Kategorie: Baublog

  • Lehmputz Teil 2

    Lehmputz Teil 2

    Jetzt geht’s an den Feinschliff! Der Edelputz wird aufgebracht und zur Vollendung gefilzt. Das Schlafzimmer ist fertig…

    Wir sind einen ordentlichen Schritt weiter und haben endlich ein Zimmer bezugsfertig gemacht! Unsere Erkenntnisse und Know-How, das wir von unserem Lehmputzer Raik erlernt haben, möchten wir hier gerne mit euch teilen!  Bereits jetzt können wir sagen, dass Lehmputz wirklich das aller schönste Material für den Innenraum darstellt!

    Vorbereitung & Materialbedarf

    Als erster Schritt gilt es den Bedarf an Lehmputz zu ermitteln. Dazu haben wir sämtliche Wände und Decken vermessen und beides separat voneinander summiert. Denn die Wände werden später eine dickere Schicht Universalputz bekommen, als die Decken. Das liegt an den Unebenheiten der Wände, die wir auszugleichen versuchen. Will man zusätzlich eine Wandheizung installieren, wird die Dicke des Unterputzes sogar noch weiter erhöht. Wir haben mit einer Gesamtputzdicke von 20mm gerechnet. Davon sind 15mm Unterputz in Form von Universalputz und 5mm Oberputz mit Lehmedelputz angedacht. Die Decken haben in der Summe nur eine Gesamtdicke von 10mm und bekommen zu fast gleichen Teilen Universalputz und Edelputz. Damit lässt sich die Last der Fläche reduzieren und die Decken sind zudem nicht den gleichen Beanspruchungen wie die Wände ausgesetzt. Der Bedarf an Universalputz als Unterputz berechnet sich wie folgt: 1,8 kg * m² zu verputzender Fläche * mm Putzstärke! Bei uns waren das 250m² Wandfläche mit einer Putzstärke von 15mm – folglich benötigen wir 250 * 15 * 1,8 = 6.750Kg Universalputz. Zusätzlich kamen 1170Kg für 130m² Decken hinzu (130 * 5 * 1,8). Unser Gesamtbedarf an Universalputz liegt also bei 7.920Kg, wobei die Tonne ca 250€ kostet. Der Edelputz ist wesentlich teurer. Der Bedarf aber auch entsprechend niedriger: 380m² * 3mm * 1.8Kg machen mit 2.052Kg knapp über 2 Tonnen, wobei die Tonne 1200€ kostet. Will man auf Nummer Sicher gehen, kommen noch die Grundierung und Armierung für die gesamte Fläche hinzu. Dadurch bilden sich später keine Risse und der Lehm haftet sicher am Untergrund. Hat man die Gesamtputzdicke festgelegt, müssen die Unterputzdosen für Lichtschalter und Steckdosen mit dem entsprechenden Überstand in die Wände eingelassen werden.

    Unterputz

    Untergründe müssen sauber, staubfrei und trocken sein…„… Das stimmt für den Lehmputz nur bedingt. Dieser ist wirklich relativ unkompliziert zu verarbeiten. Wir mussten jedoch in mühseliger Kleinarbeit die Tapeten ablösen und überall, wo sich Gipsputz befindet, die Untergründe mit einer Lehmgrundierung vorbereiten. Weitere Risse, Löcher und Kanten lassen sich mit der ersten Opferschicht kaschieren. Holzbalken werden mit einem Streckmetall versehen und Unterputzdosen lassen sich sogar mit Lehmputz fixieren und einbringen. Als erster Arbeitsschritt wird mit der Putzmaschine die so genannte „Opferschicht“ aufgetragen. Diese sollte 2/3 der Gesamtputzdichte betragen, da über sie die Armierung angebracht wird und sich diese unbedingt im letzten Drittel der Putzschicht befinden muss, damit diese überhaupt effektiv funktionieren und Rissbildungen verhindern kann. Und das ist dann auch genau der zweite Arbeitsschritt: Die Auftragung einer solchen, die dann mit der Glättkelle fixiert wird. Pro Millimeter Putzdicke steht dann auch ein Tag Trocknungsphase an – vorausgesetzt, es wird morgens, mittags und abends einmal Stoßgelüftet und die Raumfeuchte und Temperatur entsprechend eingepegelt. Da es bei uns sehr viel regnete und die Außenluft relativ feucht war, hat die Trocknung bei uns etwas länger gedauert. Über der Armierung werden dann nochmals 3-5mm Unterputz mit der Maschine aufgespritzt und diese trocknet dann komplett aus. Erkennen lässt sich dies an der Farbe des Putzes. Ist er richtig trocken, bekommt er seine Ursprungsfarbe der Pulverform zurück. Dann kommt der Edelputz als Finish hinauf…

