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  • Zeit – die Kostbare

    Zeit – die Kostbare

    Beständig verfliegt sie, beständig ist sie unpässlich – rückblickend ist sie meist zauberhaft – frontal weiß sie uns zu ängstigen. Doch stetig ist sie irgendwie hyperaktiv verwandelnd und schwer zu fassen. Wie ein kleiner Flummi aus dem Kaugummiautomaten…

    Zeit als Ressource

    Zeit spielt für uns seit Baubeginn eine sehr wesentliche Rolle! Sie ist das höchste Gut – die wertvollste Ressource, um zwischen Berufstätigkeit, zu verrichtender Arbeit, zwischen Vergnügen, zu balancieren! Am Anfang haben wir uns extraordinär auf die Zeit gefreut, die wir mit dem Ausbau, der Sanierung und Renovierung unseres neuen Hauses verbringen würden. Doch nach dem zweiten Jahr begann sich das Blatt allmählich zu wenden. Wir hatten seitdem keine zwei Nächte außerhalb des Hofes verbracht – jedwede freien und Urlaubstage mit Baustelle ausgefüllt – ob mit oder ohne Unterstützung. Unsere Motivation versuchten wir stets durch kleine Erfolge und kurz gesteckte Etappenziele zu erhalten – doch irgendwann schlich sie die Routine und Erschöpfung ein. Anders als bei so manchen Ernüchterungen und bösen Überraschungen. Diese Arschtritte waren bislang eher zusätzlich Motor und Rückenwind. Doch so langsam bäumte sich eine laue Brise als Gegenwind auf.
    ZEIT innezuhalten . ZEIT sich ZEIT zu nehmen . Das Wandern ist des Bauherrns Lust…

    Zeit und Geld

    Pragmatisch gesehen neigten wir dazu, ein so wertvolles Gut wie die Zeit einteilen, rationieren und bewerten zu wollen. Was also kostet die Zeit!? Wir fangen an zu bilanzieren: Eine Stunde Bauschutt umwuchten; Eine Stunde Flächen streichen; Eine Stunde Deckenbalken schleifen; Eine Stunde Strippen ziehen; Wasserleitungen verpressen; Beton gießen; Holz machen; Rasen mähen; Fertiggestellte Räume einrichten – was davon bereitet Freude? Was ist der Zeit Wert!? Was vermag der Physe Zeit zu rauben!? Was stärkt den Organismus!? Was bereitet Spaß und Freude und verlängert die Lebenszeit!? Und was davon könnte durch bare Münze umgangen und verhindert werden – selbstverständlich ohne das Portemonnaie in die Magersucht zu drängen! – Vermutlich die eigene Haltung, der Glaube an die Selbstwirksamkeit und die Wertschätzung der eigenen Resillienz – alles Dinge, die auch genährt und gesäugt und erhalten werden wollen! 

    Dinge verbrennen mit der Zeit…

    Zeit und Gewinn

    Schnäppchen gemacht! Neunzehnprozentmehrwertsteuergeschenkt! Neuer Fernseher im Finanzkauf zinsfrei erzielt! Für drei Jahre weniger zahlen als sonst für vier, aber dafür eben für drei und nicht für 0…“ – Eine klassische Rechnung für potenzierten Zeitverlust. Klingt wie ein Deal der grauen Herren, würde Momo sagen! Und letztlich zahlen andere den Aufpreis für unseren Zeitvorteil. Kennen wir schon…
    Dafür gehen wir sonst auch arbeiten: um uns Zeit zu kaufen, die wir längst verloren haben! Bleibt nur den besten Deal zu machen und gut bei weg zu kommen! Zeit ist Trumpf!

    Zeit und Relation

    Die Pandemie zeigt uns, dass Zeit von heute auf morgen unbedeutend sein kann, wenn sie uns in einem Augenaufschlag davon rauscht und sich mit der Endlichkeit relativiert. Dann löst der Airbag in Millisekunden nicht aus und wir steuern gegen Null.
    Sehen wir diesem Ende unserer eigenen Zeit ins Auge, starren wir in ein tiefes schwarzes Loch. Ohne Antwort, ohne Idee, ohne Erklärung und Bestimmung. Ins Nichts. Jede Sekunde kann über Jahrzehnte entscheiden. Unendlichkeit wird plötzlich unendlich schnell belanglos und relativiert – Zeit ist relativ. 
    Da können wir Tage, Monate, Jahre aufgebaut und kreiert haben und alles fällt mit einer Welle, wie eine Sandburg am Strand von Hiddensee…

    Hauptsache die Wäsche ist gemacht… 

  • Meine Lieblingspodcasts #02

    Meine Lieblingspodcasts #02

    Bei uns ist auditive Stille und digitale Wüste angesagt. Trotzdem ein paar weitere Podcast-Empfehlungen für euch – weil es eben so schnell geht…

    Rabbit Hole

    The New York Times präsentiert und produzierte diesen Podcast. Es wird englisch gesprochen und es geht um das Internet. Ihr wisst das ich mich des Öfteren über die Verwandlung der Sozialen Netzwerke äußere und auch beschwere. Dieser Podcast bringt es auf den Punkt! Wir sind gefangen in Filterblasen und Metablöcken. Wir sind Konsumenschen… 

    Netzbasteln

    Moritz Metz hat jüngst seine 150ste Folge vom Netzbasteln auf Deutschlandfunknova veröffentlicht! Ich folge ihm schon eine ganze Weile und habe ihn auch bereits zum Thema Smart-Chicken-Home angeschrieben. Alle, die ESP8266 und Arduino lieben, sind hier sehr gut aufgehoben! Sobald wir die Pandemie ausgestanden haben, folgt sicher ein Real-Life-Event auf unserem Hof, bei dem wir etwas Löten und Coden…

    Dit is Brandenburg

    Der Podcast der MOZ ist wie ein kleiner Schmetterling der sich aus dem Kokon schält: Relativ neu und teilweise unbeholfen, aber trotzdem unterhaltsam und informativ! Und er wächst mit seinen Aufgaben, behandelt schwierige Themen wie Rassismus und Landkrise, und bleibt trotzdem optimistisch! Hört mal rein!

    I fucking love science 

    Als kleiner Nerd liebe ich Wissenschaftspodcasts. Auch im deutschsprachigen Raum gibt es mittlerweile einige gute Sendungen. Vom obligatorischen Corona Update bin ich auf den NDR Podcast „Synapsen“ gestoßen! Kann man hören, auch wenn er oft nicht so sehr in die Tiefe geht! „This week in Science“ ist da schon etwas elitärer, aber trotzdem noch sehr zugänglich und brandaktuell! 

    Fighting Corona

    Dieser Podcast von Tobi Schlegl war sehr vielversprechend, driftete aber irgendwann in die Belanglosigkeit. Die ersten Folgen sind trotzdem super interessant! Vermutlich hat es mit der eigenen Verdrängung oder Relativierung dieser abstrakten, pandemischen Bedrohung zu tun! Leider wird es vermutlich zum Winter eine Neuauflage dieser Sendung geben und geben müssen…

    HOF FUNK

    Eigenlob stinkt für gewöhnlich. Bis endlich eine neue Folge erscheint, könnt ihr gerne nochmal die bisherigen Gedankenergüsse meinerseits ankosten. Ihr findet den HOF FUNK auf NEUEFLAMME, Apple und wo es sonst noch Podcasts gibt…

  • Saunaland

    Saunaland

    Wir dachten, wir hätten aus dem „mal eben was erledigen“ – Trugschluss gelernt. Weit gefehlt…! Es leben die Parallelitäten…

    Von Anfang an war uns klar, dass wir eine eigene Sauna bräuchten! Erstens ist dies die ultimative Entspannungsmöglichkeit auf dem Land, wo Entspannungsmöglichkeiten bekanntlich Mangelware sind, und zweitens erhofften wir uns damit weitere Berliner aus der Großstadt aufs Land hinaus locken zu können! Der erste Plan sah den Bau einer Fasssauna im Außenbereich vor. Vorne im Wäldchen sollte eine kleine Saunalandschaft und Wellness-Oase entstehen. Mit einem kleinen Holzofen, für den es in Deutschland nicht mal eine Zulassung gibt. Nun war, wie aus der Praxis reflektiert und mittlerweile essentiell, auch eine Kostenkalkulation Teil der Bauplanung. Und nachdem sich diese, konservativ geschätzt, Richtung Fünfstelligkeit bewegte, vertagten wir das Projekt auf Grund anderer Dringlichkeiten. Geld wächst schließlich nicht auf Bäumen. Kurz vor Weihnachten entdeckten wir dann in den lokalen Kleinanzeigen eine gebrauchte Finnensauna in makelosem Zustand. Also schlugen wir direkt zu und spannten unseren Gaul vor den Hänger. Und so kam eins zum anderen…

    Unsere Sauna: Erst zwei Wochen im Hänger, bis wir diesen wieder brauchten, dann auf der Terrasse und schließlich wegen der Witterung in der Ferienwohnung drei Monate gut abgelagert…

