Schlagwort: Landleben

  • Das dritte Jahr

    Das dritte Jahr

    Es ist ruhiger geworden um uns. Zumindest Blog-Weise. Doch wir haben ein Jubiläum zu verkünden – einfach weil das eben so gemacht wird mit diesen Zeitabschnitten und Meilensteinen usw. Also los geht’s…

    Weniger Geschwindigkeit. Mehr Moment. Weniger Konsum. Mehr Genügsamkeit. Weniger Fleisch. Mehr Selbstversorgung. Weniger Stress. Mehr Leben. Weniger Vorgaben. Mehr Freiheiten… Doch was ist nach zwei Jahren in der neuen Heimat und der Flucht aus dem Berliner Großstadtalltag von diesen umfangreichen Vorhaben übrig geblieben? Und wurde vielleicht der eine Fehler wieder wiederholt, sich beispielweise zu viel vorgenommen? Zeit für ein Resumee… 

    Potenzierte Euphorie

    Der Befreiungsschlag war gelungen: Die Ablöse von Hausherrinnenschaft erreicht. Der letzte Mietzins beglichen und die Bude geräumt: Was ein geiles Gefühl von Freiheit – die Mietwohnung verlassend – dem heuchlerischen Hausmeister endlich den gewünschten Nackenschlag verpassend – der wo lange verkniffen wurde, weil man ja angewiesen war! Wenn Abhängigkeiten sich auflösen, fühlt man sich groß – und so ging es los!

    Auto voll – Küche leer – erstmal nicht bewusst, was diese Küche eigentlich bedeutete. Schrank, Tisch und Herd, Lagerregal – ein Palindrom – aber diese Zeiten lassen sich nicht einfach umdrehen. Hier hat man bis morgends mit Freunden (a)sozialisiert, getrunken, gespielt und sich wiederholt verlabert! Spontanität Level 100! Sowas wird vermisst werden – lernen wir dann irgendwann nachträglich. Hinterher ist man immer schlauer! Niemand wird spontan zum Wizzard auf dem Lande!

    Feuchtfröhliche Nächte in unserer Neuköllner Küche

    Aber man will woanders hin. Den Sinn finden. Im Anderswo. In der Ruhe, in der Stille, auf dem Land. In Brandenburg. Es war nicht unbedingt Grebes Mut der uns zum Aufbruch bließ. Vielmehr der Eigene. Und eine romantisch verklärte und durchgefärbt-verblasste Erinnerung ans Landleben. Daneben natürlich auch ein geringer Anteil wirtschaftlichen Pragmatismus. Denn wir hatten weder einen alten VW noch ein Surfbrett unterm Arsch und so waren wir für die rote Schlange mit S als Kreditnehmer uninteressant und mussten uns anderweitig um Moneten bemühen. Dabei fanden wir viel Unterstürtung von Freunden und Familie. Den Rest der Lösung des Problems gab es nur mit Anschluss an das alte Leben. Pendeln nach Berlin. Nur temporär!

    Erstmal ankommen

    Lord and Lady Dwier

    Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne (Hesse). Und wir waren sowas von verzaubert! Mit unserer Rosa-Roten Brille konnte uns nichts entmutigen oder Einschüchtern. Auch nicht die vielen Überraschungen, die marode Elektrik, der kaputte Dachstuhl, die zerstörten Dielen und schon gar nicht unsere ersten Tränen. Aber es gab verdammt viel zu tun! Was am meisten Kraft kostete, war es Ordnung und Struktur zu halten und sich zu organisieren. Hier fand sich definitiv die steilste Lernkurve. Und irgendwie hatte unser Provisorium auch was romantisches! Wir haben quasi mehrere Wochen im eigenen Haus gezeltet und waren von wilden Tieren (Mäuschen) umgeben. Mit all dem Staub und Dreck fast wie eine Safari in der Wüste. 

    Auf Zauber folgt Alltag

    Nehmen wir die größte Erklärung vorab und spoilern ein wenig: wir sind im Alltag angekommen! Es ist noch nicht ganz der Alltag, den wir uns erträumt haben und es fehlt noch einiges zur Perfektion, aber wir waren, sind, und werden im Prozess sein und bleiben um unser Ziel eines entschleunigten, sinnerfülltem, zufriedenem und ideenreichen Landlebens zu verwirklichen!
    Zwischendrin hat uns der Alltag. Gerade für Susan ist die Pendelei nach Berlin nach wie vor eine große Anstrengung und füllt damit ihre Arbeitswoche auf satte 62,5 Stunden. Wir verabschieden uns morgens mit einem Kuss und essen abends gemeinsam Abendbrot. Zwei Stunden später ruft bereits das Bett. Da beginnt man sich umzuorientieren, ist aber als Kommunikationswirtin in unseren Gefilden nicht allzugut aufgestellt. Bei mir ist es anders. Meine Arbeitsstelle ist um die Ecke und im Gegensatz zu festen Arbeitszeiten habe ich eher ein Arbeitssoll was es zu erfüllen gilt. Diese Vorzüge können aber auch lästig sein: Es kommt nicht selten vor das ich Termine am frühen morgen und dann wieder spät abends habe. Die Zeit dazwischen ist oft irgendwie verloren, weil es sich nicht lohnt irgendetwas ernstes anzufangen. Hinzu kommen vermehrt Wochenendtermine, die uns beiden wiederum Beziehungszeit und gemeinsame Freizeit rauben. Darüber hinaus befindet sich meine Betriebsstätte seit eineinhalb Jahren im Provisorium und ich bin darauf angewiesen vermehrt von zu Hause aus zu arbeiten. Diese Durchmischung von Wohn- und Arbeitszimmer ist manchmal auch gar nicht so einfach, weil der Kopf einfach nie zur Ruhe kommt und sich neben den ganzen Bauprojekten und Vorhaben eben auch noch sehr viel mit Arbeitsplanung und Arbeitsprojekten auffüllt. 