    Veredelung

    Die Dicke der Edelputzschicht schwankt zwischen 2 – 5mm. Je sorgfältiger die Unterputzschicht vorbereitet wurde, desto geringer fällt der Materialbedarf aus. Und der Edelputz ist teuer. Er wird mit dem Handrührgerät oder einer Bohrmaschine mit entsprechendem Aufsatz angemischt und muss mindestens eine Stunde durchziehen. Erst dann wird er mit der Kelle aufgetragen und mit einem Putzschwamm oder Putzfilz „aufgefilzt“. Hier wird wieder im „Zweischichtsystem“ gearbeitet, und die erste Schicht ist geprägt von Unreinheiten und Verschmutzungen, während die Oberschicht dann ganz rein und sauber ist. Nach einer 48 – stündigen Trocknungsphase, bekommen die Wände und Decken die klassische altweiße Farbgebung und sind Griff und Abriebfest. Nun können Fußleisten, Fensterkästen und Borden abgewischt und das Zimmer bezogen werden! Und hier sind die ersten Vorher/Nachher – Bilder!

    Tipps und Tricks zum Schluss

    Sucht euch jemanden mit Putzmaschine! Theoretisch lässt sich der Unterputz auch mit der Kelle an die Wand werfen und glattziehen, aber nach der ersten Wand und der ersten Tonne Lehmputz, haben wir dieses Vorhaben ganz schnell wieder verworfen! Es braucht einfach das zehnfache an Zeit! Bedenkt bitte, dass eine Putzmaschine eine 32 Ampere Sicherung vorraussetzt, damit der Motor der Pumpe überhaupt anspringen kann und ihr einen entsprechenden Wasseranschluss mit mindestens einem Bar benötigt!
    Bei der Bestellung solltet ihr darauf achten, welche Spedition in eurem PLZ-Gebiet wie viel Tonnen auf einmal liefern kann und wie die Bedingungen sind (Lieferung zur Bordsteinkante). Es lohnt sich die Lieferungen in sinnvolle Teillieferungen zu portionieren und entsprechend mit einem Hubwagen aufs Grundstück fahren zu lassen.
    Der Lehm an sich sollte mit einer Plane abgedeckt werden. So übersteht er Regen und Frost.
    Wiederum ist es sehr wichtig, die Putz- und Trocknungsphasen in die Planung mit einzubeziehen und entsprechend den Lehmputzer zu buchen! Lieber lässt man sich hier etwas mehr Zeit und spart somit Kosten!

    Habt ihr Fragen zum Umgang mit Lehmputz oder braucht ihr Kontakte zu Herstellern und Putzern!? Dann schreibt uns! Wir teilen unser Wissen gerne und freuen uns an Profis vermitteln zu können!

  • Family Power Teil 1

    Family Power Teil 1

    Die ganze Dwiersche Kernfamilie war da! Gemeinsam haben wir auf dem Hof gerödelt und Berge versetzt!

    Es war ein sehr komisches Gefühl zu wissen, dass die ganze Familie in Berlin zusammen gekommen ist, während man selbst auf dem Land sitzt und auf den Besuch sehnt! Noch komischer ist aber, wenn man anschließend aus dem neuen zu Hause, die Familie an den Bahnhof bringt und nicht mit in den Zug steigt, um die Heimreise anzutreten…Das sind schon sehr emotionale und befremdliche Momente, und es wird einem klar, dass es noch etwas Zeit brauchen wird, anzukommen und sich heimatlich verbunden zu fühlen! Aber wir wurden mit zwei wunderbar sonnigen Herbsttagen beglückt und haben gemeinsam als Familie einiges gewuppt!

    In den Fußstapfen der Eltern

    Es gab ja mal eine Zeit, da wollte man um Verderb und Gedeih nicht wie die Eltern werden. Mit dem Alter erkennt man aber immer mehr, wie ähnlich man diesen ist und wie sehr sich Erfahrungen und Entscheidungen ähneln sollen. Meine Eltern haben selbst in ihren Jugendjahren ein marodes Bauernhaus gekauft, hatten das Ziel sich unabhängig zu machen und sich ein Nest zu bauen. Und dabei haben sie aus Unwissenheit und Naivität so manche Fehltritte mitgenommen, haben einen Hausschwamm übersehen, mussten eine Drainage nachrüsten und das gesamte Dach erneuern. Von Heizungsanlage und Kanalisation mal ganz abgesehen. Trotzdem scheint Angst oft der beste Ratgeber, obwohl man selbst erfahren durfte, wie viele Fehler und Umwege man bestehen durfte. Das ist Brutpflege und Schutz, und so nervig sich die Bevormundung und Ermahnung der Eltern oft anfühlen mag, so ist es gleichzeitig auch Balsam für die Seele und es verdeutlicht nur, wie wertvoll und wichtig man einander ist.