    „Mal eben schnell die Sauna aufbauen“

    Fehler Nummer 1: Die alte Sauna abgebaut und eingeladen und alles nur rudimentär dokumentiert. Man baut die Sauna ja sowieso gleich wieder auf. Sechs Wochen später stehen wir wie der Ochs vorm Berg vor den Saunamodulen, die mittlerweile mehrfach den Ort gewechselt haben und das Eine jetzt nicht mehr so ganz zum Anderen passen möchte (Ihr erinnert euch vielleicht an die Kistenweise Kistenreise von vor zwei Jahren – tja, history repeating oder so). 
    Doch was war zwischendurch passiert!?…

    Das können wir uns schon merken wo welche Schraube und so hinkommt!Jeder Bauherr ständig und immer

    Zur Parallelität gezwungen

    Sieht doch schon fast aus wie ein Saunaraum

    Wir machen gerne mehrere Fässer auf und arbeiten parallel. Der Grundgedanke dahinter ist, alles in einem Aufwasch abzuarbeiten. Und natürlich auch, alles was nicht so viel Spaß macht, ohne schlechtes Gewissen prokrastinieren zu können! Während wir also voll in der Badrenovierung stecken wollten, uns aber der Fachbetrieb für die Leitungsinstallation eine Absage erteilte und die abgebaute Sauna im Anhänger lagerte, dachten wir doch mal eben kurz den Saunaraum fertig zu machen, bevor die Klempner anrücken und die Leitungen legen. Im alten Waschraum war schon länger geplant, die Sanitäranlagen für unsere Zeltgäste unterzubringen und ein Klo, eine Dusche und einen Waschtisch einzubauen. Die Sauna passt da gerade noch so zwischen, sofern die alte Gartenwasserpumpe abgebaut und das Podest darunter vergrößert werden würde. Aber erstmal ging es wieder einmal los mit Entkernen, die Gartenpumpe zu demontieren, die alten Stromleitungen abzubauen und den alten Sicherungskasten abzuklemmen. Dafür warteten wir auf meinen Schwiegervater, der während der Weihnachtsfeiertage am Stromkasten stehen musste! Was sind wir nur für Rabenkinder…

    Zum Ausufern verdammt

    Kaum hatten wir die Wände grundiert, frisch gekalkt, das Podest fertig gegossen und nach einer dreiwöchigen Trocknungszeit gefliest, kam uns die flaxe Idee, doch den gesamten Boden zu fliesen. Schließlich bringt so ein roher Estrichboden keine Gemütlichkeit in den Raum und außerdem gibt es wie immer gerade wieder irgendwelche Fliesen im Angebot. Also Hänger ausgeräumt (ja da war die Sauna noch drin) und ab in den Baumarkt. Für 4€ den Quadratmeter gab es Bodenfliesen in 60×60 im Angebot. Also die letzten 12 Kartons gekauft und eingeladen. Gewichtsmäßig war es wohl etwas zu viel für den Hänger, weswegen wir die Hälfte der Fliesen in den Kofferaum packten. Kurz vor dem Ortseingangsschild wurden die Fliesen plötzlich 60€ teurer. Denn die letzte Bodenwelle kostete mich meinen Endschalldämpfer. Der Preis sollte sich ein weiteres Mal verfielfachen, als wir feststellten, dass unser Boden für Fliesen dieser Größe nicht plan genug sein sollte. Also wieder in den Baumarkt und über den Preis der Ausgleichsmasse geächzt: 25€ Pro Pack, 15 sollten wir nach Berechnung brauchen. Also ab über die Grenze nach Küstrin und für die Hälfte des Preises das Auto mit Ausgleichsmasse voll beladen. Diesmal blieb der Auspuff dran. Chapeau!

    Selbstnivellierende Ausgleichsmasse ist eine tolle aber teure Sache! Es gibt sie meist in 1-3 oder 3-10mm. Auf polnisch heißt sie Szybkosprawny Samopoziomujacy Podklad Podlogowy 

    Während die Ausgleichsmasse trocknete, machten wir uns ans Abschleifen der Sauna, um diese dann endlich aufbauen zu können. Und obwohl wie vorher alles so toll ausgemessen und jeden Schritt geplant hatten, stellte sich ein neues Problem ein: Die Sauna passt zwar zur Raumhöhe, aber eben nur im aufgebauten Zustand! Während des Aufbaus brauchte man 10cm zusätzlichen Platz, um das Dach aufsetzen zu können. Also mussten wir die Füße der Sauna halbieren, um etwas an Platz zu gewinnen.

    Zwischenzeitlich wurde links von der Sauna eine Trockenbauwand gezogen. Das machte mein Kumpel Martin. Der ist sowas von viel geschickter und erfahrener als wir. Diese wurde anschließend gefliest, um fortan als Duschwand zu dienen. Außerdem wurde rechts von der Sauna das Vorwandelement des WCs verkleidet und die Toilette angebracht. 

    Nun folgten so langsam die spaßigen Aufgaben: Lampen, Gardinenstangen und Waschtisch entwerfen und basteln! Da bin ich ganz in meinem Element, man gebe mir einen tollen Podcast auf die Ohren und ich fange an zu werkeln…

    Endlich finden die Reste der Arbeitsplatte, die alte Spüle und der olle Badspiegel wieder Verwendung

    Das letzte Quäntchen bis zum Wasserfall

    Bevor die Dusche gefliest werden kann, muss diese grundiert und abgedichtet werden. Die Kalkwände haben wir mit Wasserglas grundiert. Die Trockenbauwand mit Tiefengrund aus dem Baumarkt. Vorher haben wir in den Vorsprung noch eine Einbaulampe angebracht. Hier hat uns mein Schwiegervater verboten 230V hinzulegen, obwohl das Lampengehäuse für IP68 ausgelegt und somit sogar dauerhauft untergetaucht werden könnte (die erste Zahl der Schutzklasse gibt Auskunft über den Schutz vor Fremdkörpern wie Staub oder Berührung, die zweite über den Schutz vor Wasser). Als Alternative haben wir einen Trafo in den Sicherungskasten und eine 24V LED in das Lampengehäuse eingebaut. Sicher ist sicher. Dann kam die Flüssigabdichtung samt Dichtband und Rohrmanschetten zum Einsatz. Der Anstrich erfolgt hier in mehreren Schichten. Dann folgten Fliesenkleber und Fliesen und zum Abschluss der Fugenspachtel. Alles in allem einige Arbeitsschritte, die immer wieder zur Pause zwingen. Aber die Geduld hat sich bezahlt gemacht. 

    Auf Alt gemacht

    Es gibt da so ein Phänomenon, wenn ein Mensch im gesamten Schaffensprozess seines Werkes involviert war und von Anfang bis Ende mitten drin steckte. Jeder einzelne Makel, jede kleine Unwucht, alles Unliebsame brennt sich ins Gedächnis und verhindert, im Abschluss die Schönheit des Ganzen zu erkennen! Wie sich wohl eine Künstlerin wie Élisabeth Vigée Le Brun gefühlt haben musste, als sie mit Dritten vor ihren Portraits stand und diese aus der Distanz nur Glanz und Perfektion erblickten, sie wiederum aber unter jedem fehlerhaften Pinselstrich und jeder Farbabweichung leiden musste. So ging es uns vermutlich beim Versuch, den alten Anstrich und das rohe Mauerwerk im Saunaland zu bewahren, um es gekonnt und gewollt als Restauration und Konservierung verstanden wissen zu wollen. Da hilft vermutlich nur die Zeit und das Vergessen…
    Die alten Bakelit-Oberputzleitungen aus der DDR haben wir aufbereitet und erneut angebracht, die alten Holzdübel mit moderneren ersetzt, haben Kupferleitungen eingepflegt, moderne Schalter und Steckdosen und den alten Putz mit Wasserglas fixiert (dabei mussten wir feststellen, dass Wasserglas mit Gips ziemlich allergisch reagiert. Es fängt sofort an nach Ammoniak/Urin zu riechen und das Wasserglas blättert beim Trocknen auf). Wir haben alte Stalllampen aufbereitet und mit modernen LED-Edison-Glühbirnen bestückt. Die Saunawand wurden mit alten Ausstellungsstücken aus dem Biologieunterricht verziert und Stoffreste aus dem Second-Hand-Laden dienten als Vorhänge und Gardinen. Genug der Worte.
    Die Bilder sprechen für sich…

  • Bad isch da!

    Bad isch da!

    Unser Eigenheim wird zu einer Polizeistation! Wie kann das sein? Das erfahrt ihr hier!

    Angefangen mit unserer Badsanierung hatten wir im Oktober letzten Jahres mit dem Entkernen und dem Abriss der alten Keramik. Im Januar schrieb ich im zweiten Teil der Badsanierung, dass ich mich nächste Woche – nach der Fertigstellung des Bades – erneut zu Wort melden würde. Jetzt ist es nahezu September. Wieder kam es zu einer geringfügigen Verzögerung. Zwischenzeitlich haben wir die kompletten Wasserleitungen neu gemacht, einen Eisenvorfilter hinter die Wasseruhr gehängt und alles wurde mit Edelstahlverbundrohr verpresst, das eigentlich nur in behördlichen Gebäuden wie Polizei-, Feuerwehr und Krankenstationen zum Einsatz kommt. Das Zeug ist damit irrsinig teuer. Aber bei größeren Fachbetrieben bleibt immer mal was von den diversen Großbaustellen übrig. Für unsere 50m Wasserleitung war das ausreichend. 

