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  • Lehmputz Teil 2

    Lehmputz Teil 2

    Jetzt geht’s an den Feinschliff! Der Edelputz wird aufgebracht und zur Vollendung gefilzt. Das Schlafzimmer ist fertig…

    Wir sind einen ordentlichen Schritt weiter und haben endlich ein Zimmer bezugsfertig gemacht! Unsere Erkenntnisse und Know-How, das wir von unserem Lehmputzer Raik erlernt haben, möchten wir hier gerne mit euch teilen!  Bereits jetzt können wir sagen, dass Lehmputz wirklich das aller schönste Material für den Innenraum darstellt!

    Vorbereitung & Materialbedarf

    Als erster Schritt gilt es den Bedarf an Lehmputz zu ermitteln. Dazu haben wir sämtliche Wände und Decken vermessen und beides separat voneinander summiert. Denn die Wände werden später eine dickere Schicht Universalputz bekommen, als die Decken. Das liegt an den Unebenheiten der Wände, die wir auszugleichen versuchen. Will man zusätzlich eine Wandheizung installieren, wird die Dicke des Unterputzes sogar noch weiter erhöht. Wir haben mit einer Gesamtputzdicke von 20mm gerechnet. Davon sind 15mm Unterputz in Form von Universalputz und 5mm Oberputz mit Lehmedelputz angedacht. Die Decken haben in der Summe nur eine Gesamtdicke von 10mm und bekommen zu fast gleichen Teilen Universalputz und Edelputz. Damit lässt sich die Last der Fläche reduzieren und die Decken sind zudem nicht den gleichen Beanspruchungen wie die Wände ausgesetzt. Der Bedarf an Universalputz als Unterputz berechnet sich wie folgt: 1,8 kg * m² zu verputzender Fläche * mm Putzstärke! Bei uns waren das 250m² Wandfläche mit einer Putzstärke von 15mm – folglich benötigen wir 250 * 15 * 1,8 = 6.750Kg Universalputz. Zusätzlich kamen 1170Kg für 130m² Decken hinzu (130 * 5 * 1,8). Unser Gesamtbedarf an Universalputz liegt also bei 7.920Kg, wobei die Tonne ca 250€ kostet. Der Edelputz ist wesentlich teurer. Der Bedarf aber auch entsprechend niedriger: 380m² * 3mm * 1.8Kg machen mit 2.052Kg knapp über 2 Tonnen, wobei die Tonne 1200€ kostet. Will man auf Nummer Sicher gehen, kommen noch die Grundierung und Armierung für die gesamte Fläche hinzu. Dadurch bilden sich später keine Risse und der Lehm haftet sicher am Untergrund. Hat man die Gesamtputzdicke festgelegt, müssen die Unterputzdosen für Lichtschalter und Steckdosen mit dem entsprechenden Überstand in die Wände eingelassen werden.

    Unterputz

    Untergründe müssen sauber, staubfrei und trocken sein…„… Das stimmt für den Lehmputz nur bedingt. Dieser ist wirklich relativ unkompliziert zu verarbeiten. Wir mussten jedoch in mühseliger Kleinarbeit die Tapeten ablösen und überall, wo sich Gipsputz befindet, die Untergründe mit einer Lehmgrundierung vorbereiten. Weitere Risse, Löcher und Kanten lassen sich mit der ersten Opferschicht kaschieren. Holzbalken werden mit einem Streckmetall versehen und Unterputzdosen lassen sich sogar mit Lehmputz fixieren und einbringen. Als erster Arbeitsschritt wird mit der Putzmaschine die so genannte „Opferschicht“ aufgetragen. Diese sollte 2/3 der Gesamtputzdichte betragen, da über sie die Armierung angebracht wird und sich diese unbedingt im letzten Drittel der Putzschicht befinden muss, damit diese überhaupt effektiv funktionieren und Rissbildungen verhindern kann. Und das ist dann auch genau der zweite Arbeitsschritt: Die Auftragung einer solchen, die dann mit der Glättkelle fixiert wird. Pro Millimeter Putzdicke steht dann auch ein Tag Trocknungsphase an – vorausgesetzt, es wird morgens, mittags und abends einmal Stoßgelüftet und die Raumfeuchte und Temperatur entsprechend eingepegelt. Da es bei uns sehr viel regnete und die Außenluft relativ feucht war, hat die Trocknung bei uns etwas länger gedauert. Über der Armierung werden dann nochmals 3-5mm Unterputz mit der Maschine aufgespritzt und diese trocknet dann komplett aus. Erkennen lässt sich dies an der Farbe des Putzes. Ist er richtig trocken, bekommt er seine Ursprungsfarbe der Pulverform zurück. Dann kommt der Edelputz als Finish hinauf…