    Von und miteinander lernen

    Der Erfahrungsreichtum der Eltern kommt uns unheimlich zu Gute. Voneinander zu lernen und sich auszutauschen macht Mut und ist ein starker Motor! Und neben diesen tollen Synergie-Effekten und dem Geschenk, seine Eltern aus einem neuen Blickwinkel zu entdecken und sich in der Familiengeschichte zurückversetzt zu fühlen, ist es wunderschön zu erleben, wie sehr sich die eigene Schwester involviert und einbringt! Engagiert nimmt sie an den Wochenenden die lange Fahrt aufs Land auf sich, um uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen!  Dabei ist es so schön zu entdecken, wie sehr sich unsere Gedanken ähneln, zum Leben in der Großstadt, der Sehnsucht nach Heimat und Sinnhaftigkeit. Der Raum der entsteht, die Stille, die Entschleunigung und die Luft auf dem Land, schaffen Platz um sich näher zu kommen! Und zum Lernen gehört ein Perspektivenwechsel: Plötzlich macht man sich als Kind sorgen um die Eltern, wenn die so schwer heben und mit gefährlichen Maschinen, wie Motorsägen und Äxten zu hantieren beginnen :-).

    Schwuppdiewuppdie

    In allerfeinster Teamarbeit haben wir als Familie massiv viel gewuppt! Mutti hat den kompletten Vorgarten bereinigt und sämtliche Hecken-Verschnitte beräumt. Mirjam und Fattchen haben zusammen mit Susan die gesamten Tapeten im Esszimmer abgetragen. Als Geschwister haben wir uns dann noch mit dem Stemmhammer am Durchbruch zum Wohnzimmer versucht, bis uns die Knochen weh taten. Und mit der Motorsäge haben Fattchen und ich die austreibenden Akazien rund um die vollbiologische Kläranlage gerodet! Es bleibt immer noch sehr viel zu tun, aber wir sind ein ganzes Stück weiter gekommen! Und wieder durften wir lernen und erkennen, dass so schwer die Arbeit auch sein mag, zusammen macht sie viel mehr Spaß und geht tausendfach einfacher von der Hand!

    Im zweiten Teil der Family Power Saga geht es „spannungsreich“ weiter, denn dann wird endlich der Strom angeschlossen!

  • Lehmputz Teil 1

    Lehmputz Teil 1

    Tempo, Tempo! Raik ist unsere Rettung und seine Putzmaschine bringt Schwung in die Bude! Die Sache läuft…

    Wir hatten es bereits erwähnt, dass unser Vorhaben, unsere Innenräume in ein Lehmgewand zu kleiden, uns beinahe an den Rand der Verzweiflung gedrängt hätte! Deswegen haben wir den klugen Rat angenommen, uns professionelle Hilfe zu suchen! Das ausschlaggebendste Argument war wie immer die Kostenreduktion. Und das hat diesmal wirklich wunderbar funktioniert!

    Milchmädchenrechnung

    Mache ich alles selber, brauche ich Zeit. Da ich kein Profi bin, brauche ich gut das dreifache an Zeit. Zeit die ich mit Arbeiten und Geldverdienen verbringen könnte. Daher hole ich mir jemanden, der was von seinem Fach versteht und die Arbeit in einem Bruchteil der Zeit verrichten kann! Dieser jemand kostet mich Geld. Geld, das ich in der Zeit, in der ich die Arbeit nicht verrichten muss, erwirtschaften konnte. Die Bilanz stimmt und alle haben was gewonnen! Coole Nummer! Und das was wir an Blut, Schweiß und Tränen eingespart haben, ist mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen!