    Wir wollten uns befreien

    Alltag bedeutet aber auch, dass nicht mehr alles superneu ist. In vielen unserer Baurenovierungsvorhaben und Vorgänge hat sich mittlerweile eine Routine eingeschlichen. Eine Routine, die wir Müde sind so genau zu dokumentieren. Und eine Routine, die wir zu überwinden wünschen. Jeder der in einer ähnlichen Situation steckt oder gesteckt hat sagt uns: Mit eigenem Haus und Garten hört das nie auf. Es gibt immer was zu tun. Der Nebensatz „Packen wir es an“ verhallt allmählich. Denn wir haben andere Agendas, die wir allsbald verfolgen möchten: Den eigenen Garten, die Selbstversorgung, Pizza backen, Feuer machen, Basteln, Schafe melken, Wolle spindeln, Töpfern, Spaziergänge, etc. etc. Die Liste wird immer länger. Und während wir es prinzipiell auch sehr gut schaffen dies parallel zu erreichen, wirkt in uns immer noch der erste Funke und der romantisch-verklärte Gedanke: Wenn wir erstmal auf dem Land wohnen, dann wird alles komplett anders! Das waren die Zeiten, wo Achtsamkeit für mich noch ein geiler Begriff war mit dem ich mich identifizieren konnte. Mittlerweile denke ich, Menschen die Achtsamkeit gut finden, haben zu viel Zeit. 

    Hausrenovierung – Das letzte Quäntchen 

    Unabhängig davon, dass es nie aufhört und wir überall bis ins unermessliche Weiterbauen könnten, haben wir schon ganz schön viel gewuppt! Unser Renovierungstagebuch ist Zeugnis dieser Leistungen. Von einer ersten Bestandsanalyse über das Verputzen der Räume mit Lehm bis hin zur Beräumung des Bauschutts. Vom Mamut-Projekt Ferienwohnung ganz zu schweigen! 
    Doch bei all diesen Projekten und Zwischenetappen stellt sich eine Gemeinsamkeit ein: sie bleiben unvollendet! In jedem unserer Räume findet sich ein letzter Makel, der unsere Aufmerksamkeit bräuchte. Sei es eine fehlende Fussleiste, ein unlackiertes Brett, der fehlende Sofabezug, ein nicht zugeschnittener Vorhang, ein unverkleidetes Heizungsrohr! Irgendetwas möchte in die Welt hinaus schreien: Ich bin noch nicht so weit. Ich bin unfertig. Bitte sei nachsichtig. Ich komme noch und muss noch wachsen… Ist es die eigene Angst vor Erfüllung? Die Angst den Status Quo als Finale zu bezeichnen. Die Furcht etwas abschließen zu müssen? Oder ist es eine angenehme Ausrede immer wieder sagen zu können: wir sind noch nicht fertig – die Dinge wachsen noch!? Die Antwort darauf findet sich vermutlich erst in einigen Jahren…

    Permakultur – Selbstversorgung – Nachhaltigkeit

    Wir machen alles neu und anders und besser. Wir produzieren die kritischsten Konsumgüter selbst: Fleisch, Milch und Eier. Statt Superfoods aus Südamerika bauen wir Brokolie, Sanddorn und Physalis an, haben immer frischen Salat, Gurken und Tomaten und Kochen ein, fermentieren und konservieren gesunde Lebensmittel über das gesamte Jahr – saisonal – regional und natürlich ohne Plastikverpackung! Das erste Ei war ein Triumph, das erste Schlachten erschütternd und wir wussten, dass wir zukünftig nicht mehr Tiere des Schlachtens wegen halten wollen. Die Milch ließ auf sich warten. Und neben der vielen Arbeit am Haus gedeihten eigentlich nur die Brennesseln sehr zuverlässig. Aber hey, Brennesselsamen sind auch ein Superfood und enthalten mehr verfügbare Inhaltsstoffe als Chia oder Gojibeeren. Und mittlerweile schaffen wir es auch unseren Korb zum Einkaufen mitzunehmen. 
    Alles braucht Energie und Aufmerksamkeit. Und das was uns vermutlich am stärksten mit Energie versorgen könnte, muss leider noch etwas zurückstecken, bis uns die Baustelle entbehren kann. Hier ist Luft nach oben.

    Weiterreisen- Ein Sneak Preview

    Der Winter ist Einkunft und Herbst im Herzen. Wir haben begonnen erneut in uns zu gehen. Dieser Beitrag sollte dies bezeugen. Wir rezipieren unsere Aufzeichnungen in Text, Bild und Wort, reflektieren wo wir hinwollten, wohin wir kamen und wie es weitergehen soll. Und wir sind uns einig darüber, dass wir mehr Zeit finden möchten. Zeit zum Leben. Zeit am Hof zu sein. Zeit mit Menschen zu verbringen. Weniger Arbeiten um Leben zu können. Wir wollen runterfahren, entschleunigen, ankommen. Das war der Plan. Das Vergessen wir nicht. Und wir träumen und reflektieren weiter. In Wort, in Bild, in Gedanken. Bis morgen…

  • Ein gelungener Einstand

    Ein gelungener Einstand

    Lasst uns nicht viel Worte verlieren! Bilder sprechen für sich! Das Hoffest war spektakulär! Ein rundum gelungenes Event…

    Wie lange haben wir diesem Ereignis entgegengefiebert – wie oft mussten wir unsere Pläne revidieren – Gäste vertrösten – uns selbst enttäuschen!? Bereits 2018 hatten wir zum großen Fest geladen und mussten kurz vorher auf Grund von Krankheit und fehlendem Baufortschritt alles absagen…

    Zuviel Deutsch

    In unseren Köpfen stauten sich die Anforderungen an dieses Hoffest. Wen lädt man ein? Wen lädt man aus? Wie gestaltet man das Buffet? Gibt es Bier, Kuchen und Kaffee? Etiquette scheint auf dem Land ein riesen Ding zu sein. Das lernten wir vom Zwiegespräch. Gepaart mit bürokratischer Deutschigkeit haben wir die Mitte und den Kompromiss gefunden! Wir folgten unserem Herzen und luden einfach alle ein! 

    Ob Speis und Trank mitgebracht oder schlichtweg verzehrt werden, stellten wir zur Option. Ebenso das Kommen oder Fern bleiben. Treu dem Motto: „Wer nicht will der hat schon!“. 

    Viele wollten. Viele hatten noch nicht! Viele feierten mit uns gemeinsam! Es war ein bezaubernder Einklang! Und wir haben mit diesen jenen Leuten einen wunderschönen Nachmittag und Abend! 