    Zuerst mussten also die alten Leitungen aus den Wänden gestemmt bzw. abgeklemmt werden. Außerdem haben wir den Boden aufgebrochen, um neue Abwasserleitungen zu verlegen. Das hat wie gesagt größtenteils die Firma meines Cousins übernommen. Aber wir haben wie immer den Handwerkern Löcher in den Bauch gefragt und unheimlich viel gelernt! Zum Beispiel wie man Rohrdurchmesser berechnet und warum bei Wasserleitungen eine Reihenfolge von edleren zu unedleren Metallen eingehalten werden muss, damit sich die Ionen nicht aus dem Trinkwasser lösen können und Korrosionen vermieden werden. Allerdings haben wir auch gelernt, dass die vorhergehende Firma beim Einbau der neuen Brennwerttherme gravierende Fehler gemacht hat (Kupfer ist wegen unseres Trinkwassers nicht als Leitung zugelassen und ein Heizkreislauf braucht einen magnetischen Eisenabscheider, damit die Umwälzpumpe nicht verschlammt). Und wir mussten beim Abnehmen der Rohrdämmung im Keller feststellen, dass unsere Zirkulationsleitung nur eine Attrappe war :-). Aber wir drücken mal ein Auge zu, schließlich haben wir auch schonmal gepfuscht :P. 
    Auf den folgenden Bildern seht ihr den Abriss der alten Armaturen, die Planung der neuen Zapfstellen und das Betonieren des neuen Versorgungsschachtes. Zuletzt den Trockenbau, um die Raumkrümmung auszugleichen und die problematischen Gipssteine abzudecken.

    Die Innenausbau beginnt

    Kaum waren die Leitungen abgedrückt (so nennt man das Testen der Dichtheit nach dem Verpressen der Rohre) und der Estrich getrocknet, begannen wir mit dem Innenausbau. Zuerst verklebten wir mit Ansetzgips Feuchtraumplatten auf die alte Gipswand und stellten das Vorwandelement für das Klo auf. Anschließend wurde die Schamwand mit Porenbeton gemauert und alles verspachtelt. Dann folgte in gewohnter Manier die Elefantenhaut auf den alten Fliesen und im Nassbereich der Dusche und Wanne. Dann wurde der Wannenträger mit Fliesenkleber aufgeklebt und erneut mit Elefantenhaut abgedichtet. Nun konnten der Boden und die Wände an kritischen Stellen gefliest werden. 

    Cortenstahl für die Duschwände

    Wer unseren Baublog regelmäßig verfolgt, weiß, dass wir riesen Fans von Cortenstahl sind! Wir machten uns also von Anfang an Gedanken darüber, ob und wie es möglich sein würde, eine Duschverkleidung mit diesem Werkstoff zu realisieren! Die Kostenfrage schwingt bei uns ja auch stetig mit, da wir natürlich auf der einen Seite möglichst günstig sanieren wollen, zum anderen aber auch auf nachhaltige und ökologische Baustoffe viel Wert legen. Nachdem wir feststellen mussten, dass gerade im Nassraumbereich die höchsten Kostenposten abgerufen werden und wir die Preise von diversen Glas/Keramik/Kunststoff-Fertigbauelementen recherchierten, schien uns die Cortenstahl-Idee mit einem nahezug perfekten Preis-Leistungs-Verhältnis immer realistischer und sympathischer! 200€ für die Zuschnitte, selbstgemachter Schnellroster für Umme, 20€ für Rostversiegelung (Owatrol) und 30€ für den Installations-Kleber sprechen, nicht nur preislich, für sich! Unsere Expertise aus den vorhergehenden Erfahrungen haben wir erweitert: Wir verwendeten Küchenrolle als Feuchtigkeitspuffer und feuchte Gräser, um dem Cortenstahl beim Rosten zusätzlich Struktur zu verleihen! Da die beiden Duschelemte im rechten Winkel zueinander stehen sollten, überlegten wir kurz, diese an Ort und Stelle zu verschweißen. Hier zeigt sich allerdings ein Nachteil von Cortenstahl: Das Schweißen ist etwas komplizierter und erfordert spezielle Elektroden und Vorgehensweisen, zusätzlich auch eine Materialstärke von 3mm. Uns reichten allerdings 1,5mm, da wir auch noch die Aussparungen für die Zapfstellen, die Hebelgarnitur und die Regenbrause in das Material flexen und schneiden mussten. Also verschlossen wir die Lücke mit rotbraunem Sanitärsilikon, um eine Wasserdichtigkeit zu gewährleisten…

    Geseifter Kalk

    Unser Bad ist huggelig klein und hat kein Fenster nach außen. Als wir die alten Fliesen abbrachen und die Leimfarbe von den Wänden flexten, stellten wir fest, dass es offensichtlich feuchtigkeitsbedingte Schwarzschimmelschäden gab. „Moderne Baustoffe“ wie Glasfliesen, Dispersionsfarben und Leimfarben haben den Feuchtraum versiegelt und ihm die Möglichkeit zum Atmen genommen! Als Putz kam uns natürlich zuerst der gute alte Bekannte namens Lehm in den Sinn – wir haben aber auch innerhalb der letzen zwei Jahre gelernt, dass Lehm unter extermer Feuchtigkeitseinwirkung verweichlicht und seine Form verliert. Zudem hat er nicht die nötige Abwehrkraft gegenüber Schimmelpilzen, sofern er dauerhaft feucht bleibt. Daher entschieden wir uns im Nassraum für eine geeignetere Alternative – der Kalkglätte! 

    Kalkglätte besteht aus Sumpfkalk, Marmormehl und einem Weißzementzuschlag, lässt sich unkompliziert selbst herstellen oder für 1€ pro Kilogramm im Baustoffhandel beziehen. Für einen Quadratmeter Putzfläche werden ungefähr ein Kilogramm Kalkglätte benötigt – der größte Teil davon für die untere „Opferschicht“. Diese lässt man mindestens 72 Stunden lang trocknen und beschleift dann die stärksten Riefen und Macken. Anschließend folgt der eigentliche Kraftakt: Das Verpressen der Kalkglätte auf Kornstärke mit einer Venezianischen Glättekelle, auch Venezianertraufel genannt – eine Putzkelle mit abgerundeten Ecken, die es ermöglicht, auf dem Material kreisförmig hin und her zu reiben, damit sich die feuchten Partikel komprimieren und zu einer glatten Oberfläche verbinden. Ähnliches ist auch mit Lehm möglich und nennt sich „Tadelakt“, wurde vorwiegend in Marokko für Hamams verwendet und ist so zeitintensiv, dass wir uns als allzeit Verspätete dagegen entscheiden mussten… 
    Wir haben unsere Kalkglätte immer in fünf Kiloportionen angesumpft und verrührt, dabei einen Esslöffel Eisenoxid-Farbpigmente hinzugegeben, da wir ein leichtes Grau in unserer Marmorstruktur einem Eierschalengelb bevorzugten. Denn das Material vermischt sich mit dem Untergrund und zieht Fremdpigmente an bzw. reagierte sogar mit dem Kalkzementputz des Untergrundes, was wir bei der Opferschicht bereits beobachten konnten. 
    Während des Trocknungsvorgangs – maximal aber 12 Stunden danach – wird die Naturseife eingepresst. Hierbei handelt es sich um so genannte Korfu-, Olivenöl- oder Römerseife. Die Fettsäuren reagieren mit dem feuchten Kalk und bilden glänzende Oberflächen. Die Trockenbauplatten wurden speziell grundiert, da Gips sich mit so ziemlich keinem anderem, natürlichen Baustoff verträgt…

    Das Ergebnis war für uns mehr als beeindruckend! Die Oberfläche der Kalkglätte gleicht stellenweise dem Marmor, das Wasser perlt ab und läuft zum Boden. Gleichzeitig hat unser Feuchtigkeitsventilator weniger zu tun: Er springt bei einer Raumfeuchtigkeit von 50% an und läuft dann für 5 Minuten gechillt weiter. Kurze Zeit später zeigt das diffusionsoffene Supermaterial sein volles Potential: Der Raum ist plötzlich wieder trocken! Dit jefällt uns und amused uns sehr! Kalk Baby!

    Vorher. Nachher. Endlich

  • Wohin mit all dem Plunder

    Wohin mit all dem Plunder

    Bauherrende von Welt kennen das Problem: Überall Dreck und Staub und Abrisssplitter! Der Kiesel wird zum Berg und die Haufen häufen sich! Was tun!?

    Nicht vor allzulanger Zeit haben wir unser altes Bad fragmentiert und die blaugetünchten Fliesen von der Wand gesprengt. Überwältigt von der Masse an Bauschutt und Abbruch, haben wir den alten Hühnerstall zur temporären Lagerstätte auserkoren. Monate später schien es schon fast so, als ob der Haufen Anstalten machte, für immer dort zu verweilen. Ähnlich verhielt es sich mit den alten Ziegelsteinen des Durchbruchs und der Beetbegrenzung. Sie ruhten gemächlich auf einer alten Palette und drohten Wurzeln zu schlagen! Und während wir mitten in der Badsanierungsteckten, brachen wir unser Grundprinzip, parallele Projekte zu vermeiden, und eröffneten eine neue Baustelle! Schließlich braucht der Kalkzementputz im Bad eine gewisse Zeit um abzutrocknen, ähnlich wie damals der Lehm. Diese Zeit will effizient genutzt und nicht vertrödelt sein!