    Erstkontakt

    Bereits am Telefon hatte unser Lehmputzer eine beruhigende Wirkung auf uns. Vermutlich hat er die Verzweiflung am anderen Ende der Leitung gespürt und ganz souverän deeskaliert. Der Kontakt ist durch unseren Lehm-Lieferanten, dem Lehmdiscount in Berlin zu Stande gekommen. Hier wurden wir im Vorfeld wirklich sehr ausführlich beraten und haben einige Proben mitgenommen. Es folgte die erste Ortsbesichtigung. Das er mich als Bauherren titulierte, schmeichelte mir. Aber am meisten war ich entzückt von der Idee, das Raik eine eigene Putzmaschine sein eigen nennen konnte! Schließlich hat uns in unserem Vorhaben am meisten die Menge des Lehms abgeschreckt, die planmäßig über unsere Hände/ die Kelle an die Wand geworfen worden wäre: satte acht Tonnen!

    Theorie

    Lehm ist ein Naturbaustoff und vollkommen pflegeleicht! Alles was an Ausschuss anfällt, kann wiederverwertet werden. Lehm ist unbegrenzt haltbar, absorbiert Schadstoffe und reguliert das Raumklima auf eine besonders angenehme Art und Weise: Im Sommer ist es kühl, im Winter warm. Nach dem Duschen wird Feuchtigkeit „geschluckt“, danach in trockenen Perioden wieder abgegeben. Soweit die Theorie. Was mich aber am meisten überzeugte, war die Verarbeitung! Abgesehen von der anfänglichen Verzweiflung, lässt sich Lehm ganz entspannt an die Wände bringen! Staubige, entputzte Wände werden kurz vorgenässt, Dellen oder Bohrlöcher, sogar Stromleitungen und Kabelführungen, lassen sich einfach hinter der Armierung verstecken. Was an Überschuss von der Wand fällt, wird wiederum in andere Löcher gestopft oder neu angemischt. Das Zeug wird nicht schlecht und dient zur Not sogar als Rosen-Dünger :-). Es kann also „dreckig“ und „schnell“ nach dem „Quick&Dirty“ Prinzip gearbeitet werden…

    Praxis

    Meine Knochen tun weh! Nach zwei Tagen Abrissarbeiten, um den Rest des Raumes von angeschimmelten Überputz zu befreien, spüre ich das Gewicht des Vorschlaghammers! Aber es muss weiter gehen. Nachdem wir den Heizkörper demontiert haben und die Putzmaschine anläuft, zeigt Raik mir wie es geht. Dann muss ich die Maschine befüllen. In zwei Stunden habe ich locker 600 Kg Lehm von der Palette in die Putzmaschine geschaufelt. 17 Meter gespart, 3 auf den Knochen. Die Muskeln, zur Strapazierung freigegeben, sind die gleichen, die bereits zwei Tage zuvor den Vorschlaghammer schwingen durften. Sehnenscheidentzündungsmässigüberstrapaziert. Aber als ich sehe, wie der Raum sich verwandelt, bin ich zu Tränen gerührt! Wirklich. Es durchfährt mich ein Schauer. Seit Tagen – gefühlten Jahren – das erste Mal ein wirklicher Fortschritt! Kein Abbruch, nein, Aufbau! Ein Zimmer wird fertig! Wie geil ist das denn!? Und es sieht klasse aus!

    Jetzt gilt es nur noch ein paar Tage zu warten, bis der naturweisse Edelputz als „Finish“ aufgetragen werden kann. Dies erfahrt ihr in unserem nächsten Beitrag

  • Abrissarbeiten

    Abrissarbeiten

    Alles was man angeht zieht einen Rattenschwanz hinter sich. Und die Kosten, die explodieren sowieso…

    Schnell verliert man die Übersicht, was noch alles zu tun ist. Daher beginnt man mit den „kleineren“ Baustellen, um sich dann stückweise abzuarbeiten. Blöd nur, wenn diese vermeintlich überschaubaren Arbeiten eine Kettenreaktion auslösen und sich nicht so einfach beheben lassen! Da kann einen schonmal die Verzweiflung packen.