    Das Fazit: Es allen recht zu machen funktioniert nicht. Wir sind ein offenes Haus für alle die Bock auf Begegnung und Feierlichkeit haben! Auch in 2020 wird es ein fulminantes Hoffest geben. Und wir planen den regelmäßigen Einsatz unserer Tischtennisplatten und unseres Holzbackofens! Kommt rum, kommt vorbei, habt Spaß oder bleibt fern – Matthias und seine Mädels, begrüßen euch gern!

  • 4 waren hier

    4 waren hier

    Vom Umzug bis zu Wochenendbesuchen – viele Freunde waren schon da! Zeit Impressionen festzuhalten und gewohnte Schubladen aufzumachen…

    Es gibt verschiedene Arten von Erstreaktionen unserer Hofbesuchenden und so haben wir uns vier verschiedene Kategorien ausgedacht, in die man diese einteilen könnte! 
    Auf jeden Fall können wir von jedem Charakter vieles abgewinnen und es ist total spannend, diesen Erstkontakt mit unserem Hofprojekt bei anderen beobachten zu können!
    Zeit diese einmal in einer kleinen und überspitzten Darstellung aufzuzeigen! 

    Der entspannte Charakter

    Betritt den Hof, sucht sich einen Stuhl, macht es sich bequem und kommt sofort an. 
    Er strahlt Ruhe aus und die Kubikmeter an Bauschutt, die offenen Stromkanäle, die fehlenden Gardinen und das gesamte Provisorium, bringen ihn nicht aus der Ruhe. 
    Er scheint die ganze Arbeit einfach nicht zu sehen, weiß auch nicht wie er sich einbringen oder anpacken könnte, strahlt dafür aber eine Ruhe und Gemütlichkeit aus, die sofort ansteckt und das Gefühl von Alles wird gut vermittelt. Sofort ist so ein ZuhauseGefühl da, man verbringt die Zeit mit Gesprächen und Kaffee, ist auch etwas erleichtert, nicht die fünfundneunzigste Hofführung abhalten zu müssen und vergisst alsbald, dass wir uns inmitten einer Baustelle befinden! Die Erdleitung ist auf jeden Fall schon mal gelegt und das ist schließlich schon ein drittel der gesamten Elektrik ;-).

    Der optimistische Charakter

    Schlendert übers Grundstück, scheint sich alles etwas genauer anzusehen und kommt dann zum Schluss, dass wir uns keinen Fehlkauf geleistet haben und die Bausubstanz ordentlich ist.
    Anstehende Arbeiten hält er für überschaubar und wiegelt alles mit einer souveränen Kreativität ab – nach dem Motto: dass bekommt man schon alles irgendwie gewuppt! 
    Das saugen wir natürlich auf wie Schwämme und plötzlich sind diese Charaktere die wahren Experten! Denn dieses Gutachten gefällt uns und wir finden neue Kraft und Ansporn, alles mit mehr Zeit und Kreativität ganz alternativ und noch schöner zu gestalten!

    Der pessimistische Charakter

    Schlägt bereits vor dem Haus die Arme über’m Kopf zusammen. Am Ende kommt man vermutlich aus Mitleid zu dem Schluss, dass das Grundstück und die Lage ja zumindest relativ schön seien. Dazwischen fuhr man zum nächsten Supermarkt und kaufte für 100€ Fressalien, fraß sich am Grill die Bäuche voll und Sättigungsgefühl, Sonnenuntergang und Stille stimmten versöhnlich. Eine außerordentlich schöne Erfahrung dieser Landidylle. Für einen kurzen Moment fühlt man sich seelenverwandt. Dann überfressen. Und der Knoblauch lässt einen aufstoßen. Wir haben Brand und das Glas ist halb leer. Läuft ;-).

    Der ambitionierte Charakter

    Würde alles anders und besser machen und prescht über das Terrain als hätte er gerade selbst diesen Hof gekauft und würde in seinem Kopf nun alles durchplanen. Unsere Ideen haben da erstmal wenig Platz und man will unsere Konzepte auch gar nicht wirklich hören. Und sowieso warum macht ihr das nicht soundso… Aber die Verzauberung und Energie die da frei wird, steckt uns an und erinnert uns an unsere allererste Begehung! Glücklicherweise müssen wir heute kein Grillfleisch kaufen! Wir grillen einfach dich!

    Nummer Fünf gibt nicht auf

    Das sind die, die immer sagten sie kämen und dann doch nicht kamen aber stets beteuerten, dass sie bald kämen würden, wenn das trubelhafte Berlin sie entbehrte…
    Ja das kennen wir. Berlin lässt einen nicht los. Was wäre diese Party ohne dich! 
    Sei uns bitte nicht böse: Wir haben heute leider keine Schublade für dich 😛 

  • Mittelstand

    Mittelstand

    Raum da, Raum fehlt, es dreht sich & Dinge passieren… hier ein zwischenzeitlicher Mittelstand!

    In den letzten Wochen ist es ziemlich still geworden um unseren Blog. Es gab einfach unfassbar viel zu tun – und das nicht nur am Hofe – so musste der Blog und die Berichterstattung etwas Ruhen! Dafür haben sich einige gute Nachrichten angesammelt!

    Die erste Ernte

    Die Arbeit und unsere Mühen – das Anlegen der Hochbeete im April – tragen ihre ersten Früchte! Neben Pflücksalat und Radieschen in rauen Mengen konnten wir uns auch an einigen Kohlrabi und Fenchelknollen freuen! Nicht ganz geklappt hat es mit unseren Radieschen: Diese sind aus unerklärlichen Gründen einfach nur in die Höhe geschossen ohne eine Frucht  zu bilden. Entschädigt haben uns die ersten Salatgurken und Zucchini und im Juni kamen dann schon besonders früh die Süßkirschen hinzu! Diese haben wir teilweise zu Marmelade eingekocht, als Likör angesetzt oder gepaart mit schwarzen Johannis- und Stachelbeeren eine Grütze von gemacht!

    Prall gefüllte Beete

    Während unsere Paprika, Erbsen und Bohnen wie immer Startschwierigkeiten hatten, sind die Tomaten und Zucchini ziemlich abgegangen! Von San Marzano über ungarische Baumtomaten bis hin zu seltenen Sorten aus dem Discounter haben sich alle Pflanzen explosionsartig auf den Weg Richtung Himmel gemacht! Und die Zucchini werfen mit Früchten um sich, dass wir sogar einen Aufruf auf Instagram starten mussten, um diese verwerten zu können! Die meisten landeten auf dem Grill und wurden entweder direkt verspeist oder in Olivenöl eingelegt! Aber auch unsere Arbeitskollegen dürfen sich hin und wieder über eine Frucht freuen! Bevor die Tomatenernte ansteht, müssen wir unbedingt noch einen Solardörrer bauen und uns eine Gefriertruhe zulegen! Denn gerade die San Marzano – Tomaten wollen wir zur Pizza-Sauce einkochen und einfrieren! Denn auch unser Pizza-Ofen-Projekt hat Fortschritte gemacht!