    Ein neues Fundament für eine Kräuterspirale

    Nach exorbitanter Wankelmütigkeit hatten wir uns endlich und final entschieden, an einem fest bestimmten Ort ein neues Fundament für unsere Kräuterspirale zu erschaffen. Wir folgten der Anleitung von Utopia und nutzten den Steinbedarfsrechner von mein-onlinerechner.com. Letzterer erwies sich als ziemlich überflüssig, weswegen wir den geplanten Bereich für die Kräuterschnecke mit rotem Garn „abstachen“ und größenmässig an unser Steindepot anpassten. Den Rasenboden ließen wir unangetastet und stapelten schlicht die Steine im Versatz auf mehrere Reihen, so dass wir am Ende auf ungefähr 80cm Höhe im Sternum der Schnecke kamen. Ein weiteres und wichtiges Kriterium für die gewählte Dimension war die Erreichbarkeit aller Ebenen: Ein Bandscheibenvorfall für die Hege und Pflege der obersten und innersten Kräuter der mediterranen Ebene wäre eindeutig kontraindiziert! Also widersprachen wir der vorgeschlagenen Mindestbreite von drei ganzen Metern und näherten uns einem Radius von einem Meter. Für den Standort ergaben sich weitere Herausforderungen: Die Kräuterspirale sollte möglichst nah am Haus gelegen sein, damit auch bei Regen die Lust der Ernte nicht verloren ginge Kräuter für die Lasagne zu ernten, gleichzeitig sollte eine gleichmäßige Sonneneinstrahlung von der Südseite ohne Schattenwurf des Hauses gewährleistet sein! 

    Erst die Mühe – dann der Lohn

    Die Mauern der Kräuterspirale schufen unheimlich viel Platz. Eine sehr verstörende Vorstellung, dass etwas so Begrenzendes versteckte Horizonte eröffnen vermöge! Derweil fanden sechzehn Schubkarren Bauschutt eine neue Ruhestätte. Die Reste der Fliesen von Sauna und Bad wurden zerbrochen und in der letzten Ebene aufgetürmt, so dass zu allen Seiten drei einheitliche Steinreihen für den Erdaufwurf verbleiben sollten… 
    Das Gebrochene – dass von A nach B gebracht wurde – nun von C zu D zu transferieren, hinterließ in einem kurzen Augenaufschlag einen schalen Beigeschmack der Übersättigung. Aber so ist es halt. Shit Consists und manchmal müssen sich Wege wiederholen und wir in unsere eigenen Fußstapfen treten, um zu lernen!

    Die fünf Ebenen der dreifachen Mannigfaltigkeit

    Einer Kräuterspirale wird gemein gesagt eine gewisse Allkönnerschaft zugeschrieben: Oben ruht der sandige Boden für mediterrane Kräuter wie Thymian, Rosmarin und Oregano; danach folgen wasserhungrigere Gewüchse wie Basilikum, Minzen und Ampfer, abgelöst von den versoffenen Grünblättrigen wie Koriander, Petersilie und Lauch. Nun ist die These, dass diese Kräuterspirale in der Lage sei, diverse Klima- und Feuchtigkeitszonen zu immitieren, erstmal eine These. Meiner Auffassung nach würde ich eher davon ausgehen, dass Wasser ähnlich wie Elektrizität und Mensch dazu verleitet sind, den kürzesten Weg zu nehmen und nicht erst im Kreis zu laufen (Mensch schon, Wasser vielleicht eher nicht). Deswegen blieben wir nicht beim Ursprungsgedanken des Spiralenkonzeptes, sondern wagten dies einen Schritt weiter zu denken: Im unteren Sumpfbereich fanden wasserspeichernde Leichtbetonsteine ihren Platz, während oben nah der Sonne gebrannte Tonkeramik aufgebäumt wurde. Um dem Kreislauf der Zeit ( und des Wassers ) zu folgen, wurden keramisch-versiegelte Bauschütttrümmer schindelgleich angeordnet, um einen klaren linksdrall der betrunkenen Wassermassen zu erzeugen. Die letzen 15cm brachten wir unseren hauseigenen Humus aus, der viel fermentierten Hühnermist und verbrauchten Kaffeesatz enthält. 

    Nach wenigen Tagen kamen Zweifel auf, denn die frisch migrierten Pflanzen strauchelten. Doch wenige Tage später explodierte unsere kleine Oase und alle – wirklich alle Kräuter – scheinen überallemaßen zu florieren und sich zu entfalten! Wir kommen gar nicht mehr hinterher mit der Ernte, was ein wirkliches Novum ist! Früher tat mir jedes entnommene Blatt des Basilikums, jeder zierliche Zweig des Thymians um die Ernte leid. Heute esse ich Kräuter wieder täglich und mit gutem Gewissen. Ich wünschte ich hätte dieses Produkt früher entdeckt! Es hat mein Leben verändert (#Werbung 🙂 ). Dass Prinzip der Kräuterschnecke scheint tatsächlich zu funktionieren! Heute sehen wir die Kräuterspirale vor lauter Kräutern fast nicht mehr! 
    Viel Spaß beim Nachbauen! 

    # Achso und übrigends: Bei dieser Angstrengung hat uns erneut meine (immernoch) kleine Schwester geholfen! Diesmal sollten ihre Mühen keine Makulatur sein! 

    # Wichtige Ergänzung: Wir müssen bei diesen Bedingungen noch immer mindestens alle drei Tage gießen, obwohl wir nachträglich mit Stroh gemulcht haben, was übrigens dringend empfohlen wird! Es senkt den Beikräuterdruck, speichert Feuchtigkeit und bietet wichtigen Organismen Unterschlupf! Denn Licht ist nicht alles: vielmehr geht es darum, dass sich im Boden möglichst schnell Lebewesen und Mikroorganismen ansiedeln, um Nährstoffe für die Kräuter bereitzustellen! Im Großen oder im Kleinen leben Kreisläufe vom Abfall und den Ausscheidungen anderer um neue Fundamente zu bauen!

  • Das Insektenhotel

    Das Insektenhotel

    Ein Insektenhotel bietet eine schöne Beobachtungsmöglichkeit, sofern sich die Zeit genommen wird, das Objekt regelmäßig zu Beobachten. Ansonsten ist das Ganze Unterfangen und die Auseinandersetzung damit wohl eher vergeudete Liebesmüh‘. Künstlich hergestellte Nist- und Überwinterungsplätze für Insekten bieten nämlich einige Fallstricke und sind nicht per sesinnvoll. Das Problem beschreiben wir hier!

    Die Branche boomt – Insektenhotels sprießen wie Pilze aus dem Boden! Viele zukünftige Hoteliers kaufen sich ein Renditeobjekt im Baumarkt. Manche benutzen es als Lernort, stilisieren sie als Archen bedrohter Arten! Oft ist es als Kompensation eines versiegelten Gartens zu sehen. Wenn das Spießertum die Wiese zum Rasen oder Schotterklunker umfunktioniert und allen Wildwuchs und Beikraut im Keim erstickt, Blüten und Fruchtfolgen zerstören, dann kann das Anlegen eines Quadratmetergroßen Hotels für die Sechsbeiner kurzfristig das Gewissen beruhigen. Es müssen aber grundsätzlich weitreichende Maßnahmen zum Schutz von Insekten umgesetzt werden! Dazu gehören umfangreiche Pestizidverbote! Und Mut zur Passivität: Totholz, Abgestorbene Pflanzen, Steine, all dies bietet viel mehr Platz für Sechsbeiner_Innen. Oder mal im Mai aufs Rasenmähen verzichten! Wer trotz alledem so ein Ding bauen will, der folge bitte dieser Anleitung! Denn wer will schon eine eigene Kampfarena im Garten, in der sich Fressfeinde und Gegenspieler bekriegen und aufressen, in der Truckervögel zum Schnellimbiss vorbeuschauen und sich den Bauch vollschlagen… So etwas gibt es nur im Wilden Westen der Natur. Wir wollen eine geordnete und moralisch vollkommen korrekte und instinktbefreite Natur! Spaß beiseite, aber Aufbau, Standort und Beschaffenheit der verwendeten Materialien können über Leben und Tod entscheiden… (Drama off)

    Warum ein Insektenhotel bauen?

    Ich fand die Vorstellung, verschiedenen Insektenarten ein Zuhause bieten zu können, zuerst sehr romantisch! Da ich tendiere mich selbst übersorglich zu beobachten, entspannt mich die Extrospektive. Ich bin also ein Naturbursche und lasse mich gerne von Mücken auffressen, während ich stundenlang gelangweilt am Teich verharre und auf Sensationen warte. Als Gärtner interessieren mich aber auch die Aspekte der biologischen Schädlingsbekämpfung! Wer strikt auf Pestizide verzichtet, wird bestimmt schon mal mit der ärgerlichen Situation eines geräuberten Beetes konfrontiert gewesen sein! Also warum nicht ein paar von den Guten ansiedeln, um gegen die Imperialen Streitkräfte aufzugebehren…

    Die richtige Planung

    Letztes Jahr habe ich im Schrebergarten ein Insektenhotel aus Sperrmüll gezimmert und alles reingehauen, was ich so finden konnte. Von Tannenzapfen, Holzscheiten, Schilfrohren und Stroh über alte Mauersteine bis hin zu verlassenen Schneckenhäusern. Dann passierte monatelang nichts! Einzig eine Kreuzspinne spann ihr Netz über die Pfade der Ameisenpatrouille. Tatendrang vs. KnowHow 0:1. Als ich in meiner Heimat zu Besuch war, besuchte ich das Lebendige Bienenmuseum und unterhielt mich mit Joachim Flügel über mein gescheitertes Investment. Als Biologe erforscht er seit Jahren Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Insekten, Schäd- und Nützlingen und gab mir ein paar essentielle Tipps. Der erste davon war, das Hotel Richtung Süden auszurichten. Und siehe da: Innerhalb von 15 Minuten zogen die ersten Wildbienen ein! Es braucht also etwas an Planung und KnowHow! 
    Joachim ist leider Ende 2019 verstorben. Ich bin sehr dankbar, dass ich Joachim kennenlernen durfte!