    Veredelung

    Die Dicke der Edelputzschicht schwankt zwischen 2 – 5mm. Je sorgfältiger die Unterputzschicht vorbereitet wurde, desto geringer fällt der Materialbedarf aus. Und der Edelputz ist teuer. Er wird mit dem Handrührgerät oder einer Bohrmaschine mit entsprechendem Aufsatz angemischt und muss mindestens eine Stunde durchziehen. Erst dann wird er mit der Kelle aufgetragen und mit einem Putzschwamm oder Putzfilz „aufgefilzt“. Hier wird wieder im „Zweischichtsystem“ gearbeitet, und die erste Schicht ist geprägt von Unreinheiten und Verschmutzungen, während die Oberschicht dann ganz rein und sauber ist. Nach einer 48 – stündigen Trocknungsphase, bekommen die Wände und Decken die klassische altweiße Farbgebung und sind Griff und Abriebfest. Nun können Fußleisten, Fensterkästen und Borden abgewischt und das Zimmer bezogen werden! Und hier sind die ersten Vorher/Nachher – Bilder!

    Tipps und Tricks zum Schluss

    Sucht euch jemanden mit Putzmaschine! Theoretisch lässt sich der Unterputz auch mit der Kelle an die Wand werfen und glattziehen, aber nach der ersten Wand und der ersten Tonne Lehmputz, haben wir dieses Vorhaben ganz schnell wieder verworfen! Es braucht einfach das zehnfache an Zeit! Bedenkt bitte, dass eine Putzmaschine eine 32 Ampere Sicherung vorraussetzt, damit der Motor der Pumpe überhaupt anspringen kann und ihr einen entsprechenden Wasseranschluss mit mindestens einem Bar benötigt!
    Bei der Bestellung solltet ihr darauf achten, welche Spedition in eurem PLZ-Gebiet wie viel Tonnen auf einmal liefern kann und wie die Bedingungen sind (Lieferung zur Bordsteinkante). Es lohnt sich die Lieferungen in sinnvolle Teillieferungen zu portionieren und entsprechend mit einem Hubwagen aufs Grundstück fahren zu lassen.
    Der Lehm an sich sollte mit einer Plane abgedeckt werden. So übersteht er Regen und Frost.
    Wiederum ist es sehr wichtig, die Putz- und Trocknungsphasen in die Planung mit einzubeziehen und entsprechend den Lehmputzer zu buchen! Lieber lässt man sich hier etwas mehr Zeit und spart somit Kosten!

    Habt ihr Fragen zum Umgang mit Lehmputz oder braucht ihr Kontakte zu Herstellern und Putzern!? Dann schreibt uns! Wir teilen unser Wissen gerne und freuen uns an Profis vermitteln zu können!

  • Lehmputz Teil 1

    Lehmputz Teil 1

    Tempo, Tempo! Raik ist unsere Rettung und seine Putzmaschine bringt Schwung in die Bude! Die Sache läuft…

    Wir hatten es bereits erwähnt, dass unser Vorhaben, unsere Innenräume in ein Lehmgewand zu kleiden, uns beinahe an den Rand der Verzweiflung gedrängt hätte! Deswegen haben wir den klugen Rat angenommen, uns professionelle Hilfe zu suchen! Das ausschlaggebendste Argument war wie immer die Kostenreduktion. Und das hat diesmal wirklich wunderbar funktioniert!