    Die Elektrik

    In unserem Überraschungsbeitrag haben wir ja bereits davon geschrieben, dass eine flackernde Birne Indiz für eine komplett überholungsbedürftige Elektrik war. Aus dem „mal eben schnell die Birne wechseln“ wurde dann in der Konsequenz, die komplette Neuverkabelung und Austausch sämtlicher Stromleitungen! Das war so natürlich nicht in unserem Budget und neben dem reinen Material, wie Stromkabel, Steckdosen, Unterputzdosen, Wechselschalter, Verteilerdosen, Sicherungskästen und Gips, kamen auch noch diverse Werkzeuge wie Leitungsprüfer, Kabelabisolierer, Bauscheinwerfer, Kabeltrommel, Flachmeißel, Gipskübel und Bohrmaschinenaufsatz zum Anrühren des Gipses dazu. Jetzt hangeln wir uns von Zimmer zu Zimmer, reißen die alten Leitungen soweit das möglich ist raus, und legen neue Leitungen auf dem Dachboden. Diese Leitungen werden dann wiederum mit Gips verspachtelt und münden in den Unterputzdosen. Wir haben Einiges über Strom gelernt, legen alle Leitungen zu den Steckdosen dreiadrig mit 1,5er Kabeldurchschnitt, die Zuleitung mit 2,5. Jeder Lichtschalter bekommt ein fünfadriges Kabel damit später auf dem Dachboden in den Verteilerdosen Wechselschalter angeschlossen werden können. So kann man das Deckenlicht von zwei Standorten unabhängig schalten. Nachdem wir die Wände aufgestemmt, alles verlegt und vergipst haben, kam dann der Profi für den Lehmputz vorbei und eröffnete uns, dass Gips der denkbar schlechteste Untergrund für Lehm sei, da sich die Materialien zwangsläufig mit den Jahren voneinander trennten. Abhilfe schafft hier zwar relativ unkompliziert ein Putzgrund, der kostet aber natürlich auch wieder extra. Beim nächsten Zimmer nehmen wir dann statt Gips also Kalkzementputz, haben dann aber wieder 90Kg Gipsmörtel übrig, da wir natürlich in weiser Vorraussicht bereits für das ganze Haus den Einkauf getätigt haben :-).

    Tapeten ablösen

    Aus mehreren Gründen haben wir uns dazu entschieden, die Decken und Wände mit Lehmputz zu verputzen und zukünftig auf Tapeten zu verzichten. Dazu müssen die alten aber erstmal abgelöst werden. Was am Anfang noch relativ schnell und einfach ging, löste auch nach kürzester Zeit wieder massive Frustration aus: Während auf Kalkzementputz die Ablösung von Tapeten relativ schnell und einfach von statten geht und diese sogar nicht einmal angefeuchtet werden müssen, sind alte Lehm-Schilf-Wände und Gipskartonplatten in Kombination mit Kunststofftapeten die reinste Qual! Hier kamen wieder spontane Investitionen in Form einer Sprühflasche und eines Tapetenigels auf uns zu. Also haben wir uns ein paar Youtube-Videos angeschaut und versucht, dass Ganze in die Tat umzusetzen. Tapetenlöser selbstgemacht mit Essig und Spülmittel taugt aber auch bei Kunststofftapete reichlich wenig, da der Igel so kleine Löcher verursacht und die Flüssigkeit einfach nicht ausreichend in das Material eindringen kann, um dieses anzufeuchten und zu lösen. Heißt also in mühseliger Fummelarbeit mit dem Spachtel zuerst die erste Schicht Plastik abzukratzen, dann wiederum alles mit der Sprühflasche einzusprühen, eine halbe Stunde zu warten um dann alles wieder mit dem Spachtel abzulösen. Gerade an den Decken ist das kraftraubende Sisyphosarbeit! Von unseren Eltern haben wir uns dann noch eine Tapetenablösemaschine ausgeliehen, die heißen Wasserdampf erzeugt. Aber auch dieser dringt nicht durch die Kunststoffschicht. Eines ist sicher: Es braucht sehr viel Wasser (5 Liter pro Wand), viel Geduld (das Wasser muss einwirken) und viel Kraft. Am Besten löst man Tapeten ab, wenn man ohnehin schlechte Laune hat. Denn hinterher ist diese sowieso beschissen! Was wir intuitiv richtig gemacht haben ist, dass wir die alten Teppiche erstmal belassen haben. Es löst sich so viel Kleister und Cellulose das im Handumdrehen alles eingesaut und verschmoddert ist. Rollt man den Teppich erst hinterher ein, spart man sich einen Arbeitsgang: Die Fussbodenreinigung!

    Verputzen

    Lehm ist ein Naturbaustoff und wird schon seit Jahrtausenden zum Bauen verwendet. Er bietet vielerlei Vorteile was das Raumklima, die Feuchtigkeitsregulierung, Schimmelvermeidung und die Bindung von Schadstoffen in der Raumluft angeht und lässt sich grundsätzlich auch sehr leicht verarbeiten. Nicht aber in diesen Mengen. Unser Lehmputzrechner hat ein Materialbedarf von 8 Tonnen ausgespuckt. Diese ohne Maschine durch die eigenen Hände an die Wand zu werfen und hinterher auch glatt zu ziehen, stellte sich schon nach den ersten zwei Tagen als unrealisierbar heraus! Daher haben wir uns entschieden, auf einen Profi mit Putzmaschine zurückzugreifen! Und das war eine sehr gute Entscheidung, die aber ebenfalls für einige Extra-Kosten gesorgt hat. Erstens natürlich die Arbeitszeit, Zweitens eine neuer Stromanschluss mit 25 Ampere für die Putzmaschine und Drittens eine neue Veredelungstechnik, statt Lehmfarbe mit Edelputz. Unser Budget wurde damit um 200% überschritten. Aber dafür werden wir ein gesundes und ästhetisch schönes Haus haben!