    Der Pompeii Pizza-Ofen

    Mit einem echten Pompeii-Ofen erfüllen wir uns einen kleinen Traum. Für dieses Monster-Projekt gibt es nach Fertigstellung auf jeden Fall eine kleine Videodokumentation und Bauanleitung! Einige spannende Aspekte schonmal vorweg: Den Entwurf und die Konzeption habe ich in Eigenregie mit Ressourcen aus dem Internet vorgenommen und mich dort über Plattenfundamente, Mauersteine, Feuerzement, Vertikulit und Schamotte bis hin zu Kamin- und Esse-Größe informiert und dann in SketchUp! ein Modell gebaut. Zwischenzeitlich haben wir dann einen sehr aufgeschlossenen und netten Nachbarn kennengelernt, der für uns mittlerweile eine Art „Bau-Mentor“ geworden ist! Mit seinem Erfahrungsreichtum, der sich über mehrere Dekaden erstreckt und sich vorwiegend aus der Praxis herleiten lässt, hilft er uns immer wieder aus der Patsche und bewahrt uns vor so manchem Fehler! Und auch dieses mal hat uns der „Luftgitarrist“ tatkräftig beim Aufbau des Ofens unterstützt, während er das ein oder andere Mal über meine Konzeption verwundert war: Meine Erklärung für so manchen Zwischenschritt – „das stand so im Internet“ – wurde zum Running-Gag :-). Viele Wege führen nach Rom, aber echtes Handwerkerwissen ist dann doch dem angelernten Wissen aus diesem Internet um Meilen überlegen!

    Renovierung der Gästewohnung

    Ihr erinnert euch bestimmt noch an den Anfang unserer Renovierungsarbeiten im September letzten Jahres! Direkt nach dem Umzug wollten wir zu allererst die zukünftige Gäste- und Ferienwohnung renovieren, Küchenzeile und Dusche einbauen, um dann dort wohnen und in aller Ruhe den Rest des Hauses sanieren zu können! Dieser Plan ging dann ziemlich in die Hose, weil nach dem Abnehmen der Fachwerk-Vertafelung die Decke runterkam! Das Warten auf einen Zimmermann nahm dann glatt zwei Monaten in Anspruch und die geplanten Arbeitseinsätze wurden weitere Male verschoben, bis dann endlich im Januar die Deckenbalken gestützt waren. Trotzdem mussten die gesamten Lehmfächer geleert, alles mit Dachlatten ausgebessert und mit Holzwolle-Leichtbauplatten (Sauerkrautmatten) wieder verschlossen werden! Auch hier hat unser Nachbar wieder fleißig mit angelangt und die Deckenschräge akribisch ausgeglichen! Auch hier wird eine Video-Dokumentation mit allen Unzulänglichkeiten folgen, aber die gute Nachricht ist, dass es endlich wieder weiter geht und der Lehmputz im Innenbereich nahezu abgeschlossen ist! Nächste Woche wird dann der Nassraum saniert!

    Privates

    Bisher haben wir uns als Paar ganz gut in das Landleben und den drastischen Wechsel eingefunden! Es gab viel Frust abzufedern, viel gemeinsame Zeit für Baufortschritte zu opfern und sicherlich waren wir zeitweise auch mal an der Kotzgrenze angelangt. Unser Plan, dass ich nur drei Tage die Woche arbeite um mehr Zeit für die Baustelle zu haben, hat gut funktioniert. Das Bauherren-Dasein hat mir sehr gut gefallen und sicherlich haben wir so einiges an Kosten sparen können, da wir selbst Hand angelegt haben. Aber dieses Jahr hat für mich sehr schlecht angefangen:. Nach einem mehrwöchigen Knockout durch die Grippe habe ich mir gleich eine Lungenentzündung eingefangen und war mehr als zwei Monate gezwungen auf Halbmast zu segeln. Und auch für Susan ist das tägliche Pendeln, die Kabeldiebstähle und der Ersatzverkehr mit einem steten Kraftaufwand verbunden! Wir sehnen uns sehr nach mehr Raum füreinander, möchten mehr Quality-Time jenseits vom Baustress. Daher werde ich ab September voll arbeiten, mehr Geld ranbringen, womit wir wiederum Dritte bezahlen können, die uns beim Bau unterstützen und uns entlasten! Denn wir schaffen das momentan nicht mehr alleine, trotz der Hilfe von Familie und Freunden…
    Am schönsten ist es momentan, abends gemeinsam durch den Garten zu schlendern und die Beete zu gießen! Und wir freuen uns auf den ersten Urlaub, den wir mit Tages-Ausflügen verbringen möchten, um endlich mal ein wenig die Region zu erkunden! Stück für Stück zum Glück!

  • Was fehlt…

    Was fehlt…

    Du merkst erst was du hast, wenn du es Teilen kannst! Mit Freunden und Familie wächst das Heimatgefühl…

    Gerade war ich in Berlin auf dem Patenfest meiner kleinen Patentochter. Der Duft nach Sommer, das Licht, die Stimmung, die Fahrradmassen, Touristenströme, aggressiven Autofahrer und Tagträumer, das Chaos und die Reizüberflutung sind alles vertraute Eigenheiten der Großstadt. Fünfzehn Jahre hab ich dort versucht mir ein Zuhause einzuleiben und habe es nie geschafft mich dort verwurzelt zu fühlen. Doch heimisch und gebunden, teils auch geborgen, inspiriert und umhergetrieben, aber dies war oft mehr an Personen als an Orte gebunden. Und diese Verbundenheit kehrt einfach so wieder. Nach fast neun Monaten auf dem Land, einer relativ langen Zeit die doch so schnell vorüberzog. Das ist ein sehr schönes Gefühl, was mir auf dem Land sehr oft noch fehlt. Hier haben wir unser eigenes Haus, unseren Hof und Garten, können uns entfalten und wirken und alles unser Eigen nennen. Aber die volle Schönheit dieser Tatsache, die Euphorie und Glücktrunkenheit kommen erst mit den Menschen die uns aufsuchen und mit denen wir teilen können…

