der weiter bestehenden Unsicherheiten und der existentiellen Konsequenzen eher untertrieben – findet man sich vollkommen durchnächtigt, ausgehungert und dehydriert im Auto zum Notar wieder. Natürlich ist man frühzeitig losgestartet, und natürlich begegnen einem tausend Baustellen und Staus, und obwohl man die Zeit großzügig bemessen hat, plagt einem die stetige Angst des zu Spätkommens. So steht man sich dann 20 Minuten die Beine in den Bauch. Weil man wie immer zu früh ist. Kurz am Sekretariat geklopft und Schwups im Wartezimmer. Nicht ganz so schlimm wie beim Zahnarzt…

    Vorgespräche

    Wir haben noch kurz Zeit und treffen auf die Leiterin unserer Makleragentur. Diese händigt uns dann auch endlich den seit Wochen verlangten und heiß ersehnten Energieausweis aus.  Und natürlich ist es der Falsche! Kein Energiebedarfsausweis wie für Gebäude vor 1977 gebaut erforderlich, sondern ein reiner Energieverbrauchsausweis, der anhand der letzten drei Verbrauchsabrechnungen erhoben wurde und so ziemlich nichts sagend ist. Obwohl es zu erwarten war, macht das ohnehin angespannte Herz jetzt Galopp. Wir verlieren uns kurz in einer hitzigen Diskussion über Sinn und Unsinn und werden dann umgehend ins „Behandlungszimmer“ gebeten!

    Paragraphen

    Die Notarin macht einen sehr sympathischen und kompetenten Eindruck. Sie verliest den Vertrag und lässt allerlei Anmerkungen und Nachfragen zu. Wir fühlen uns als Laien sehr gut verstanden und aufgehoben! Es werden diverse Paragraphen und Absätze im Detail besprochen und ihre Bedeutungen klar gestellt. Noch einmal werden von den Veräußerern sämtliche Mängel, Dienstbarkeiten und Lasten eidesstattlich negiert und die Notarin bohrt auch immer wieder mit Nachdruck nach. Einzig allein bildet der Energiesparausweis am Ende noch ein mittleres Streitthema. Verständlicherweise möchte die Notarin keinerlei Haftbarkeit in Bezug auf die EnEV übernehmen, da sie deren Umsetzung und konkrete Auflagen nicht kontrollieren könne. Da wurden uns dann ein wenig die Versäumnisse der Maklerin angelastet, warum wir uns denn nicht vorher informiert hätten. Das ist natürlich Bullshit und Projektion! Denn nicht wir haben unsere Pflichten nicht erfüllt, sondern die Maklerin!

    Urkunden

    Wir unterschreiben. Plötzlich weiß ich gar nicht mehr so recht wie meine eigene Unterschrift funktioniert. Flüchtige Gedanken von „das muss jetzt authentisch und darf nicht gefälscht aussehen“ bis hin zu „bin ich wirklich im Knüllwald geboren“ umranken meine Gedanken. Nach zwei Sekunden ist alles Vorbei. Das Herz senkt nach, wie ein Haus auf einem schlechten Fundament gebaut, und mir wird kurz schwindelig! Ein kurzer Wirbelsturm über Chancen und Gefahren. Dann stelle ich nüchtern fest: ich bin tierisch hungrig und hab ein Loch im Bauch!

    Heimfahrende

    Wir fahren nach Hause. Sind paralysiert und lösen uns so langsam aus der Schock-Starre. Haben wir wirklich alles bedacht, alles angemerkt und unseren Standpunkt genügend verteidigt!? Sind alle Paragraphen ausreichend geklärt worden? Scheiß drauf! Das Unerwartete, das Unvorhergesehene, das Unkalkulierbare – sind alles Punkte die uns anfixen! Wir haben Bock auf Risiko und Wagnis! Wir haben Bock auf Veränderung und Verbesserung! Es wird schon laufen, irgendwie…

    Nur zwischen drei Wochen und drei Monaten warten zu müssen, bis die Auflassungsvormerkung ins Grundbuch eingetragen ist und wir einziehen können, das nervt uns an!

    Friendly Reminder für alle Hauskäufer: Besteht auf den Energiepass, bevor ihr in die Verhandlungen geht! Das haben wir zwar so auch getan, haben uns aber immer wieder vertrösten lassen!