    Milchmädchenrechnung

    Mache ich alles selber, brauche ich Zeit. Da ich kein Profi bin, brauche ich gut das dreifache an Zeit. Zeit die ich mit Arbeiten und Geldverdienen verbringen könnte. Daher hole ich mir jemanden, der was von seinem Fach versteht und die Arbeit in einem Bruchteil der Zeit verrichten kann! Dieser jemand kostet mich Geld. Geld, das ich in der Zeit, in der ich die Arbeit nicht verrichten muss, erwirtschaften konnte. Die Bilanz stimmt und alle haben was gewonnen! Coole Nummer! Und das was wir an Blut, Schweiß und Tränen eingespart haben, ist mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen!

    Erstkontakt

    Bereits am Telefon hatte unser Lehmputzer eine beruhigende Wirkung auf uns. Vermutlich hat er die Verzweiflung am anderen Ende der Leitung gespürt und ganz souverän deeskaliert. Der Kontakt ist durch unseren Lehm-Lieferanten, dem Lehmdiscount in Berlin zu Stande gekommen. Hier wurden wir im Vorfeld wirklich sehr ausführlich beraten und haben einige Proben mitgenommen. Es folgte die erste Ortsbesichtigung. Das er mich als Bauherren titulierte, schmeichelte mir. Aber am meisten war ich entzückt von der Idee, das Raik eine eigene Putzmaschine sein eigen nennen konnte! Schließlich hat uns in unserem Vorhaben am meisten die Menge des Lehms abgeschreckt, die planmäßig über unsere Hände/ die Kelle an die Wand geworfen worden wäre: satte acht Tonnen!

    Theorie

    Lehm ist ein Naturbaustoff und vollkommen pflegeleicht! Alles was an Ausschuss anfällt, kann wiederverwertet werden. Lehm ist unbegrenzt haltbar, absorbiert Schadstoffe und reguliert das Raumklima auf eine besonders angenehme Art und Weise: Im Sommer ist es kühl, im Winter warm. Nach dem Duschen wird Feuchtigkeit „geschluckt“, danach in trockenen Perioden wieder abgegeben. Soweit die Theorie. Was mich aber am meisten überzeugte, war die Verarbeitung! Abgesehen von der anfänglichen Verzweiflung, lässt sich Lehm ganz entspannt an die Wände bringen! Staubige, entputzte Wände werden kurz vorgenässt, Dellen oder Bohrlöcher, sogar Stromleitungen und Kabelführungen, lassen sich einfach hinter der Armierung verstecken. Was an Überschuss von der Wand fällt, wird wiederum in andere Löcher gestopft oder neu angemischt. Das Zeug wird nicht schlecht und dient zur Not sogar als Rosen-Dünger :-). Es kann also „dreckig“ und „schnell“ nach dem „Quick&Dirty“ Prinzip gearbeitet werden…

    Praxis

    Meine Knochen tun weh! Nach zwei Tagen Abrissarbeiten, um den Rest des Raumes von angeschimmelten Überputz zu befreien, spüre ich das Gewicht des Vorschlaghammers! Aber es muss weiter gehen. Nachdem wir den Heizkörper demontiert haben und die Putzmaschine anläuft, zeigt Raik mir wie es geht. Dann muss ich die Maschine befüllen. In zwei Stunden habe ich locker 600 Kg Lehm von der Palette in die Putzmaschine geschaufelt. 17 Meter gespart, 3 auf den Knochen. Die Muskeln, zur Strapazierung freigegeben, sind die gleichen, die bereits zwei Tage zuvor den Vorschlaghammer schwingen durften. Sehnenscheidentzündungsmässigüberstrapaziert. Aber als ich sehe, wie der Raum sich verwandelt, bin ich zu Tränen gerührt! Wirklich. Es durchfährt mich ein Schauer. Seit Tagen – gefühlten Jahren – das erste Mal ein wirklicher Fortschritt! Kein Abbruch, nein, Aufbau! Ein Zimmer wird fertig! Wie geil ist das denn!? Und es sieht klasse aus!

    Jetzt gilt es nur noch ein paar Tage zu warten, bis der naturweisse Edelputz als „Finish“ aufgetragen werden kann. Dies erfahrt ihr in unserem nächsten Beitrag