    Vernetzt

    Ich schreibe seit dem ersten Moment von unserem kleinen Projekt, schreibe die Beiträge in den Ether, bekomme manchmal ein Echo, einen Zuspruch, manchmal verhallt das Mitteilungsbedürfnis im Überfluss. Zwischen digitalen und analogen Netzwerken von Freunden, Interessierten, Followern und Abonnierenden lässt sich als Wendekind des Digitalen Wandels manchmal nicht erfassen, welches Medium und welcher Kanal echt und welche oberflächlich künstlich sind, wird digitale Kommunikation als Freundesbindung missverstanden und das vis-a-vis Gespräch durch Beitragspostings weggelassen. Gar nicht so einfach durchzublicken. Die echten Netzwerke sind dann doch die menschlich gewachsenen, die Vertrautheit innehaben und zeitliches Durchhaltevermögen beweisen durften. Lang-gewachsene Freundschaften, die an Lebensstufen und Krisen und Triumphen Anteil nahmen, Wegbegleiter, Reise-Kompagnons, Mitwandernde – Mitsuchende. Das Deep-Net sozusagen.

    Neue Heimat

    Wenn man sich eine neue Heimat sucht und bereit ist das Vertraute aufzugeben, mag dies triftige Gründe haben: Es soll etwas zurückgelassen, etwas Neues gefunden, die schönen Dinge mitgenommen und alles Schlechte vergessen werden. Dabei überwiegt anfangs die Neugierde der Angst vor Verlust. Hat man aber die ersten Kriege ausgefochten und stellt sich der Alltag langsam ein, fällt auf was fehlt. Interessante Begegnungen mit anfangs Fremdem, freundlichen Nachbarn, neue Bekanntschaften, neue Orte und Farben, Stimmungen und Düfte können verzaubern, aber nicht diese Vertrautheit und Verbundenheit erzeugen, nach der man sich tagtäglich sehnt. Deshalb ist es umso schöner, wenn sich das Alte mit dem Neuen mischt, wenn Vertrautes in den Nebel tritt, wenn man gemeinsam am Feuer sitzt. Die Dinge brauchen Zeit Wurzeln zu bilden. Und wir zwei sind starke Pflanzen, sturmerprobt und siegessicher! Aber an der weiteren Verwurzelung müssen wir noch arbeiten – gemeinsam mit unseren Freunden!

    „With a little help from my friends“

    Ich wünsche mir mehr Zeit, mehr Besuch, mehr Begegnungen, mehr Feste und Feierlichkeiten, mehr Gäste und mehr Gemeinschaftsprojekte und bedanke mich bei Allen, die schon hier waren, wiederkamen, ihre Hilfe anboten, sich einbrachten, nachfragten und anpackten und mir ein weiteres Puzzleteil von Heimatgefühl geschenkt haben! Vertrautes im Neuen, die Basis ist stark und die Basis ist da! Wir sind zwei unerschrockene Amazonen! aber da fehlt noch etwas…
    Heimat wird gemacht, es geht voran!

  • Urlaub auf dem Lande

    Urlaub auf dem Lande

    David hat sich viel vorgenommen: Beete anlegen, Holz machen, Ofen bauen, Entspannen und Nachdenken :-)…

    Ich hab zwei Wochen Urlaub die ich nach Effizienz voll durchgetaktet hab! In der ersten Woche widme ich mich dem Außenbereich. In der zweiten Woche folgt die Rekonstruktion der Decke in der Ferienwohnung und die theoretische Vertiefung meiner Weiterbildung zum REHA-Pädagogen. Dazwischen will ich mich erholen, Kraft tanken und mir wieder ein Sixpack für den Sommer antrainieren :-). Bisher läuft die Sache sehr gut!

    Physische Rehabiliation

    Ich beginne meine Tage weiterhin wie Arnold außerhalb des Urlaubs gewohnt um 06:00. So kann ich mit dem Tag in den Tag starten. Nachdem ich meine Schilddrüsentablette genommen habe muss ich 30 Minuten bis zum Frühstück warten und scharre dann ab 06:30 mit den Hufen, dass der Baumarkt um 08:00 endlich seine Pforten öffnen mag! Die Zeit nutze ich effektiv mit Gemüsesaft und Steak verköstigen, Pläne schmieden und mich mit etwas Yoga-ähnlicher Gymnastik vorzudehnen. Nachdem ich dann um 09:00 vom Baumarkt zurückkehre und wieder viel zu viel Geld ausgegeben habe, beginne ich mit meinem Workout: Schaufeln, Hacken, Schubkarre-Fahren, Berge versetzen, Beete anlegen, der Schwerkraft trotzen und meine Vitamin-D Produktion durch exzessive Sonnenexposition ankurbeln! Mittlerweile habe ich nicht wie gewohnt sofortige Rückenbeschwerden, sondern kann nahezu drei Tage durcharbeiten, bevor sich ein leichtes Ziehen und Beben einstellt, das in seiner Intensität an die Luftverdrängung eines Schmetterling-Flügelschlags erinnern mag. Meine Rückenmuskulatur ist indes so stark angewachsen, dass man aus mir sicherlich das ein oder andere falsche Filet oder Roastbeef gewinnen könnte! Da hab ich mir in Berlin noch den Kopf zerbrochen welcher physikalischen Erniedrigung ich nachgehen könnte um Kalorien zu verbrennen und Muskulatur aufzubauen, bin zwischen Freeletics, Fitnessstudio-Probeabonnements, extensiven Radfahren und fragwürdigen Diäten geirrt, und hier auf dem Lande schaffe ich mit einem Tag Gartenarbeit genau all dies, was ich in keinem Fitness-Paket fand: Kondition- und Krafttraining, frische Luft und Spaß an der Sache, ein Endprodukt als Haupterzeugnis und Solarium gleich inklusive :-). #läuftbeimir