  • Hauskauf zweiter Akt

    Hauskauf zweiter Akt

    Energiebedarfsausweis, Sanierungspflichten, Wasserrahmenrichtlinie, EnEV und zwei rauchende Köpfe…

    Bereits im Ersten Teil unseres kleinen Hauskauf-Tagebuchs haben wir von einigen versteckten Gefahren und Kosten gesprochen. Und wenn man so schön denkt man hätte alles im Blick, tauchen weitere unerwartete Herausforderungen auf! Während wir also auf unseren Notartermin warten, nutzen wir die Zeit um ein wenig mehr zu recherchieren und uns in die Materie einzulesen!

    Der Grundbuchauszug

    Das ist von allem noch das Unkomplizierteste. Ein Grundbuch gestaltet sich recht übersichtlich, trotzdem sollten ein paar Dinge unbedingt geprüft werden! Darunter fällt zum Beispiel die korrekte Bezeichnung der Flurstücke und auch die entsprechende Wirtschaftsart (Gebäude- und Freifläche). In der Abteilung I stehen dann die aktuellen Eigentümer. Auch dies gilt es zu überprüfen. Auskunft über Grundschulden, Hypotheken und Rentenschulden findet man in der Abteilung III. Hier ist wichtig, dass alle Schulden gelöscht sind, da man diese sonst beim Kauf übernimmt!!!

    Der Energiepass oder Energiebedarfsausweis

    Seit 2014 ist es vorgeschrieben bei Verkauf oder Vermietung von Immobilien einen Energiepass vorzulegen. Dieser muss bereits in der Annonce stehen und wird bei der ersten Besichtigung übergeben. Die Realität sieht allerdings etwas anders aus. Die Überprüfung eines solchen Ausweises ist allerdings äußerst wichtig! Denn seit der Energieeinsparverordnung (EnEV) müssen gewisse Grenzwerte beim Energieverbrauch eingehalten und diverse Maßnahmen ergriffen werden, dies zu gewährleisten: Dazu zählen die Ausstattung sämtlicher Heizkörper mit einem eigenen Thermostat, ein höchstens 30 Jahre alter Heizbrenner, gedämmte Warmwasserleitungen und die Dämmung der Decken. Hier stünden die Mängel zwar so nicht direkt im Energiepass, jedoch kann man an Hand des Verbrauchs nachrechnen, ob diese Maßnahmen ausreichend erfolgt sind. Nach Kauf hat man dann zwei Jahre zeit diese Mängel zu beheben. Tut man das nicht könnten Bußgelder bis zu 25.000€ drohen. Das ist eine betrachtliche Summe und daher ist es wichtig, diese Punkte zu klären!

    Das Baulastenverzeichnis

    Im Gegensatz zu den im Grundbuch eingetragenen Grundlasten gibt es weitere so genannte Baulasten. Diese stehen im Baulastenverzeichnis des jeweiligen Bauamtes und eine Einsicht muss in der Regel schriftlich beantragt werden. Baulasten könnten zum Beispiel sein, dass einem Nachbarn ein Bebauungsrecht auf das eigene Grundstück gegen Entgeld genehmigt wurde. Das wiederum würde später bedeuten, dass man einen Teil seines eigenen Grundstücks nicht bebauen darf. Reinschauen lohnt sich also wieder!

    Satzungen der Gemeinde

    Hierunter fällt eigentlich alles was besondere Nutzungen angeht. Wäre zum Beispiel die eigene Grundstücksfläche als Naturschutzgebiet ausgewiesen, dürfte man hier kein Feuer machen. Generell können in der Gemeindesatzung viele Sonderregelungen auftauchen, die man im Vorfeld beachten sollte. Die Gemeindesatzung ist in der Regel immer auf der Homepage der Gemeinde zu finden.

    Die Gebäudeversicherung

    Nach dem Unterschreiben des Kaufvertrags gibt es einen kurzen Zeitraum wo das Haus quasi in der Luft hängt. Es erfolgt eine Vormerkung zur Grundbucheintragung, das Geld wird überwiesen und anschließend meldet sich das Finanzamt um die Grunderwerbssteuer einzutreiben. Sind diese Kosten ebenfalls beglichen, erfolgt die Eintragung ins Grundbuch. Das kann sich schon mal einen Monat ziehen und in dieser Zeit ist man noch kein richtiger Eigentümer, hat aber schon bezahlt. Sollte dem zukünftigen Eigenheim jetzt etwas zustoßen, wird es juristisch etwas kompliziert. Daher gibt es eine Gebäudeversicherung die man vom Voreigentümer übernimmt! Wichtig ist hierbei zu prüfen, ob die Versicherungssumme sich mit dem Kaufpreis ungefähr deckt. Denn was nützt es wenn man ein Haus für 100.000€ kauft, die Versicherung aber im Falle eines Brands nur 30.000€ auszahlt! Wichtig ist außerdem, dass diese Versicherung automatisch vom Käufer übernommen wird! Man hat dann nach Eintragung ins Grundbuch einen Monat Zeit, sich neue Versicherungsangebote einzuholen und bei Bedarf die Versicherung zu wechseln bzw. die Versicherungssumme anzupassen. Tut man dies nicht, greift die Mindestlaufzeit.