    Florfliegenkasten (links) und Schmetterlingskasten (rechts)

    Wer soll einziehen

    Der perfekte Gast stellt wenig Ansprüche an die Unterkunft, hat großen Appetit und hält sich an die vorgegebene Speisekarte! Auch ansonsten ist er friedvoll und stiftet keine weitere Unruhe im Garten! Hier gibt es unsere Speisekarte:

    à la carteGastZimmer
    Weiße Fliege auf Kohl dazu Zweierlei aus Raupe und Motte an grünem BlattwerkSchlupfwespeHolzstücke mit Bohrungen
    Blatt-, Schmier- und Wolllaus-Triade auf regionaler ObstfruchtFlor- und SchwebfliegeWildblüten vor der Tür;
    Weizenstroh und Tonkasten im Wohnbereich
    Das Obrige gepaart mit frischem GemüseMarienkäfer und OhrenkneiferWeizenstroh und Tonkasten im Wohnbereich
    Spinnmilbe unter 42 Triebspitzen von AllemRaubmilbeSauna mit Aufguss und Birkenquast;
    Filzbett im Schlafzimmer
    Dessert aus Blütenstaub und SüßnecktarWildbienen und HummelnWildblüten vor der Tür;
    Holzstücke mit Bohrungen

    Ansonsten gibt es noch weitere Beherbergungen für speziellere Ansprüche wie das Hornissenhotel, die Hummelbox und die Marienkäferpension!

    Aufbau und Materialien des Insektenhotels

    Für die Materialien zuerst das Verbotene im weniger romantischen Sinne:

    • Lochsteine (Lücken zu groß als Versteck, höchstens als Raumteiler)
    • Tannen- oder Kieferzapfen (Würdest du dich darin verstecken?)
    • OSB oder Schichtholz (scharfe Kanten verletzen die Flügel beim rein- und rauskriechen)
    • Stirnseitig gebohrte Holzscheite oder Äste (Rissbildung, Wasserschaden, Schimmel, Kindstod)

    Generell gilt es darauf zu achten, Bohrungen sehr genau und gleichmäßig zu vollführen und Materialien zu verwenden, die ein gutes Versteck, Feuchtigkeit- und Frostschutz bieten können.

    Der richtige Standort

    Ein Insektenhotel sollte an einem warmen, trockenen und windgeschützten Ort stehen. In unserem Fall half es besonders, dass Insektenhotel Richtung Süden auszurichten und freien Blick gen Osten zu haben. So wird der Standort bereits am Morgen von der Sonne beschienen und wärmt sich schnell auf. Wärme und Licht sind wie für uns Menschen auch für unsere sechsbeinigen Gäste absolute Wohlfühlgaranten! Wichtiger wird das umso mehr im Winter, denn das Insektenhotel muss draußen bleiben, damit die überwinternden Tiere und Larven nicht gestört werden! Der Bau an einen Baum oder zu einer Rückwand garantiert auch zur kältesten Jahreszeit etwas Schutz vor der Witterung.

    Mamas Worte zum Abschluss

    • Der ökologische Nutzen eines Insektenhotels ist umstritten! Einige wenige Arten, die keiner besonderen Förderung bedürfen, könnten gefördert werden
    • Bei ungenauer Planung oder Pauschalreisen werden oftmals Gegenspieler und Fressfeinde gepusht
    • Eine ausbleibende Pflege erzeugt einen Lebensraum für Milben und andere Schädlinge
    • Der gedankenlose Einsatz fragwürdiger Materialien schädigt Tier und irgendwann auch Mensch

    Quellen & Weiterführende Links

  • Meine Lieblingspodcasts #01

    Meine Lieblingspodcasts #01

    Ob Langeweile oder das Bedürfnis nach menschlichen Stimmen: Der Corona-Lockdown ist der perfekte Anlass für ein paar Podcast-Empfehlungen!

    Seitdem wir hier schwer am Bauen sind, bin ich ein großer Fan von Podcasts geworden! Es ist ein großartiges Medium für die Baustelle und den Garten. Denn gerade wenn ich alleine am Werkeln bin, fehlen mir oft Gesellschaft und Dialog. Und während ich meine Hände und Augen gebrauche, sind meine Ohren total unausgelastet und meistens mit Hörschutz verschlossen. Dazu kommt meine stetige Wissbegier und die Sucht nach Selbstoptimierung – ich will also gerade während stupider Fleißarbeiten auf der Baustelle auch noch was Lernen. Daher hier meine Lieblingspodcasts aus vielen unterschiedlichen Bereichen in der Reihenfolge ihrer Entdeckung…

    Podcasts für die Baustelle

    „Deutschland3000“ mit Eva Schulz

    Eva ist eine großartige Moderatorin! Sie ist aufgeschlossen und neugierig und stellt auch den schwierigsten Gästen unverblümte Fragen. Ihr Leitsatz ist „Wenn man über einen anderen Menschen etwas lernt, lernt man auch immer ein bisschen über sich selbst„. Das würde ich sofort unterstreichen! Und genau das passiert auch, weil das Gespräch mit Eva nie oberflächlich bleiben kann. Selbst wenn ihr jemand wie Philipp Amthor gegenübersitzt. Meine Lieblingsfolge ist die mit Teddy Teclebrhan. Da habe ich so viel lachen müssen, dass die Fliesen beim Verlegen verrutscht sind. Der Podcast eignet sich vor allem für frustrierende und ermüdende Arbeiten, da er schön auflockert und die Stimmung erhellt.

    „Verbrechen“ – Kriminalpodcast des ZEIT Magazins

    Den Podcast von Sabine Rückert und Andreas Sentker habe ich beim Abschleifen der Dielen, Holzbalken und Möbel in der Ferienwohnung gehört. Nervenaufreibende Fleißarbeit eben. In jeder Folge wird ein einzelner Kriminalfall vorgestellt und intensiv besprochen. Dabei geht es um Kriminalpsychiatrie, Rechtsmedizin, Justizirrtümer und Skandale. Die Folge „Das Kind im Kühlschrank“ hat mich besonders berührt. Hier wird das fatale Versagen eines ganzen Helfersystems und die teilweise desolaten Zustände der Jugendhilfe dargestellt. Aber Vorsicht – die Folge geht wirklich unter die Haut. Worin die Faszination für TrueCrime liegt, kann ich gar nicht sagen. Man fühlt sich nicht unbedingt gut nach dem Hören einer Folge. Trotzdem tut man sich das an… Der Podcast eignet sich vor allem für Arbeiten mit organischen Baustoffen wie altem Holz, Lehm oder rostigem Eisen, da hier die Vergänglichkeit nochmal eine ganz andere Bedeutung bekommt. 

    „Alles gesagt?“ – Das unendliche Interview

    Christoph Amend und Jochen Wegner von ZEIT Online laden prominente Gäste wie Politiker*innen, Schriftstellende oder Musikschaffende in ihren Podcast ein und löchern sie, bis der Gast selbst ein vorher vereinbartes Kodewort sagt. Das kann dann schon mal einige Stunden dauern. Das tolle an dem Podcast ist die ungezwungene Gesprächsatmosphäre und die Gastgeber stellen auch wirklich tolle Fragen und haken kritisch nach. So kann man einen sehr tiefen Einblick in die Lebenswelt und Ansichten der Gäste bekommen. Das ist gerade bei Politiker*innen sehr spannend. Mein Lieblingsfolge heißt „Uli Wickert, was ist das Geheimnis Ihres reichen Lebens?“. Hier lernt man den ehemaligen Tagesthemen-Moderator aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Gehört habe ich die meisten Folgen im Winter in der kalten Werkstatt als ich die Küchenregale gebaut habe. 

    „Brennst du?“ Podcast von Jonas Rothe

    Der Podcast von Jonas Rothe hat einen besonders schönen Themenschwerpunkt! 
    Er hat es sich zur Aufgabe gemacht Menschen zu finden und durch seine Interviews zu portraitieren, die für irgendetwas brennen und Feuer für eine Sache gefangen haben. Für mich als Hörer ist es sehr inspirierend den Geschichten und Schilderungen anderer zu lauschen und zu erfahren, warum sie das tun was sie tun und wie sie überhaupt dahin gekommen sind. Manchmal ist es eine Krise die als neue Chance begriffen wird, manchmal ist der Zufall Schuld an einem neuen Lebensweg. Der Podcast eignet sich hervorragend für die kritischen und frustrierenden Momente am Bau, beispielsweise wenn es regnet und man nicht weiterkommt. Er hilft aber auch einfach so gegen den Blues!