    Weitere Abrissarbeiten

    In einem Zimmer sind wir auf eine Styroporverkleidung der Decke gestoßen. An anderer Stelle fanden wir Gipskartonplatten mit Glaswolle. Dann eine Vertäfelung der alten Fachwerkbalken mit Mäusenestern in den Zwischenräumen. Eine alte Tür und ein Fenster kamen unter den Tapeten zum Vorschein. Und alles muss entfernt und entsorgt werden. Während Teppiche noch auf den Sperrmüll gehen, ist Bauschutt in der Entsorgung relativ kostenintensiv und aufwendig. Einen Container zu bestellen ist wiederum etwas überproportional. Also wird alles stückweise mit dem eigenen Hänger abtransportiert. Wieder ein zusätliche Investition: Ein eigener Anhänger! Der rechnet sich allerdings auf so einer Baustelle relativ schnell. Wir haben ihn bereits für den Umzug benutzt und eine zusätzliche Fahrt gespart, günstig bei Kleinanzeigen Möbel geschossen und werden zukünftig damit weitere Baustoff-Einkäufe tätigen und somit Lieferkosten sparen!

    Die Essenz

    Wir hoffen euch in unmittelbarer Zeit ein paar „Vorher/Nachher“ – Bilder präsentieren zu können! Wir merken langsam wie wichtig es ist, nicht auf einer Baustelle zu leben sondern anzufangen, sich wohnlich einzurichten, die Kartons auszupacken und ein Sofa und ein Bett aufzustellen! Und wir müssen Gebetsmühlenartig uns immer wieder vergegenwärtigen: „Stück für Stück“, „Peu a Peu“, „mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“ und „Rom wurde nicht an einem Tag gebaut“. Aber glücklicherweise sind wir auf dem Land und die Entschleunigung und Entspannung fällt Dank der vielfältigen Naturerfahrungen nicht allzu schwer…Außerdem geht es nun endlich bald los mit den Putzarbeiten!

  • Die Renovierung planen

    Die Renovierung planen

    Los geht’s! Wir sind da und unsere Ideen sprudeln! Jetzt heißt es priorisieren und richtig planen…

    Wir haben gefühlte tausend Ideen was wir mit unserem Hof alles anstellen möchten: Vom Ausbau unseres Wohnhauses bis hin zu Gewerberäumen für Radpension, Heu-Herberge, Ferienwohnung, Tonstudio, Mikrobrauerei, Feldküche, Pizzasteinofen, bis hin zu eigenen Permakultur-Beeten, Gewächshäusern und Wagenstellplätzen. Doch wo fängt man an und was ist besonders wichtig, dringlich – und vor Allem: wie kalkuliert man die Kosten und spart beim Bau! Ein nicht zu unterschätzendes Unterfangen, so eine Hof- und Haussanierung…

    Erste Überlegungen

    Um uns nervlich und finanziell nicht ins Verderben zu stürzen, steht am Anfang unseres Vorhabens, eine ausführliche Bestandsanalyse und Planungsphase. Wichtig dabei ist, nicht tausend Baustellen auf einmal aufzumachen, sondern sich Stück für Stück nach Dringlichkeit und Nutzen, voran zu schlagen. Da Beispielsweise Küche und Bad nutzbar sind, macht es vorerst keinen Sinn, diese außer Betrieb zu nehmen und zu sanieren. Stattdessen beginnen wir mit dem Teil des Hauses, der später einmal Gäste- und Ferienwohnung werden soll, und in dem wir nach Fertigstellung vorübergehend wohnen werden, um von hier aus in Ruhe den Rest des Hauses zu erneuern. Anschließend sollen dann weitere Wohnräume und Nassräume für Feriengäste mit Duschen und Toiletten ausgebaut werden. Am Ende stehen dann die Renovierungen der privaten Küche und des Bades. Somit können wir gleich zu Anfangs Gäste empfangen, die uns bei der Arbeit helfen, oder einfach nur Urlaub machen. Denn bislang war unsere größte Angst den Schritt aufs Land zu wagen, eine potentielle Vereinsamung :-).