    Psychische Rehabilition

    Während ich in meiner Arbeit als Pädagoge oft mit abstrakten Herausforderungen die meine kognitiv-emotionalen Fähigkeiten fordern konfrontiert bin, begegnet mir die Arbeit im Garten und am eigenen Haus mit konkreten Fragestellungen und bietet mir nach Fertigstellung ein unmittelbar sichtbares Ergebnis. Natürlich kommt auch hier Anspannung auf – gerade wenn es darum geht am Anfang eines riesigen Berges an Aufgaben nicht zu verzweifeln sondern vielmehr alles kategorisch Einzuteilen, disziplinarische Pläne zu entwerfen – unter Einbeziehung der eigenen körperlichen Kräfte – die Aufgabe dann in viele keine Einzelschritte unterteilt zu einer Verwirklichung zu verhelfen. Anschließend lässt sich das Ergebnis greifen: Das Gefühl etwas mit seinen eigenen Händen erschaffen zu haben – gepaart mit befriedigender körperlicher Erschöpfung – stellt ein ganz besonderes Erfolgserlebnis dar! Und wenn dann noch eine Hollywood-Schaukel direkt in der Mitte des alltäglichen Pfades steht, und man durch sanftes Schwingen zum Verweilen eingeladen wird, dann ist der Tag doch schon gewonnen und nach fünf Jahren Latein beginnt man 10 Jahre später endlich zu begreifen, was die Redewendung „Carpe Diem“ vermutlich bedeuten könnte! Mehr davon!

    TO DO LIST

    Was wäre der Mensch ohne Liste, ohne Plan und Struktur, ohne Kontrolle, die Dinge einzustellen, abzuhaken und bilanzierend. Meine Urlaubs-ToDo-Liste steht. Ich arbeite mit Kohlenstoff. Da ist man mit Allem. Kosmisch verbunden. Ärgert sich zwar über trockene Hände und Schmutz unter den Nägeln, aber wird realistisch…

    • Fundament für den Pizza-Ofen gießen
    • dazu den Holz-Unterstand räumen und umziehen
    • dazu den Lehmbruch in den alten Pfuhl verlagern
    • vorher den Pfuhl von Teich-Schlamm befreien und als Dünger in die Beete einbringen
    • welche Beete? Also ein Hügelbeet anlegen!
    • Als Dung und Katalysator für die Beete und als Füllstoff das gesamte Anwesen mähen um Grasschnitt zu gewinnen!
    • Endlich 1200 Liter Erdboden auf 2x2x0,4m ausheben
    • den Erdaushub in Kräuterbeet, Hügelbeet und Vorgarten verteilen
    • Sich an der vollbrachten Arbeit erfreuen!
  • David macht Land

    David macht Land

    Heute ist mein Geburtstag! Zeit zu reflektieren, was mich persönlich bewog, die Stadt zu verlassen…

    Es ist 08:42 am 12. November 2017. Vor 35 Jahren erblickte ich das Licht der Welt. Geburtstagen obliegt oft eine gewisse Schwermut. Es geht ums Älterwerden. Eigentlich etwas, das man nicht gerne feiert. Blickt man dem Teufel dann ins Spiegelbild, lässt sich die eigene Vergänglichkeit für diesen Augenblick auch nicht mehr wirklich verdrängen. Trotzdem wagt man einen Aus-, Fern- und Rückblick – dreht sich gerne und schnell um sich selbst – und versucht sich im Angesicht des Welkens an Erklärungen. Hier ein friedvoller Versuch…

    Wo Licht da Schatten

    Gut behütet auf dem Land erwachsen – zwischen bunten Wiesen und Feldern, inmitten der Jahreszeiten geerdet – habe ich meine ersten Jahre im Einklang erlebt. Dann kamen das Fernweh, die Lust nach Abenteuer, und die Großstadt. Der Tumult und die Vielfalt – und alles in rauen Massen – prägten eine abenteuerliche Reise. Auf anfängliche Euphorie und Begeisterung folgten Orientierungslosigkeit und Verlust. Die Komplexität war für mich nicht mehr greifbar. Ich fühlte mich nicht mehr Teil dieses urbanen Netzwerks, sondern wie ein kleiner Fisch in trüber Pfütze. So trüb, dass mir die Weitsicht fehlte. Im Schatten dunklen Wassers näherte sich ein Ungeheuer und nahm mir Luft und Raum. Überall musste ich mich fürchten und hyperventilierte viel darüber nach, was dieses Ungeheuer wohl antrieb, mich heimzusuchen. Überrumpelt fasste ich den neuen Plan, mich beruflich zu verwandeln…

    Nähe und Distanz

    Empathie und Einfühlungsvermögen attestierten mir die Eignung als Pädagoge. In inniger und vertrauter Bindung schaffte ich den Spagat zwischen menschlicher Nähe und professioneller Distanz. Doch leichter wird die Arbeit dadurch nicht: Den Trägern fehlen Finanzmittel und Personal, was sie zur Ausbeutung ihrer Mitarbeiter zwingt, denn die Politik schüttet gerade so viel Geld aus, um eine Gouvernementalität zu sichern. Diese prekären Arbeitsbedingungen als Rahmen für die Arbeit mit traumatisierten Jugendlichen hatten noch einen weiteren Effekt: Ich konnte mich rational von den Erlebnissen meiner Klienten abgrenzen, in meiner vom Unterbewusstsein diktierten Alltagsrealität jedoch nicht. Ich beobachtete, wie sich mein Habitus veränderte. Hass und Gewalt gaben mir ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Und so fiel mir eines Tages auf, dass ich beim Wandern durch die Stadt nur noch auf den Boden schaute. Plötzlich war die lang ersehnte Nähe zu den Dingen und zur Welt zu nah und groß geworden…

    Konsumensch im Hamsterrad

    Medienkonsum prägt und die Sozialen Netzwerke sind voll von Hass, Gewalt und Werbung. So viel Werbung für so viele tolle Sachen, die wir alle unbedingt brauchen oder brauchen sollen! Auf Blogs, YoutubeInstagram und Facebook  werden Leute zu Influencern gemacht, um Content zu produzieren, der Kaufanreize bietet. Und dann diese überfüllte und übersättigte Stadt, in der es kaum noch Freiräume gibt, selbst zu produzieren: Kino, Theater, Konzert, Kneipe, Restaurant. Immer Maul aufhalten, rumsitzen, fressen und Geld ausgeben! Und um das zu verdienen, muss man seine Zeit opfern. Und dann kommt nach dem Konsum wieder diese Leere, die gestopft werden will, die man dann am Besten mit Konsum füllt. Aber eigentlich wollte ich schon immer mehr Produzent sein und mehr erzeugen, als ich nehmen könnte. Etwas da lassen, was diese Welt ein Stück besser machte. Es fehlten ein Acker und ein Beet, wichtiger Nährboden, und natürlich Luft und Licht. Und die eigene Zeit, die man dem Samenkorn zugesteht, um es wachsen zu lassen…