    So weit erstmal zu den Stolpersteinen und Unsicherheiten die während des Hauskaufs auftreten können. Im dritten Teilschildern wir dann unsere Erfahrungen beim Notartermin…

  • Hauskauf Erster Akt

    Hauskauf Erster Akt

    Ein Haus ist gefunden, jetzt geht’s ans kaufen! Eine Beschreibung dieses Nerven aufreibenden Prozesses…

    Nach einer fast einjährigen Suche haben wir unser Traumhaus gefunden und wollen es natürlich kaufen! Dazu haben wir bereits nach dem ersten Besichtigungstermin unser Interesse bekundet. Das war relativ ehrlich und euphorisch. Das freut die Vorbesitzer natürlich und sie fühlen sich geschmeichelt. Gleichzeitig schmälert es natürlich die Chancen den Preis zu drücken. Aber das sollte wie sich herausstellen würde unser kleinstes Problem sein!

    Das Kaufangebot

    Unser Haus wurde von einer Maklerin vertrieben. Damit war sie auch unsere Ansprechpartnerin. Diese war super nett und freundlich. Vermutlich auch weil sie ein Haus verkaufen will. Wir schrieben also eine Mail und sagten, dass wir das Haus unbedingt haben wollen, aber dieses leider etwas über unserem Budget liegt. Wir nannten einen niedrigeren Preis mit dem Hinweis, dass wir aber bei etwaiger Konkurrenz auch den vollen Preis zahlen würden :-). Das war vielleicht nicht so klug, aber wenn man ein Haus unbedingt haben will, ist es schwierig um ein paar tausend Euro zu feilschen. Natürlich gab es dann diese Konkurrenz, die dann auch noch zufällig bei unserer zweiten Besichtigung anwesend war und sich bei den Besitzern einschleimte. Wir sind wirklich keine boshaften Menschen, aber dieses Konkurrenzgefühl was sich dann einstellte, war schon wirklich überraschend! Man wird wirklich ein bisschen hasserfüllt und missgünstig! Man ließ uns dann relativ lange zappeln. Auf jede Mail von uns mussten wir ein paar Tage warten. Dann hieß es irgendwann, die Konkurrenz habe auch die notwendigen Unterlagen angefordert. Dann waren wir kurz davor mit dem Preis wieder hochzugehen. Aber wir hielten die Füße still und warteten ab. Schließlich wurde unser Angebot bestätigt und damit bekamen wir auch die Erlaubnis, das Objekt auf Altlasten hin zu untersuchen!

    Kontakt zur Gemeinde

    Im Hinblick auf das was wir vor hatten, nahmen wir Kontakt mit der Gemeinde und dem Gewerbeamt auf und stießen auf eine böse Überraschung! Erstmal waren die Leute am Telefon alle super nett und gar nicht so wie man es aus Berlin gewohnt ist. Es war richtig herzlich und man freute sich, dass wir nach Platkow ziehen wollen und so tolle Sachen planen. Man sah uns als Bereicherung und freute sich über uns. Das war ein sehr schönes Gefühl! So plauderten wir mit unterschiedlichen Menschen und bekamen dann irgendwann den Hinweis: „Sie wissen aber schon das die Straße ausgebaut werden würde und es einen Bebauungsvertrag mit dem Landkreis gibt!?“ Nein – wussten wir nicht und die Besitzer scheinbar auch nicht! Dann also nach Straßenbaubeteiligung gegoogelt und auf böse Nachrichten gestoßen! Von Enteignungen und Insolvenzanträgen war die Rede, weil die Beteiligungskosten je nach Grundstücksgröße bis zu 80.000€ betragen könnten. Tief durchatmen und beim Landkreis anrufen! Hier beruhigte man uns wiederum, wollte aber auch keine konkrete Zahl nennen, da es nicht genügend Erfahrungswerte gäbe. Lediglich die Auskunft, dass es nicht fünfstellig werden würde und wir unser Haus nicht wieder verkaufen müssten. Nun gut, jetzt gab es zwei große Baustellen! Erstens der immer noch fehlende Energieausweis und zweitens die Straßenbaubeteiligung. Zwischenzeitlich meldeten sich die Vorbesitzer. Wir waren die letzten Interessenten und könnten das Haus kaufen. Allerdings hätten sie Post bekommen zum Ausbau der Straße mit einer Einladung zu einer Informationsveranstaltung nächste Woche. Wir sollten doch zu diesem Termin kommen und dann auch gleich das weitere Prozedere besprechen. Gesagt getan.