    Bestandsanalyse

    Tapeten runter, Teppiche raus; Elektroleitungen skizzieren, Wände analysieren; Schwachstellen finden, alles vermessen; Lehm bestellen, Lehmputzer organisieren; Elektriker einladen, Sicherungskästen erneuern, FI-Schalter installieren. Und hoffen das alles Hand in Hand geht. Aber wie sollten wir alsbald erfahren: Die Probleme der meisten Baustellen sind die Leerlaufzeiten – das Warten auf den nächsten Arbeitsschritt! Erst wenn der Zimmermann die Balken getauscht hat, kann der Lehmputzer die Wände und Decken machen. Und erst dann kann der Boden mit den Fußleisten installiert werden. Und dann kommt der Edelputz und die Elektrik… Dennoch; es gibt viel zu tun! Packen wir’s an!

  • Überraschungen

    Überraschungen

    Eigentlich mag man sie, manchmal aber auch nicht. Überraschungen. Schön oder Böse weiß man vorher nicht…

    Nach unserem reibungslosen Umzug am Vortag erwartet uns schon im Morgengrauen die erste Überraschung! Eine kleine Maus tapst über den nackten Vinylboden und reißt uns aus dem Schlaf. Vermutlich haben wir von Mäusen geträumt…

    Die bösen Überraschungen zuerst

    Mitwohnende – Mäuschen Piep einmal!

    Man rechnet ja mit Vielem. Aber manche Dinge überraschen dann doch. Zum Beispiel scheint es sich während der Abwesenheit von Bewohnern eine Mausfamilie hinter der Spüle gemütlich gemacht zu haben. In jedem Zimmer entdecken wir ein Loch oder einen Spalt und finden Spuren. Sherlock Holmes mässig schleichen wir durch das gesamte Gemäuer, um die kleinen Rabauken ausfindig zu machen. Und da, wo es am strengsten nach Maus riecht, finden wir auch ihre Nester und platzieren Fallen. Zuerst mit Nutella. Stand so im Internet. Das Resultat: Alle Fallen sind akribisch abgeschleckt worden und der Köder ist verschwunden. Die Fallen haben nicht ausgelöst. Der zweite Versuch erfolgt mit Hanuta. Ebenfalls erfolglos. Erst mit der traditionellen Speckmethode funktioniert es und in einer Nacht finden gleich drei Mäuse ins Jenseits. Schon irgendwie barbarisch, aber Mäuse sind klug und müssen lernen, dass sie bei uns nicht sicher sind! Und während wir ihnen in den ersten Tagen noch regelmäßig über den Weg gelaufen sind, fangen sie jetzt zumindest an, sich zu verstecken und vorsichtiger zu werden. Das hat den Vorteil, dass wir jetzt unsere Lebensmittel in der Küche nicht mehr in der Mikrowelle, Herd oder Kühlschrank vor den Mäusen verstecken müssen. Liebe Mäuse, geht auf den Dachboden oder ins Nebengelass. Da stört ihr nicht. Aber in unserer Küche habt ihr aus hygienischen Gründen nichts verloren!

    Licht an – Kabelbrand

    Unser Haus ist alt. Schätzungsweise aus den 30ern. Aber es ist warm und trocken und eigentlich funktioniert alles. Eigentlich. Nachdem wir alle flackernden Glühbirnen ausgetauscht haben und feststellen mussten, dass die Ursachen für diese Flackerei an anderer Stelle liegen müssen, war auch schon Susans Elektropapa vor Ort, um unser Stromnetz zu begutachten! Und siehe da: Alles zweiadrig Aluminium, wie vorm Krieg. Ohne Absicherung oder FI Schutzschalter und alles dreitausendmal in diversen Dosen unterverteilt und zu niedrig abgesichert. Mit Sicherungen von vor dem Krieg. Resumee: Alles muss raus, alles muss neu! Mit Kupfer 3 x 1,5 usw. Wie viele Meter Kabel wir neu legen müssen, wissen wir jetzt noch nicht. Aber sämtliche Unterputzleitungen müssen neu gemacht werden. Das wird ein Spaß alles aufzustämmen, neu zu verlegen und durch die Decke in den Dachboden zu gehen…