    Mut zum Alter

    So wie alles reifen muss, reifte auch die Überlegung, der Großstadt den Rücken zu kehren. Am Anfang stand die Sehnsucht nach mehr Luft und Raum und paarte sich allsbald mit der Angst vor Stagnation und Altertum: War man wirklich schon so weit, dem bunten Treiben der Metropole den Rücken zu kehren? War man schon so übersättigt und abgegessen, so ausgebrannt und schwergängig? Und so stellte sich mit dem Vorhaben der Stadtflucht auch ein Gefühl des Alterns ein. Denn wenn man beschließt, die Zelte abzureißen und woanders ein Haus zu beleben, hat das etwas von Endgültigkeit und finalem Ankommen. Hier wird man alt werden und irgendwann mal sterben wollen. Diese ohnehin unabwendbare Etappe des Vergehens wird einem ins Bewusstsein gespült und rückt damit unweigerlich ein Stückchen näher.
    Diese Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit wird durch die älteren Menschen auf dem Dorfe nicht geschmälert werden! Denn anders als die Großstadt, die für Alles, das ängstigt, unbehaglich fühlen lässt oder ablehnbar erscheint, Ausweichsmöglichkeiten bietet, lässt sich auf dem Land nicht so einfach eine Parallelwelt installieren. Hier wird man die Komfortzone verlassen müssen…

    Mut zur Lücke

    Ich habe in Berlin viele Menschen getroffen, die stetig unzufrieden oder rastlos erschienen, die sich dauerhaft abzulenken versuchen und sich selbst hinterhereifern müssen. Da ist die Angst, etwas zu verpassen und die Angst, Zeit zu vertun. Da ist die Angst, nicht effizient und vielseitig genug zu bleiben und die Angst, den Sinn nicht zu entdecken. Und alles nagt von unten an der Oberfläche…
    Ich selbst bin oder war einer dieser Menschen. Wie werde ich diesen Raum füllen, der sich plötzlich auftut und durch’s Nichtstun entsteht!? Kann ich es wieder erlernen, innezuhalten und auszuharren? Was wird in mir passieren, wenn mich die Einsamkeit und Stille auf mich selbst zurückwirft? Für mich bedeutet das Land und die Weite auch die Konfrontation mit mir selbst! Ich freue mich zu wachsen!

    Verzicht als Gewinn

    Auf einem Blog zum Thema Urban Gardening stieß ich auf ein Foto, das aus dem aktuellen Ikea-Katalog hätte sein können. In diesem sitzt die Autorin in ihrem Sessel und schaut sehnsuchtsvoll mit einer Kaffeetasse in der Hand zum Fenster. Die Bildunterschrift: „Kaffee genießen aus handgemachter Tasse von XY, nachdem ich meine Pflänzchen in die Blumentöpfe von XY gepflanzt habe. Ein erfolgreicher Tag geht zu Ende!„. Selbstverständlich waren alle Produkte zu einem Amazon Artikel verlinkt. Diese Frau musste eine schlichte Tasse für 35€ kaufen oder für einen aus Beton gegossenen Blumentopf 25€ bezahlen, um einen Erfolg zu verspüren.
    Ich stelle mir vor, wie ich diese Tasse mit eigenen Händen aus dem Ton forme und mir einen Blumentopf aus Beton gieße – für zwei Stunden meiner Zeit und Zweimarkfünfzig… Das ist ein erfüllter Tag! Und auf diese Tage freue ich mich!

    In diesem Sinne, euch allen einen schönen Tag!

    David

  • Der Umzug

    Der Umzug

    Entrümpeln, Sortieren, Validieren, Struktieren, Kartons besorgen, Eintüten, Verpacken – Umzüge nerven!

    Es ist geschafft! Dank vieler fleißiger Helferinnen und Helfer haben wir den Umzug unseres Lebens gerockt! Und es wird hoffentlich auch unser Letzter sein!

    Kartons und Kisten besorgen und packen

    Ein neuer Umzugkarton schlägt mit 2,50€ zu Buche, vorrausgesetzt man erwirbt Neuware. Da wir an die 40 Kartons benötigten, haben wir mit unserem hiesigen Bioladen gesprochen und so über mehrere Wochen Bananenkisten gesammelt! Die sind als Umzugskartons wirklich Spitze! Erstens sind sie etwas stabiler und zweitens haben sie nicht so viel Fassungsvermögen. Es passiert also nicht so schnell, dass man einen Karton mit Büchern komplett überlädt und hinterher nicht mehr tragen kann.
    Um das Gewicht zu verteilen haben wir die Bücher über alle Kartons verteilt. Das trägt zwar nicht zur Ordnung bei, schont allerdings den Rücken. Den Rest unserer Güter haben wir thematisch zu ordnen versucht und die Kartons entsprechend beschriftet. Es zahlt sich aus schon hier für Ordnung zu sorgen, da man so alles viel schneller wiederfindet und in der neuen Bleibe die Kartons den entsprechenden Zimmern zuordnen kann. Hier hätten wir uns sicherlich noch etwas mehr Mühe geben können!

    Transporter mieten und beladen

    In Berlin bekommt man für relativ wenig Geld einen geräumigen Transporter, vorrausgesetzt man reserviert beim blauen Walross mindestens einen Monat vorher! Dann muss man auf die entsprechende Fahrzeugklasse gucken. Mit einem Autoführerschein darf man nämlich nur bis zu 3.5 Tonnen fahren. Zur Tagesmiete kommen dann noch Überkilometer, Versicherung und Kaution. Die Rückgabe und Abrechnung erfolgt im Nachhinein. Direkt bei der Abholung haben wir Fotos von Schäden am Fahrzeug gemacht und uns selbst per Messenger geschickt. Es passiert nämlich gerne mal, dass einem ein Fremdschaden angekreidet wird. Eine Art Absicherung ist also empfehlenswert! Auch sollte man sich beim Rückwärtsfahren einweisen lassen! Ich hab nämlich schon mal ein Schild umgefahren, dass im toten Winkel war. Beginnt der Umzug empfiehlt es sich eine Person mit guter räumlicher Vorstellungskraft und logistischem Sachverstand am Fahrzeug zu postieren. So ein Holger sorgt dafür, dass alles gut und sicher verstaut ist und auch reinpasst!