    Podcasts für die Gartenarbeit

    Der „Hofhuhn Podcast“ von Ingmar Jaschok

    Ingmar ist Landwirt auf dem Bornwiesenhof im Hunsrück und ein wahrer Pionier in Sachen Hühnerhaltung. Das Wohl seiner Tiere liegt im sehr am Herzen und er versucht stetig die Haltungsbedingungen zu verbessern. Dabei sind die Aufzucht von Bruderhähnen und die Freilandhaltung für ihn selbstverständlich. Im Austausch mit Gastronomen enstehen neue Rezepte für die Verarbeitung unüblich alter Tiere, wodurch versucht werden soll die klassische Mast abzuschaffen. Neben dem sehr interessentan Podcast führt Ingmar auch einen sehr informativen Blog, der den Dialog zwischen Produzent*innen und Verbraucher*innen anregen soll. Ingmar ist immer sehr sortiert und klar in seinen Aussagen und begegnet seinen Gästen stets auf Augenhöhe. Das machen den Podcast und Blog sehr wertvoll. Ich höre den Podcast gerne beim Stall ausmisten, Hühner füttern oder beim Suppe kochen!

    „Vom Garten Leben“ Podcast mit Linus Keutzer

    In den ersten Folgen des „Vom Garten Leben“ Podcasts ging es noch relativ ruhig zu, frei nach dem Motto „Gemüse ist Punk“. Mittlerweile hat sich die Gangart etwas gewandelt denn Linus ist jetzt richtiger Direktvermarkter und vertreibt seine eigene Gemüsekiste an regionale Verbraucher*innen. Ich kenn Linus jetzt schon eine Weile und er war auch schon mehrfach bei mir im Podcast zu Gast. Die Entwicklung seines Ein Mann – Unternehmens ist sehr spannend zu beobachten und zu verfolgen. Er erzählt viel von seinen eigenen Erfahrungen und betreibt dabei keine Zensur. Das macht Linus so sympathisch und authentisch! So kann man von seinen Niederlagen lernen. Viele seiner Konzepte, von der Anbauplanung bis hin zu selbstgebauten Gewächshäusern und Werkzeugen, sind natürlich auch für ambitionierte Hobbygärtner interessant! Schön ist auch, dass neue Folgen jetzt immer häufiger erscheinen und Linus viele tolle Gäste vorstellt. Den Podcast höre ich sehr gerne beim Umgraben, der Aussaat frischen Gemüses oder dem abendlichen Wässern!

    „Fit im Obstbaumschnitt“ mit Lisa Nilles

    Lisa ist gelernte Bäuerin aus der Schweiz und betreibt einen sehr informativen Blog zum Thema Obstbäume und Obststräucher. Zugegeben, es war für mich anfangs etwas schwierig in den Podcast reinzukommen, da dass Themenfeld der Obstbäume für mich absolutes Neuland war und ich Schwierigkeiten hatte, die gehörten Informationen visuell auf unsere Bäume zu übertragen. Aber Lisa vermittelt in ihrem Podcast viel wichtiges Basiswissen über alte Obstbaumsorten, wie eine Veredelung funktioniert, warum es unterschiedliche Unterlagen für Obstbäume gibt, welche Krankheiten und Schädlinge auftreten können und wie die eigenen Bäume und Sträucher am besten gehegt und gepflegt werden. Meine Lieblingsfolge (FiO11) handeln von Wildobst und klimaresistenten Sorten. Den Podcast höre ich natürlich am liebsten beim Stamm kalken, Kirschen ernten oder Birnen schälen!

    „Haus Hof Hühnerstall“ mit Marco Jacob

    Marco bezeichnet sich selbst als Freidenker und Optimist. Hört man die ersten beiden Folgen des noch sehr jungen Podcast, kommt auch das genau sofort rüber. Marco hat eine sehr angenehme und unaufgeregte Stimme und erzählt sehr unterhaltsam vom eigenen Hofprojekt. Dazu gibt es vor allem viele Parallelen zu unserem eigenen Projekt. Auch Marco ist autodidakt, experimentierfreudig und möchte natürlich leben. Auf seinem Blog dokumentiert er seine DIY-Projekten vom Tonie-Regal über Schneckenzäune zur eingekochten Marmelade. Ein Highlight sind natürlich die eigenen Bienen, die bei uns auch bald einziehen sollen. Bleibt nur zu hoffen, dass bald eine neue Folge erscheint! 

    Hast du eine Podcast-Empfehlung!? Dann schreib mir! Ich freue mich immer über neuen Hörstoff und werde auch bald einen zweiten Teil dieser Reihe veröffentlichen…

  • Badrenovierung Teil 02

    Badrenovierung Teil 02

    Drei Monate sind vergangen. Am 13. Januar sollten die Arbeiten an den Sanitärleitungen durch einen Fachbetrieb erfolgen. Dafür hatten wir uns mitte November auf die Warteliste einer lokalen Firma setzen lassen. Dann kam zwei Tage vor Arbeitsantritt die Absage. Kein Aufschub, keine Terminverschiebung. Nein. Einfach eine komplette Absage.

    Ich mag mir gar nicht vorstellen wie das für uns gewesen wäre, wenn wir nicht so viel in Eigenleistung erbringen würden oder ein neues Haus bauten!? Damit wären wir extrem auf die zeitliche Koordination der Gewerke angewiesen und damit komplett aufgeschmissen! Leider ist das nicht unsere erste Erfahrung mit voll-ausgelasteten Fachbetrieben – History repeating
    Unsere Not brachte mich dazu, den Mann meiner Cousine aus Berlin anzurufen. Er ist selbst mittlerweile Meister und wir haben uns abgestimmt, dass wir die Baustelle komplett vorbereiten und er dann mit seiner Firma vorbeikommt um die neuen Leitungen zu verlegen. Willkommen zum Bergfest unserer Badrenovierung!

    Materialbeschaffung

    Mittlerweile haben wir einen ganz guten Überblick über die Preise diverser Komponenten im Bau- und Sanitärbereich: Wir kennen die Apothekenpreise aus dem Baumarkt und wir kennen die Preise diverser Fachhändler. Das Verhältnis liegt durchschnittlich bei drei zu eins. Das fängt beim Baustopfen an (6€ Baumarkt vs. 1,60€ Großhandel) und endet bei der Marken-Regendusche Deluxe (Baumarkt 900€ vs. 350€ Großhandel). 
    Mein Gedanke war, dass man durch einen Fachbetrieb Kosten sparen würde, weil dieser ja schließlich die Komponenten günstiger zukauft und hauptsächlich durch die Arbeitsleistung profitiert. Leider ist häufig das Gegenteil der Fall: An den Bauteilen wird zusätzlich verdient. Das mussten wir bereits erleben. Daher haben wir unsere Sanitärkomponenten über diverse Onlinehändler möglichst günstig geschossen.

    Operation am offenen Herzen

    So geschah es, dass der Göttergatte meiner Cousine unmittelbar zu Hilfe schritt, uns anbot mit seiner Firma den darauf folgenden Werktag aus Wandlitz anzureisen, und sich der Sache anzunehmen! Wir waren gelinde gesagt überwältigt von so viel Einsatz und Hilfsbereitschaft! Wir wurden aus der totalen Enttäuschung und Überforderung rausgerissen und mit neuem Enthusiusmas überspült: Schließlich steht dieses Jahr unser Polterabend mitsamt Hochzeit an und die Baustellen auf dem Hofe multiplizieren sich. Der Ausblick auf eine Wannebade für Susans Rückenentspannung bereits in diesem Winter und einem Saunaraum für unsere baldigen Feriengäste im Frühjahr – hauptsächlich aber die Fertigstellung des letzten und heiligsten aller Räume in unserem neuen Heim – rockt uns voll weg!

    Wir rechneten mit zwei Tagen Arbeitseinsatz. Das war das was über Bilderchen und dem Messenger so rüberkam. Diese Einschätzung hielt sich auch über den ersten Arbeitstag hinaus. Dann wurde schnell nach oben korrigiert :-). Kennen wa schon wa!? Beim Versuch die bestehende Wasserleitung abzudrehen, traten die ersten Probleme auf: Vernickelte Altrohre mit Stahlverschraubungen und alten Kugelhähnchen. A receipt for desaster…und alles platzte unter uns weg. Die Konsequenz: Alles muss neu! – und dabei ließe sich doch gleich der gesamte Keller neu gestalten, oder etwa nich…!?

    Es gibt einiges zu Stemmen…

    Habt ihr schon mal gestemmt? Stemmen ist unfassbar kompliziert. Man setzt von der Hoffnung getrieben den Stemmhammer inklusive Meißel auf die mit Bleistift eingezeichnete Stelle an um den richtigen Stein aus der Wand zu ballern. Tendentiell bewegt sich aber immer der andere blöde Stein! Einfacher ist es beim Boden. Hier hilft die Schwerkraft ungemein! Schwerkraft ist plötzlich geil! Hat man keinen hochperformanten Stemmhammer zur Auswahl und ist auf die Budget-Version angewiesen, hilft es mit der Bohrmaschine die Sollbruchstellen vorzubohren! Das sieht außerdem auch ziemlich bezaubernd aus! 