    Offline

    Ohne Internet kann man nicht mal stricken. Zumindest nicht, wenn man gerade damit begonnen hat und sich an kostenlosen Strickmustern aus dem Netz bedient. Und so einiges anderes geht nicht. Wir sind hier wirklich offline und müssen zum eMail-Abrufen nach Seelow fahren, weil es bei uns nur zeitweise LTE von der Telekom gibt. Das wissen wir, weil wir uns für alle Netze Prepaid Karten gekauft haben. Also 10 Km nach Seelow fahren, Karte kaufen und zurück nach Platkow, Hotline anrufen, um Karte freizuschalten und Peng: Antiterrorgesetz! Zum Aktivieren Ihrer SIM-Karte benötigen Sie Video-Ident. Geht nur mit Internet. Das ist in etwas so wie sich eine Schere in einer Plastikverpackung zu kaufen, die man nur mit einer Schere öffnen kann. Also zurück nach Seelow zum Video-Ident und zurück nach Platkow um festzustellen, dass Vodafone nicht wie versprochen Netzabdeckung liefert. Das Ganze also noch einmal und jetzt haben wir zumindest in den Abendstunden ab und zu LTE im D1 Netz. Wozu der ganze Stress, fragst du? Man wird es doch wohl mal eine Woche ohne Internet aushalten!? Nein, Internet ist essentiell, wenn man auf einer Laienbaustelle lebt. Wir brauchen das Netz, um Preise zu vergleichen, Informationen zum Ausbau einzuholen, Firmen ausfindig zu machen und selbst unsere Handy-Spiele zum Zeitvertreib brauchen NETZ! 🙂 Nächste Woche soll unser DSL endlich kommen. Wir sind gespannt und schauen derweil auf den Ladebalken…

    Lehmputz

    Wir haben vor, das gesamte Haus im Innenbereich mit Lehm zu verputzen. Das hat nämlich vielerlei Vorteile: Schadstoffversiegelung (man weiß nie, was mal als Baustoff zum Einsatz kam), Feuchtigkeitsregulierung (Stichwort Schimmel) und keine Tapete mehr (Raufaser ist voll 90er). Also haben wir den Bedarf ausgerechnet und sämtliche Wände und Decken vermessen. Unser Bedarf besteht aus 8 Tonnen trockenem Universallehmputz. Kostenmäßig mit 2000€ noch im Rahmen für eine gesamte Innenraumsanierung und Renovierung. Allerdings ganz schön viel Holz! Nachdem wir die erste halbe Tonne versucht haben an die Wand zu bringen und schwitzend und keuchend und total entkräftet den Tränen nahe am Boden kauerten, mussten wir kapitulieren! Manches kann man eben nicht einfach selber machen und wir bekommen den Putz einfach nicht glatt. Eine dreijährige Stukkateur-Ausbildung hat gewiss seine Gründe. Ein Fachmann wurde bestellt. Wir warten…

    Die schönen Überraschungen

    Flora und Fauna

    Wir sind wirklich mitten in der Natur. Gestern waren wir Pilze sammeln und sind auf einen traumhaft schönen Wald gestoßen. Hier war bis vor ein paar Jahren noch ein Truppenübungsplatz, also kein gewöhnlicher Forst. Entsprechend abwechslungsreich und vielfältig ist der Wald auch. Pilze haben wir leider keine gefunden. Also sind wir weiter auf dem Europaradweg R1 Richtung Berlin und sind vorbei an schönen Gewässern und Feldern geglitten und sind auf Hopfen und Holunder gestoßen. Abends haben wir dann gleich Holundermarmelade gekocht. Die Natur erdet. Das spürt man sofort und das haben wir uns auch so vorgestellt. Aber dass sich das so intensiv in kürzester Form spüren lässt, ist doch sehr positiv überraschend!

    Habseligkeiten

    Auf unserer Erkundungstour durch Haus und Nebengelass haben wir so einige Habseligkeiten und nützlichen Dinge entdecken können, die sicher noch Verwendung finden werden. In Berlin ist sowas teuer und fällt unter Vintage! Hier ist es in seiner natürlichen Umgebung und fällt weniger auf, ist aber dafür umso nützlicher…

    Das Beste zum Schluss

    Wir kommen voran! Nach anfänglichen Schwierigkeiten und Turbulenzen sind wir durch den ersten Sturm gesegelt und haben wieder Kurs! Wir sehen, dass wir schrittweise vorankommen und uns nicht entmutigen lassen dürfen! Wir haben Zeit und der Weg ist das Ziel – Entschleunigen! Hinter jeder Tapete steckt eine Geschichte und es macht auch viel Spaß, diese Geschichten zu entdecken. Wir lernen unser Haus und deren Geschichte kennen, indem wir in jede Ecke schauen (und unter den alten Teppich) und lernen sehr viel! Und dann war da ein Regenbogen…