    Kette machen

    Eine Kette ist beim Umzug meist sehr hilfreich. Man kann immer kleine Pausen machen und läuft nicht die ganze Strecke auf einmal. Allerdings wird diese oft automatisch unterbrochen, sobald schwere oder sperrige Sachen von mehreren Personen getragen werden müssen. Es empfiehlt sich daher diese zu erst zu transportieren. Ein weiterer Vorteil der Kette ist, dass immer alle Kartons unter Aufsicht sind und nichts wegkommen kann. Das haben wir nämlich alles schon erlebt! Auf der Straße greift sich jemand einen Karton und weg ist er. Oder noch dreister: jemand stiehlt sich in die Wohnung während alle unten aufpassen und Schwupp ist das Portemonnaie weg!

    Ein Päuschen in Ehren…

    Nachdem der Transporter voll und die Wohnung leer war, haben wir erstmal für volle Mägen gesorgt und sind rüber zum Araber. Essen ist nämlich wichtig um bei Kräften zu bleiben und hat außerdem einen starken psychologischen Effekt :-)! Und es ist eine schöne Art den helfenden die eigene Dankbarkeit auszudrücken, in dem man ein „letztes Mal“ zusammen einnimmt.

    Losfahren und ankommen und auspacken

    Die Fahrt vergeht schnell, schließlich sind alle aufgeregt und wollen den neuen Hof kennenlernen. Die eineinhalbstündige Fahrt eignete sich auch perfekt um das Essen zu verdauen. Ausräumen geht dann irgendwie auch schneller. Ruckzug ist alles in die entsprechenden Zimmer getragen und der Transporter leer. Allerdings kann man sich jetzt kaum noch im Haus bewegen. Jetzt gibt es erstmal ein Scheidebier, bevor anschließend die nötigsten Dinge ausgepackt, aufgebaut und eingeräumt werden. Und während wir den Transporter zurück nach Berlin waren, haben uns ein paar freundliche Wichtel diese Aufgabe schon abgenommen.
    Wir fallen 16 Stunden erschöpft ins Bett. Oder besser gesagt auf eine am Boden zwischen Kartons liegende Matratze. Auch romantisch und ein bisschen so wie Zeltlager! Gute Nacht…

    Nochmals vielen Dank an unsere Freunde für die tatkräftige Unterstützung! Ihr habt was gut! Und während wie einschlafen denken wir darüber nach, was man beim nächsten Umzug noch alles besser machen könnte. Aber den wird es ja hoffentlich nicht geben! Bleibt also abzuwarten, was wir in der ersten Nacht im neuen Haus träumen mögen und wann wir endlich mit der Renovierung beginnen können!…

  • Wir wollen raus

    Wir wollen raus

    …aus der Stadt, aus dem Trott, aus der Mähr, die uns verklährt und ab aufs Land! Eine abenteuerliche Reise soll beginnen! Los geht’s – wir sind bereit!

    David ist auf dem Land aufgewachsen und hat dort zwischen Reiterhöfen, Wiesen und Feldern seine Kindheit verbracht. Der Vater kam aus Berlin und hat mit ein paar Freunden eine Kommune gegründet. Diese zerbrach aber mit den ersten Nachkommen, da die Ansprüche und das Sicherheitsbedürfnis stiegen. Eine Kindheit auf dem Land ist mit nichts vergleichbar: Wir haben am Bach gespielt, Flüsse gestaut, Baumhäuser und Zwergenhütten gebaut und sind in unmittelbarer Nähe zur Natur aufgewachsen.

    Erst mit der Jugend fing der „Mief“ auf dem Land an zu nerven. Einsamkeit, Sehnsucht nach Abenteuer und Abwechslung stellten sich ein und mit 19 beschloss David nach Berlin zu ziehen um die große weite Welt kennenzulernen und das Pulsieren der Großstadt zu genießen. Nach dem Studium mit dem Eintritt ins Berufsleben sah die Sache aber schon wieder ganz anders aus. Und mit David veränderte sich auch die Großstadt.

    Das Überangebot und die Dynamik, die Lautstärke und das Tempo fingen an zu nerven. Da erinnerte er sich an seine Kindheitsträume, irgendwann mit seiner eigenen Familie auf einem Hof zu leben und eine kleine Herberge mit Café und großem Garten zu betreiben. Ein Ort wo man sich entfalten und zur Ruhe kommen könnte, gleichwohl aber durch abwechselnde Gäste nicht in der Monotonie und Einsamkeit eingehen müsste. Und dieser eigene Hof sollte auch das Zuhause für die eigenen Kinder sein, ein schönes Nest in der Natur! Also rein ins Landleben und machen, machen, machen!

    Susan ist ebenfalls geborenes Landei. Im zarten Alter von 3 half sie dem Opa beim Stampfen der Kartoffeln für die Schweine, beim Ausmisten der Hasenställe und beim Eier „ernten“ im Hühnerstall. Auch sie zog es nach der Schule zunächst in die Metropolen dieser Welt, wo sie sich ordentlich austobte, (mitunter)  halbherzig studierte und schließlich in der schillernden Medienwelt ein berufliches Zuhause fand.

    Doch immer öfter, wenn sie nach einem langen Arbeitstag in ihre 2-Zimmerwohnung ohne Balkon nach Hause kam, entstand die Sehnsucht nach etwas anderem und die Erinnerungen wurden wach: an den Geruch des gestampften Breis für die Schweine und von frisch getrocknetem Heu, an die Freude, ein Ei zu finden und wie viel besser genau dieses Ei zum Frühstück schmeckte, an die kalten Fußbäder an heißen Sommerabenden auf der Terrasse und vor allen Dingen: an das unglaublich bekräftigende Gefühl, sich um Tiere zu kümmern, mit Tieren zu leben.

    Diese Sehnsucht ließ sich auf 58qm Altbau kaum umsetzen und auch durch regelmäßige Besuche im Streichelzoo nicht bändigen. Zum Glück jedoch lernte Susan dann David kennen, der diese Sehnsucht teilte und noch dazu die notwendige Risikobereitschaft, den Enthusiasmus und Machergeist bewies, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Und andere daran teilhaben zu lassen!

    Unsere Reise beginnt bei der Suche nach dem eigenen Haus