    Bad, Sauna, Garten. Und ein Kriechkeller…

    Während wir zum Warten gezwungen wurden, verlagerten wir unsere Kräfte auf den Ausbau des Saunaraums. Dadurch entstanden selbstverständlich neue Herausforderungen an das Wasserleitungskonzept. Wie gewohnt sollten alle Leitungen durch unser persönliches Rom – den Keller führen. Also entstand die Idee, diesen etwas angenehmer und wohnlicher zu gestalten. Eine neue Kalkbude entsteht…

    Die Wände sind gestemmt. Nächste Woche geht es weiter und hoffentlich werden alle Leitungen verpresst und verlegt und die Spülmaschine ist wieder einsatzbereit. Denn mittlerweile stapelt sich das Geschirr und die ungewaschenen Buchsen im Wohnraum. Geschichte wird gemacht es geht voran…

  • Das dritte Jahr

    Das dritte Jahr

    Es ist ruhiger geworden um uns. Zumindest Blog-Weise. Doch wir haben ein Jubiläum zu verkünden – einfach weil das eben so gemacht wird mit diesen Zeitabschnitten und Meilensteinen usw. Also los geht’s…

    Weniger Geschwindigkeit. Mehr Moment. Weniger Konsum. Mehr Genügsamkeit. Weniger Fleisch. Mehr Selbstversorgung. Weniger Stress. Mehr Leben. Weniger Vorgaben. Mehr Freiheiten… Doch was ist nach zwei Jahren in der neuen Heimat und der Flucht aus dem Berliner Großstadtalltag von diesen umfangreichen Vorhaben übrig geblieben? Und wurde vielleicht der eine Fehler wieder wiederholt, sich beispielweise zu viel vorgenommen? Zeit für ein Resumee… 

    Potenzierte Euphorie

    Der Befreiungsschlag war gelungen: Die Ablöse von Hausherrinnenschaft erreicht. Der letzte Mietzins beglichen und die Bude geräumt: Was ein geiles Gefühl von Freiheit – die Mietwohnung verlassend – dem heuchlerischen Hausmeister endlich den gewünschten Nackenschlag verpassend – der wo lange verkniffen wurde, weil man ja angewiesen war! Wenn Abhängigkeiten sich auflösen, fühlt man sich groß – und so ging es los!

    Auto voll – Küche leer – erstmal nicht bewusst, was diese Küche eigentlich bedeutete. Schrank, Tisch und Herd, Lagerregal – ein Palindrom – aber diese Zeiten lassen sich nicht einfach umdrehen. Hier hat man bis morgends mit Freunden (a)sozialisiert, getrunken, gespielt und sich wiederholt verlabert! Spontanität Level 100! Sowas wird vermisst werden – lernen wir dann irgendwann nachträglich. Hinterher ist man immer schlauer! Niemand wird spontan zum Wizzard auf dem Lande!

    Feuchtfröhliche Nächte in unserer Neuköllner Küche

    Aber man will woanders hin. Den Sinn finden. Im Anderswo. In der Ruhe, in der Stille, auf dem Land. In Brandenburg. Es war nicht unbedingt Grebes Mut der uns zum Aufbruch bließ. Vielmehr der Eigene. Und eine romantisch verklärte und durchgefärbt-verblasste Erinnerung ans Landleben. Daneben natürlich auch ein geringer Anteil wirtschaftlichen Pragmatismus. Denn wir hatten weder einen alten VW noch ein Surfbrett unterm Arsch und so waren wir für die rote Schlange mit S als Kreditnehmer uninteressant und mussten uns anderweitig um Moneten bemühen. Dabei fanden wir viel Unterstürtung von Freunden und Familie. Den Rest der Lösung des Problems gab es nur mit Anschluss an das alte Leben. Pendeln nach Berlin. Nur temporär!

    Erstmal ankommen

    Lord and Lady Dwier

    Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne (Hesse). Und wir waren sowas von verzaubert! Mit unserer Rosa-Roten Brille konnte uns nichts entmutigen oder Einschüchtern. Auch nicht die vielen Überraschungen, die marode Elektrik, der kaputte Dachstuhl, die zerstörten Dielen und schon gar nicht unsere ersten Tränen. Aber es gab verdammt viel zu tun! Was am meisten Kraft kostete, war es Ordnung und Struktur zu halten und sich zu organisieren. Hier fand sich definitiv die steilste Lernkurve. Und irgendwie hatte unser Provisorium auch was romantisches! Wir haben quasi mehrere Wochen im eigenen Haus gezeltet und waren von wilden Tieren (Mäuschen) umgeben. Mit all dem Staub und Dreck fast wie eine Safari in der Wüste. 

    Auf Zauber folgt Alltag

    Nehmen wir die größte Erklärung vorab und spoilern ein wenig: wir sind im Alltag angekommen! Es ist noch nicht ganz der Alltag, den wir uns erträumt haben und es fehlt noch einiges zur Perfektion, aber wir waren, sind, und werden im Prozess sein und bleiben um unser Ziel eines entschleunigten, sinnerfülltem, zufriedenem und ideenreichen Landlebens zu verwirklichen!
    Zwischendrin hat uns der Alltag. Gerade für Susan ist die Pendelei nach Berlin nach wie vor eine große Anstrengung und füllt damit ihre Arbeitswoche auf satte 62,5 Stunden. Wir verabschieden uns morgens mit einem Kuss und essen abends gemeinsam Abendbrot. Zwei Stunden später ruft bereits das Bett. Da beginnt man sich umzuorientieren, ist aber als Kommunikationswirtin in unseren Gefilden nicht allzugut aufgestellt. Bei mir ist es anders. Meine Arbeitsstelle ist um die Ecke und im Gegensatz zu festen Arbeitszeiten habe ich eher ein Arbeitssoll was es zu erfüllen gilt. Diese Vorzüge können aber auch lästig sein: Es kommt nicht selten vor das ich Termine am frühen morgen und dann wieder spät abends habe. Die Zeit dazwischen ist oft irgendwie verloren, weil es sich nicht lohnt irgendetwas ernstes anzufangen. Hinzu kommen vermehrt Wochenendtermine, die uns beiden wiederum Beziehungszeit und gemeinsame Freizeit rauben. Darüber hinaus befindet sich meine Betriebsstätte seit eineinhalb Jahren im Provisorium und ich bin darauf angewiesen vermehrt von zu Hause aus zu arbeiten. Diese Durchmischung von Wohn- und Arbeitszimmer ist manchmal auch gar nicht so einfach, weil der Kopf einfach nie zur Ruhe kommt und sich neben den ganzen Bauprojekten und Vorhaben eben auch noch sehr viel mit Arbeitsplanung und Arbeitsprojekten auffüllt. 

    Wir wollten uns befreien

    Alltag bedeutet aber auch, dass nicht mehr alles superneu ist. In vielen unserer Baurenovierungsvorhaben und Vorgänge hat sich mittlerweile eine Routine eingeschlichen. Eine Routine, die wir Müde sind so genau zu dokumentieren. Und eine Routine, die wir zu überwinden wünschen. Jeder der in einer ähnlichen Situation steckt oder gesteckt hat sagt uns: Mit eigenem Haus und Garten hört das nie auf. Es gibt immer was zu tun. Der Nebensatz „Packen wir es an“ verhallt allmählich. Denn wir haben andere Agendas, die wir allsbald verfolgen möchten: Den eigenen Garten, die Selbstversorgung, Pizza backen, Feuer machen, Basteln, Schafe melken, Wolle spindeln, Töpfern, Spaziergänge, etc. etc. Die Liste wird immer länger. Und während wir es prinzipiell auch sehr gut schaffen dies parallel zu erreichen, wirkt in uns immer noch der erste Funke und der romantisch-verklärte Gedanke: Wenn wir erstmal auf dem Land wohnen, dann wird alles komplett anders! Das waren die Zeiten, wo Achtsamkeit für mich noch ein geiler Begriff war mit dem ich mich identifizieren konnte. Mittlerweile denke ich, Menschen die Achtsamkeit gut finden, haben zu viel Zeit. 