    Die Informationsveranstaltung im Gemeindehaus

    Wir waren sehr aufgeregt. Hier würden wir also das erste Mal auf unsere zukünftigen Nachbarn treffen. Und bisher würde uns niemand kennen. Unser Plan etwas später zu kommen damit wir uns still in die letzte Reihe setzen könnten schlug fehl. Der Raum war voll, die letzten Reihen auch und so mussten wir ganz vorne sitzen. Anwesend waren eine Dame vom Landkreis, der Bürgermeister, zwei Gemeindevertreter, der Vorsitzende des planenden Ingenieurbüros und zwei Bauherren der Straßenbaufirma. Wir erfuhren das es nicht die erste Veranstaltung war und die letzte in Streit ausgebrochen ist. Diesmal sollte alles besonnener von Statten gehen. Die Pläne lagen bereit und jeder konnte nochmal Einsicht nehmen. Dabei kam es zu mehreren Unstimmigkeiten. Nach einer halben Stunde wurde festgestellt, das niemand Protokoll schrieb. Weiter waren viele Zufahrten zu Grundstücken geplant, die gar nicht nötig waren. Und dann diskutierten Gemeinde und Landkreis auch noch darüber, ob der Zugang zur Kirche nun barrierefrei sein müsste oder nicht. Als wir fragen konnten was bei uns konkret geplant ist und wie hoch die Kosten sein würden hieß es zuerst, das wir außer einem kleinen Beitrag von 60% an Planungs- und Beleuchtungskosten nichts leisten müssten, da es sich ja um eine Kreisstraße handelte. Lediglich die Hecke zur Straße würde entfernt und anschließend neu gesetzt. Das müssen wir aber nicht bezahlen. Dann wiederum äußerte sich ein anderer Gemeindevertreter und sagte, dass die Zufahrten einheitlich sein müssten und wir daher die Pflasterung unserer Zufahrt selbst bezahlen müssten. Auf einen ungefähren Preis wollte man sich wieder nicht festlegen. Ich sagte dann ganz kess, dass ich nicht jetzt für 100.000€ ein Haus und dann in drei Monaten eine Straße für 50.000€ kaufen würde und wir daher eine etwas konkretere Aussage bräuchten. Wir wurden mit den Worten „Es wird höchstwahrscheinlich nicht einmal vierstellig“ entlassen, gepaart mit dem Spruch „Unsere Zielsetzung war eigentlich hier rauszukommen ohne Zahlen zu nennen“. Für uns war das aber die Chance den Kaufpreis des Hauses im Hinblick auf die Folgekosten noch etwas zu schmälern. Wir einigten uns somit und planten den Notartermin. Unsere verbindliche Aufforderung an die Notarin schickten wir noch am gleichen Tag ab. Nun mussten wir auf die Zusendung des Kaufvertragsentwurfs warten…

    Der Kaufvertrag

    Eine Woche später war der Entwurf des Kaufvertrags bei uns im Briefkasten und wir mobilisierten sofort unseren Juristenfreund Janosch, den wir lecker bekochten und anschließend bei ein paar Flaschen Bier den Vertrag durchgingen. Hier gab es im Wesentlichen keine bösen Überraschungen und es handelte sich weitgehend um einen Standardvertrag. „Gekauft wie gesehen“, „Dienstbarkeiten werden übertragen“, „Altlasten liegen nicht vor“, „verspätete Bescheide trägt der Erwerber“. Hier müssten noch ein paar Dinge ergänzt werden, da wir uns die vollbiologische Kläranlage mit unserem Nachbarn teilen (Dienstbarkeiten) und wir die Klausel „Dem Veräußernden sind derzeit keine Ausstehenden Bescheide bekannt“ aufnehmen wollten um uns selbst vor weiteren Extra-Kosten zu schützen. Denn so wurden beispielsweise vor einigen Jahren das Glasfasernetz ausgebaut. Sollte hier noch ein Kostenbescheid ausstehen, müssten wir ohne diese Klausel diesen Begleichen. Unserer Änderungswünsche haben wir der Notarin dann anschließend per Mail mitgeteilt und warten nun auf den Unterzeichungstermin. Weiter geht es dann im zweiten Teil