    Hausrenovierung – Das letzte Quäntchen 

    Unabhängig davon, dass es nie aufhört und wir überall bis ins unermessliche Weiterbauen könnten, haben wir schon ganz schön viel gewuppt! Unser Renovierungstagebuch ist Zeugnis dieser Leistungen. Von einer ersten Bestandsanalyse über das Verputzen der Räume mit Lehm bis hin zur Beräumung des Bauschutts. Vom Mamut-Projekt Ferienwohnung ganz zu schweigen! 
    Doch bei all diesen Projekten und Zwischenetappen stellt sich eine Gemeinsamkeit ein: sie bleiben unvollendet! In jedem unserer Räume findet sich ein letzter Makel, der unsere Aufmerksamkeit bräuchte. Sei es eine fehlende Fussleiste, ein unlackiertes Brett, der fehlende Sofabezug, ein nicht zugeschnittener Vorhang, ein unverkleidetes Heizungsrohr! Irgendetwas möchte in die Welt hinaus schreien: Ich bin noch nicht so weit. Ich bin unfertig. Bitte sei nachsichtig. Ich komme noch und muss noch wachsen… Ist es die eigene Angst vor Erfüllung? Die Angst den Status Quo als Finale zu bezeichnen. Die Furcht etwas abschließen zu müssen? Oder ist es eine angenehme Ausrede immer wieder sagen zu können: wir sind noch nicht fertig – die Dinge wachsen noch!? Die Antwort darauf findet sich vermutlich erst in einigen Jahren…

    Permakultur – Selbstversorgung – Nachhaltigkeit

    Wir machen alles neu und anders und besser. Wir produzieren die kritischsten Konsumgüter selbst: Fleisch, Milch und Eier. Statt Superfoods aus Südamerika bauen wir Brokolie, Sanddorn und Physalis an, haben immer frischen Salat, Gurken und Tomaten und Kochen ein, fermentieren und konservieren gesunde Lebensmittel über das gesamte Jahr – saisonal – regional und natürlich ohne Plastikverpackung! Das erste Ei war ein Triumph, das erste Schlachten erschütternd und wir wussten, dass wir zukünftig nicht mehr Tiere des Schlachtens wegen halten wollen. Die Milch ließ auf sich warten. Und neben der vielen Arbeit am Haus gedeihten eigentlich nur die Brennesseln sehr zuverlässig. Aber hey, Brennesselsamen sind auch ein Superfood und enthalten mehr verfügbare Inhaltsstoffe als Chia oder Gojibeeren. Und mittlerweile schaffen wir es auch unseren Korb zum Einkaufen mitzunehmen. 
    Alles braucht Energie und Aufmerksamkeit. Und das was uns vermutlich am stärksten mit Energie versorgen könnte, muss leider noch etwas zurückstecken, bis uns die Baustelle entbehren kann. Hier ist Luft nach oben.

    Weiterreisen- Ein Sneak Preview

    Der Winter ist Einkunft und Herbst im Herzen. Wir haben begonnen erneut in uns zu gehen. Dieser Beitrag sollte dies bezeugen. Wir rezipieren unsere Aufzeichnungen in Text, Bild und Wort, reflektieren wo wir hinwollten, wohin wir kamen und wie es weitergehen soll. Und wir sind uns einig darüber, dass wir mehr Zeit finden möchten. Zeit zum Leben. Zeit am Hof zu sein. Zeit mit Menschen zu verbringen. Weniger Arbeiten um Leben zu können. Wir wollen runterfahren, entschleunigen, ankommen. Das war der Plan. Das Vergessen wir nicht. Und wir träumen und reflektieren weiter. In Wort, in Bild, in Gedanken. Bis morgen…

  • Badrenovierung Teil 01

    Badrenovierung Teil 01

    Vorbereitung und Planung, ein Punkteplan inklusive Materialliste und detailierte Agenda – das scheint unserer Erfahrung nach eine gute Reihenfolge zu sein! Let`s get it on!

    Der letzte Raum unseres Hauses muss sich endlich einer vollumfänglichen Schönheitsoperation unterziehen. Wir sind weit gewandelt und haben Erfahrungen gesammelt! Treu dem Motto: „Das erste Haus baust du für deinen Feind, das zweite für einen Freund und das dritte für dich selbst“ haben wir uns an den anderen Räumen wie EsszimmerWohnzimmerGästewohnung und Küche warmgemacht. Das Bad ist für uns selbst und soll ein Ort der Entspannung und des Kräftetankens werden – ein Idyll in dem der Tag beginnt! 

    Vorüberlegungen

    Bereits vor 21 Monaten haben wir eine erste Skizze des neuen Bads entworfen und diese im Verlauf regelmässig angepasst, verändert und erweitert. Gründe waren einerseits neue Erfahrungen und Erkenntnisse in unserer Funktion als Bauleitende, andererseits diverse Prioritätsverschiebungen und ein neu gelernter Pragmatismus (Pragmatismus ist vermutlich ein Mischwort zwischen Fatalismus und Praktikabelität oder so). 

    Termin- und Zeitplan

    Das war unser Plan: ähnlich wie damals bei der Küche würden mein Vater und ich in der ersten Herbstferienwoche 2019 das gesamte Bad fertigstellen. LOL2000. Aber wir haben entkernt! Sowas von entkernt! In dem wir den Grundstein abgerissen haben, haben wir den Grundstein gelegt! Den Grundstein für ein SuperBad4000

    An zwei vollen Tagen wurde die Porzellanabteilung fragmentiert und aus unserem Blickfeld verdrängt – diesen Job übernahm mein Vater und schleppte gut zwei Tonnen Bauschutt in den alten Hühnerstall. Dort soll er verweilen und auf den nächsten  Baucontainer warten. 
    Optimierungsfaktor auf Grund diverser Erfahrungswerte: Sammle niemals Bauschutt vor deiner eigenen Tür! Schaffe ihn soweit wie möglich weg! Aus den Augen aus dem Sinn! Sonst bittet er dich jeden Tag erneut zum Tanz und du ziehst Tag für Tag mit einem schlechten Gewissen an ihm vorbei und denkst du müsstest, denkst du würdest, meinst du könntest…

    Neue Wände fugenlos

    Seit Anbeginn unserer Zeitrechnung haben wir mit ökologischen Baustoffen und primär Lehm gebaut. Die Gründe dafür sind von Werten getragen: Wir wollen Fußabdrücke hinterlassen, in denen nachkommende Generationen sich wohl fühlen können! Wir wollen unsere Kinder und Kindeskinder nicht mit Sondermüll und Altlasten belasten! Biodegradable ist Trumpf!
    Im Gästebad konnten wir bereits sehr positive Erfahrungen mit dem Baustoff LEHM machen. Er reguliert die Feuchtigkeit und sieht Schniecke aus – im Daily-Use treten allerdings auch ein paar Probleme auf: Der warme Wasserdampf vom Duschen dringt schnell in den Putz ein und erzeugt einen erdigen Geruch. Dadurch unterliegt der Putz wiederkehrend extremen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen, dehnt sich aus und zieht sich zusammen – anders als in den Wohnbereichen des Hauses. Spannungsrisse, Abplatzungen und Materialerweichung sind die Folge. Konsekutiv: Der Baustoff Lehm kommt im Sanitärbereich an seine Grenzen! 
    Wir haben einen Aufruf in der Instagram-Community gestartet und viele hilfreiche Tipps für ein fugenloses und ökologisches Badezimmer erhalten. Im Besonderen möchte ich hier einmal das Ladencafé Cortés aus Göttingen erwähnen, dass uns sehr detailiert Einblick in die eigene Badgestaltung mit Lehmputz und geeigneten Imprägnierungen gegeben hat! Schlussendlich fiel unsere Wahl dann aber doch auf eine übliche Verdächtige, in diesem Zusammenhang aber doch vollkommen neue Baustoffin: die Kalkglätte… 

    Geseifte Kalkglätte ist fast so alt wie die Welt

    Kalk-Baby! Er ist von der Sache her mega offen für neue Bindungen! Vor allem mit Wasserdampf und so! Da wird durchdiffundiert und geschäkert! Dieser kleine Korallen-Schwamm-Filter-Schimmeltöter-Schneckenhausliebhaber – er-marmoriert-riechtgut-siehtgutaus-machtwas-her – is-stabil! Gemeinsam schaffen wir Räume – Nassräume! Mit einer guten Grundierung von Kalk-Zement-Putz, darüber Kalkglätte mit Korfu-Seife verpresst – so wie es die alten Römer taten – bekommen wir ein marmoriertes Mega-Spa. Hier wird Sumpfkalk mit Marmormehl und Leinöl und Wasser vermengt und dann in Fresco mit Olivenölseife und einer Venezianerkelle behandelt. Das zeigen wir dann aber lieber hinterher nochmal im Detail! Bis dahin ist noch 1 bisschen Weg…

    Und unter dem Putz?

    Als hätten wir es geahnt: auch hier streiten die Geister und jeder dieser weiß anscheinend alles besser: Kupfer vs. MSVR (Mehrschichtverbundrohr) – was läuft bei uns!? 50 Jahre Beständigkeit mit fünf Jahren Lebenserfahrung vorweisen ist schon mal ne Nummer. Klingt wie plausible Weltverschwörung. Cu schafft 30. Das ist bewiesen. Denn nach 30 gehen die Fittings, Lötstellen oder Verzweigungen nieder. Kapitulieren vor Kalk oder Verstopfung? Dann erfuhren wir das nur ein zertifizierter Fachbetrieb an die Trinkwasserleitung ran darf! Klingt plausibel. Wir haben sowieso vor den verschiedenen Konturen und Pressfittings kapituliert. Da bringt jeder Hersteller was eigenes an den Start. Wie so oft ist das gesamte System proprietär und nichts mit nichts untereinander kompatibel. 

    Und dann gibt es noch weitere wichtige Überlegungen: Welcher Rohrdurchmesser für Zu- und Ablauf und die Stiele, braucht es eine Zirkulationsleitung um Verkeimung zu verhindern? Und welche Zapfstellen werden eingebunden? Und überhaupt – wo sollen wir denn mit den Neuen Rohrleitungen beginnen und die alten angreifen? Zuerst überlegten wir uns selbst eine Presszange zu kaufen. Aber nach all den Unsicherheiten erstellten wir ein Strangschema und begaben uns auf die Suche nach einem Fachbetrieb. Und wir warteten und warteten, während unser entkerntes Bad sich zu langweilen begann…

    Die Frage zum SchlussWer bitte baut freiwillig drei Häuser?